Nützlingsplanung im geschützten Gurkenanbau

Der Einsatz von Nützlingen ist im ökologischen wie auch im konventionellen Gurkenanbau fest etabliert. Vor Beginn der Kultur sollte ein Nützlingsplan erstellt werden. Dabei unterstützt Sie gern die Nützlingsberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (Kontakt siehe Sidebar).

Die erarbeitete Strategie wird an den Nützlingslieferanten weitergegeben, sodass die wichtigsten Nützlinge passend zu den jeweiligen Kulturabschnitten automatisch in den Betrieb geliefert werden. Anschließend sind nur noch situationsbedingte Anpassungen erforderlich.

Trauermückenbekämpfung

Wurden die Pflanzen selbst ausgesät, erfolgt direkt nach der Aussaat eine Behandlung gegen Trauermücken- und Thripslarven. Dazu werden Nematoden der Art Steinernema feltiae (500.000 Tiere/m²) ausgebracht sowie Raubmilben der Art Hypoaspis miles (100–500 Tiere/m² je nach Befallsstärke) abgestreut.

Beide Nützlinge benötigen für ihre Entwicklung ein gleichmäßig feuchtes Substrat.

Vorbeugende Spinnmilbenbekämpfung

orange gefärbte Raubmilbe Phytoseiulus persimilis in Großaufnahme auf einem grünen Blattausschnitt
Abb. 1: Raubmilbe (Phytoseiulus persimilis)

Kurz vor der Pflanzung bzw. nach Erhalt der Jungpflanzen werden Raubmilben (Phytoseiulus persimilis, 40 Tiere/m²) ausgestreut.

Auch ohne sichtbaren Spinnmilbenbefall kann sich dieser Einsatz lohnen: Die Raubmilben finden möglicherweise erste Eier oder Larven, die bei Kontrollen oft unentdeckt bleiben. Ein Befall wird dadurch nicht verhindert, aber in seiner Entwicklung verzögert. Aufgrund des engen Pflanzenstands genügt eine geringe Menge an Einheiten.

Blattlausbekämpfung

Nach der Pflanzung werden Schlupfwespen zur Parasitierung von Blattläusen eingesetzt. Verschiedene Arten sind jeweils auf unterschiedliche Blattlausarten spezialisiert.

Parasitierung unterschiedlicher Blattläuse von verschiedenen Schlupfwespenarten
Quelle: Viridaxis

Schlupfwespe/
Blattlaus
Aphidius
ervi
Aphidius
matricariae
Ephedrus
cerasicola
Praon
volucre
Aphidius
colemani
Aphelinus
abdominalis
Lysiphlebus
testaceipes
Aphis fabae
(Schwarze Bohnenlaus)
XX(X)XXXX
Aphis gossypii
(Gurkenblattlaus)
XX(X)XXXXXXX
Aulacorthum solani
(Grünfleckige Kartoffelblattlaus)
XX(X)XXXXXXX
Macrosiphus euphorbiae
(Grünfleckige Kartoffelblattlaus)
XXXXXXXXX
Macrosiphum rosae
(Rosenblattlaus)
XXXXXXX
Myzus persicae
(Grüne Pfirsischblattlaus)
XXXXXXXXXXXXXX

xxx = sehr gute Wirkung; xx = gute Wirkung; x = schwache Wirkung; — = keine Wirkung

Vor der Auswahl müssen daher die vorhandenen Blattlausarten bestimmt werden. Dabei kann die Nützlingsberatung unterstützen. Im Gurkenanbau treten vor allem folgende Arten auf:

  • Macrosiphus euphorbiae (Grünstreifige Kartoffelblattlaus)
  • Aulacorthum solani (Grünfleckige Kartoffelblattlaus)
  • Aphis gossypii (Gurkenblattlaus)

Für die Ausbringung stehen sowohl einzelne Arten als auch Mischungen zur Verfügung. Mischungen mit mehreren Schlupfwespenarten bieten mehr Sicherheit, insbesondere wenn keine regelmäßige Blattlausbestimmung erfolgt. Ein Vorteil bietet die enthaltene Art Praon volucre, die ein breites Wirtsspektrum besitzt.

Bei starkem Auftreten der Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) und hohen Temperaturen wird gezielt Lysiphlebus testaceipes eingesetzt. Diese Art zeigt eine hohe Parasitierungsrate und ist tolerant gegenüber hohen Temperaturen.

Die Ausbringung erfolgt je nach Befallsstärke alle 1–2 Wochen mit etwa einem Tier/m².

Räuberische Gegenspieler

Ergänzend werden räuberische Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza, 1–3 Tiere/m²) eingesetzt. Deren Larven ernähren sich von Blattläusen. Da sie wärmeliebend sind, sollte der Einsatz erst erfolgen, wenn die Nachttemperaturen über 10 °C liegen.

Orange gefärbte madenartige Larve vor einer Blattlaus
Abb. 5: Larve der Räuberischen Gallmücke (Aphidolethes aphidimyza)

Die Ausbringung erfolgt zweimal im Abstand von vier Wochen, mit dem Ziel, die Gallmücke im Bestand zu etablieren. Voraussetzung dafür ist ein offener Boden zur Verpuppung.

Zur gezielten Bekämpfung einzelner Befallsherde können Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea) direkt ausgebracht werden.

Bei steigenden Temperaturen und geöffneten Lüftungen können zudem natürliche Gegenspieler wie Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen einwandern. Ein blühendes, pollen- und nektarreiches Pflanzenangebot fördert deren Ansiedlung. Auch die Raubwanze Orius kann so in den Bestand gelangen.

Thripsbekämpfung

Etwa drei Wochen nach der Pflanzung, sobald sich die ersten Blätter berühren, werden Raubmilben (Amblyseius swirkii) in Tüten (1 Tüte pro 3–4 Pflanzen) ausgebracht. Diese ernähren sich von Thripsen.

orange gefärbte Larve der Raubwanzenart (Orius)
Abb. 6: Larve der Raubwanze (Orius)

Bei starkem Befall werden zusätzlich nach Blühbeginn Raubwanzen (Orius laevigatus, 2 Tiere/m²) eingesetzt. Alle Entwicklungsstadien ernähren sich sowohl von Thripsen als auch von Spinnmilben und können sich unter günstigen Bedingungen etablieren.

Da sie für die Eiablage Pollen und Nektar benötigen, ist ein Einsatz erst ab Blütenöffnung sinnvoll.

Spinnmilbenbekämpfung

Sobald erste Befallsherde auftreten, kann sich die Population schnell entwickeln. Daher gibt es zwei Strategien:

  1. Regelmäßige Lieferung kleiner Mengen Phytoseiulus persimilis, um bei Bedarf sofort reagieren zu können. Dies erfordert jedoch intensive Bestandskontrollen, um die Raubmilben zielgenau ausbringen zu können.
  2. Einsatz von Amblyseius californicus in Tüten. Diese Raubmilben sind weniger spezialisiert und können auch ohne Spinnmilben überleben.

Bei sichtbarem Befall müssen Phytoseiulus persimilis gezielt in den Herden eingesetzt werden (10 Tiere/m² alle zwei Wochen). Die Ausbringung erfolgt als Streu-, Blatt- oder Tütenware.

Regelmäßige Kontrollen sind entscheidend, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen.

Erhöhung der Luftfeuchtigkeit

Zur Förderung der Nützlinge, insbesondere von Phytoseiulus persimilis, wird bei hohen Temperaturen die Überkopfbewässerung mehrmals täglich für wenige Sekunden (bis maximal 15 Uhr) eingeschaltet, sodass ein feiner Nebel entsteht, ohne dass die Gurkenblätter richtig nass werden. Eine spätere Benebelung erhöht das Risiko von Pilzkrankheiten.

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