Apfelwickler – Wenn im Apfel der Wurm drin ist
Der Apfelwickler wird oft als die „Made“ oder der „Wurm“ im Apfel bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen Kleinschmetterling, dessen Raupe durch Fraß in den reifenden Früchten große Schäden anrichten kann. Auf den Früchten zeigt sich ein kleines Bohrloch, welches mit Kotkrümeln gefüllt ist. Ein Fraßgang führt zum zerstörten Kerngehäuse, in welchem die weiße Larve mit dunkler Kopfkapsel zu finden ist, bevor diese den Apfel wieder verlässt. Und nicht nur im Apfel, sondern auch bei Birnen, Aprikosen, Esskastanien, Walnüssen oder Quitten kann der Schädling auftreten.



Kurze Fakten zur Biologie
- Überwinterung in festem Gespinst unter den Borkenschuppen des Apfelbaums (auch in Kisten, Bambusstäben, Gebäuden etc.)
- Ab Mitte März Verpuppung
- Schlupf der Falter der ersten Generation ab April
- Flug in der Dämmerung bei Temperaturen um 15°C
- Eiablage beginnt kurz nach Flugbeginn, Dauer circa drei Wochen
- 20 bis 80 Eier pro Weibchen, auf Blättern und jungen Früchten
- Eier: circa 1 mm groß, weißlich durchscheinend und rundlich gewölbt
- Schlupf beginnt frühestens acht bis 14 Tage nach Beginn der Eiablage
- Raupen verbringen drei bis vier Tage auf der Frucht und bohren sich danach ein
- drei bis vier Wochen Fraß in der Frucht
- Raupen verlassen die Frucht
- Die befallenen Früchte aus der ersten Apfelwicklergeneration fallen meist mit dem natürlichen Junifruchtfall des Baums bzw. können vom Baum entfernt werden.
- Eine zweite Generation folgt ab Juli, die in der Regel die größeren Schäden an der Apfelernte anrichtet.
Bitte beachten:
Die genauen Zeitpunkte der Entwicklungsstadien des Apfelwicklers variieren je nach Region und Witterung des aktuellen Jahres! Jeder Witterungswechsel beeinflusst den Beginn bzw. die Dauer einzelner Entwicklungsstadien. Die in der Abbildung dargestellten Entwicklungszeiträume dienen lediglich der Orientierung.
Empfehlenswerte Maßnahmen
- Ab Anfang Mai sollten befallene Früchte regelmäßig entfernt werden – früh genug, bevor die Maden die Früchte wieder verlassen.
- Den Stamm auf Larvengespinste an der Rinde zu untersuchen, gestaltet sich äußerst schwierig. Daher sollten Bambusstäbe, Kisten usw. als Rückzugsmöglichkeiten entfernt werden.
- Nistkästen aufhängen und Vogeltränke aufstellen, um Vögel wie Amsel, Haussperling oder Meise als natürliche Feinde des Apfelwicklers im Garten zu fördern.
- Von Mitte Mai bis Ende Oktober kann ein Wellpappering um den Stamm gelegt werden. Diesen gibt es fertig im Handel zu kaufen, er kann aber auch selbst hergestellt werden. Die Wellpappe wird oben umgeknickt und fest um den Baumstamm gebunden. Mitte Mai bzw. Anfang September beginnen die Raupen, die befallenen Äpfel zu verlassen und sich unter der Rinde am Stamm niederzulassen. Der Wellpappegürtel bietet hier weitere Rückzugsmöglichkeiten für die Larven. In Verbindung damit kann der Stamm vorsichtig (!) abgebürstet werden, um den Rückzug unter die Rinde zu verringern. Die Larven im Wellpappering sollten alle ein bis zwei Wochen entfernt oder der Ring erneuert werden.

- Mit Pheromonfallen kann der Flug der Männchen kontrolliert werden. Die männlichen Falter werden von den weiblichen Duftstoffen (Pheromonen) angelockt und bleiben auf der Leimtafel kleben. Die Falle kann den Befall nicht verhindern, sie hilft dabei, den Flugbeginn festzustellen und die Populationsdichte zu beobachten. Sie sollte im April aufgehängt werden und bis August/September hängen bleiben. Eine Falle reicht aus, nur das Pheromon muss im Laufe der Saison erneuert werden.
- Biologischer Pflanzenschutz
Wenn die oben beschriebenen Maßnahmen nicht ausreichend erscheinen, besteht die Möglichkeit folgende Pflanzenschutzmittel anzuwenden:
- Einige Arten der Nematoden (Fadenwürmer) können als Nützlinge gegen verschiedene Pflanzenschädlinge eingesetzt werden. Sie sind für Menschen und Haustiere völlig unschädlich. Gegen die Larven des Apfelwicklers können die Nematoden von September bis Ende März auf die Rinde des Apfelbaums, auf größere Äste sowie den umliegenden Boden (etwa im Durchmesser der Baumkrone) gesprüht werden. Wichtig ist dabei, dass Temperaturen von mindestens 8°C herrschen und eine feuchte Witterung vorliegt. Damit die Nematoden wirken können, muss gewährleistet sein, dass die Rinde bereits vor, während und mindestens vier Stunden nach der Ausbringung dauerhaft befeuchtet bleibt.
- Der Granulosevirus ist der Wirkstoff eines biologischen Pflanzenschutzmittels, das spezifisch auf den Apfelwickler wirkt, also keine anderen Tiere schädigt. Es wird jeweils nach der Eiablage zum Schlupf der jungen Raupen auf den Baum gespritzt. Für eine zuverlässige Wirkung sollte nur auf trockene Pflanzen gespritzt werden und mindestens drei Stunden Zeit zum Abtrocknen vor dem nächsten Regen eingeplant werden. Je nach angewandtem Präparat unterscheiden sich die Anwendungshäufigkeit und der Abstand zwischen den Behandlungen. Bitte beachten Sie hierzu die Angaben in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Pflanzenschutzmittels. Generell gilt, dass der Belag nach circa sechs Sonnentagen erneuert werden muss (ein bewölkter Tag zählt als ein halber Sonnentag).
! Achtung häufiger Fehler: Leimringe…
…die zur vermeintlichen Bekämpfung des Apfelwicklers aufgehängt werden, haben keine Wirkung auf den Apfelwickler! Die Leimringe werden von September bis Februar zur Bekämpfung des Frostspanners verwendet, dessen Weibchen nicht flugfähig sind und deshalb im Herbst am Baumstamm hochkriechen. Frostspanner sind zwar auch Schädlinge am Apfel, ihre Raupen fressen aber vor allem an Blättern und Blütenständen. Ganz wichtig: Leimringe sollten nur über den Winter aufgehängt werden, denn sonst schaden sie neben dem Frostspanner vielen wichtigen und nützlichen Tieren wie Marienkäfern, Ohrwürmern oder sogar Vögeln.




