Was tun gegen Schädlinge an Zimmerpflanzen?
Pflanzenschutz ist für uns von enormer Bedeutung: Die Pflanzengesundheit ist entscheidend für die Ernährungssicherheit, den Schutz der biologischen Vielfalt und der Umwelt sowie für die wirtschaftliche Entwicklung. Nicht nur auf globaler Ebene, auch in unserem eigenen Leben spielt Pflanzenschutz eine wichtige Rolle: Pflanzen in unserem Garten und Haus können von verschiedensten Schaderregern befallen werden. Dabei muss Pflanzenschutz nicht unbedingt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedeuten. Was hilft gegen typische Schädlinge an Zimmerpflanzen?
Blattläuse

Die bekannten kleinen Tierchen kommen an den meisten Zier- und Nutzpflanzen vor, sowohl im Garten als auch im Gewächshaus oder Wohnraum. Blattläuse werden besonders gefördert durch warme, trockene Witterung und sitzen in Kolonien auf der Unterseite der Blätter und auf Triebspitzen. Sie treten in verschiedensten Farben auf: Es gibt grüne, bräunliche oder schwarz gefärbte Arten. Je nach Generation können geflügelte und ungeflügelte Formen auftreten; durch die Flügel können sie sich dann umso leichter verbreiten. Die Entwicklung vom Jungtier zur ausgewachsenen Laus dauert nur ein bis zwei Wochen. Daher kommt es zu vielen Generationen im Laufe eines Jahres. Blattläuse saugen den Pflanzensaft, wodurch sich Blätter und Triebe verkrümmen und Eintrittspforten für Krankheiten geschaffen werden. Zudem scheiden sie große Mengen einer zuckerhaltigen Flüssigkeit namens „Honigtau“ aus, wodurch die Blätter sich klebrig anfühlen. Darauf siedeln sich Schwärzepilze an, was die Photosyntheseleistung der Pflanze reduziert. Einfache Bekämpfungsmethoden sind, stark befallene Pflanzenteile abzuschneiden und zu entsorgen (am besten in die Tonne), die Blattläuse abzuwischen oder mit einem starken Wasserstrahl abzuspülen. Nützlinge, die gegen Blattläuse im Innenraum ausgebracht werden können, sind zum Beispiel Florfliegen- oder Marienkäferlarven. Weitgehend risikoarme und umweltfreundliche Mittel können fertig gekauft werden und wirken auf Basis von Rapsöl oder Kali-Seife.

Spinnmilben
Spinnmilben kommen bei Zimmerpflanzen im Winter oft vor, da sie von warmer, trockener (Heizungs-)Luft profitieren. Ein Befall ist durch kleine, helle Flecken auf der Blattoberseite erkennbar. Bei stärkerem Befall sind die Blätter mit Spinnfäden überzogen, färben sich gelb bis braun und fallen ab. Zur Bekämpfung ist die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit der wichtigste Ansatzpunkt. Dazu sollte die Pflanze regelmäßig mit Wasser besprüht werden oder Verdunstungsschalen aufgestellt werden. Vorher sollte die Pflanze über einige Zeit regelmäßig lauwarm abgeduscht werden. Alternativ kann die Pflanze mit einem Plastikbeutel (durchsichtig!) für circa zwei Wochen abgedeckt werden, bis die Milben absterben. Raubmilben können als Nützlinge im Handel gekauft und gegen Spinnmilben ausgebracht werden. Hierfür werden Temperaturen von mindestens 20°C und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit benötigt.
Trauermücken

Trauermücken sind kleine schwarze Fliegen, die ihre Eier in die feuchte Erde ablegen. Die Larven schlüpfen und fressen an den Pflanzenwurzeln. Oft entsteht ein Befall durch zu häufiges Gießen. Dementsprechend hilfreich ist es, ganz einfach weniger zu gießen, was in der Regel auch für die Pflanzen ausreichend oder sogar besser ist. Gelbtafeln, die in den Blumentopf gesteckt werden, helfen, die Fliegen abzufangen. Auch eine ein bis zwei cm dicke Quarzsandschicht über der Erde hilft: Der Quarzsand trocknet schneller aus als die Erde und verhindert so, dass Trauermücken ihre Eier ablegen. Nützliche Nematoden (Steinerma feltiae) können mit dem Gießwasser ausgebracht werden. Die Erde sollte in den Wochen nach der Anwendung nicht austrocknen, da die Nematoden die Feuchtigkeit zum Überleben brauchen.
Nützlingseinsatz
Der Einsatz von Nützlingen ist gerade in Wohnräumen sehr sinnvoll, denn die Tiere können hier ganz gezielt auf die Pflanze ausgebracht werden und es besteht wenig Gefahr, dass sie abwandern. Nützlinge sind unschädlich für Menschen und Haustiere und sterben, wenn sie keine Nahrung mehr finden. Bei Nützlingen ist es immer wichtig, die jeweiligen Standortansprüche der Tiere zu beachten. Die meisten Nützlinge brauchen eine gewisse Mindesttemperatur sowie Boden- und Luftfeuchte. Sie sollten direkt zu Beginn des Befalls ausgebracht werden, der Schädlingsbefall sollte bestenfalls noch nicht zu stark sein. Andernfalls kann vorher ein nützlingsschonendes Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, um den Schädlingsbefall zu reduzieren. Ist das Mittel nach der Ausbringung abgetrocknet, besteht in der Regel keine Gefahr mehr für die meisten Nützlinge. Nach dem Einsatz von chemischen Mitteln hingegen ist meist eine Wartezeit von sechs Wochen bis zum Nützlingseinsatz nötig. Einige Nützlingsarten müssen zudem regelmäßig ausgebracht werden, um die Population durchgängig zu erhalten. Diese müssen dann immer wieder neu gekauft werden, ein Kauf auf Vorrat ist hier nicht möglich.
Kontakt und Beratung in Hessen
Haben Sie Fragen zu gartenbaulichen Themen, dann stehen Ihnen die Experten der Hessischen Gartenakademie am Gartentelefon 0561 7299377 (Mo, Mi, Do 09.00 – 11.00 Uhr) gern zur Verfügung.


