Fusarium im Winterweizen rechtzeitig bewerten und gezielt handeln

Die Einschätzung des individuellen Fusariumrisikos sollte bereits vor der Blüte des Winterweizens erfolgen. Denn nicht jeder Bestand benötigt automatisch eine gezielte Fusariumbehandlung.

Eine Risikobewertung hilft dabei, wirtschaftlich und zielgerichtet zu entscheiden. So lassen sich unnötige Behandlungen vermeiden und gleichzeitig Ertrags- und Qualitätsverluste absichern.

Für die Praxis gilt: Je höher das Risiko aus Sorte, Vorfrucht und Bodenbearbeitung, desto wichtiger wird eine gezielte Blütenbehandlung. Besonders kritisch sind Weizenbestände nach Mais sowie reduzierte Bodenbearbeitung mit hohem Anteil an Ernterückständen an der Oberfläche.

Witterung entscheidet über Infektionen

Nahaufnahme einer Weizenähre, die mit Fusarium befallen ist; Spelze sind schwarz und orange verfärbt; Ährenspitze weißlich verfärbt
Fusariumsymptome an der Weizenähre

Ob sich Fusarium tatsächlich stark entwickelt, hängt maßgeblich von den Wetterbedingungen während der Blüte ab. Für die klassischen Fusarienarten wie Fusarium culmorum oder Fusarium graminearum gelten folgende Bedingungen als besonders kritisch:

  • Temperaturen um 20 bis 25 °C
  • Mindestens 24 Stunden anhaltende Feuchtigkeit
  • Niederschläge oder hohe Luftfeuchtigkeit zur Blüte

Unterhalb von 16 °C treten unter Feldbedingungen deutlich weniger Infektionen auf.

Eine Ausnahme bildet Microdochium nivale (Schneeschimmel bzw. Fusarium nivale). Dieser Erreger kann auch bei niedrigeren Temperaturen infizieren. Zwar entstehen dabei häufig Kümmerkörner, jedoch ohne relevante Bildung von Mykotoxinen.

Der richtige Zeitpunkt zur Blütenbehandlung

Der optimale Behandlungstermin liegt im Entwicklungsstadium BBCH 61 bis 69 – also während der Blüte. Besonders wirksam ist eine Maßnahme:

3 Weizenähren mit Taubährigkeit; die Ähren sind an den Spritzen hell verfärbt
Taubährigkeit bei Weizen bedingt durch Fusariuminfektion
  • etwa 1 bis 2 Tage vor Niederschlägen
  • bis maximal 3 Tage nach einem Regenereignis

Die Fungizide wirken überwiegend vorbeugend. Die protektive Wirkung hält etwa fünf Tage an, die kurative Wirkung rund zwei Tage. Insgesamt kann damit ein Infektionszeitraum von knapp einer Woche abgesichert werden.

Sind Niederschläge während der Blüte angekündigt, sollte die Behandlung möglichst nah am Regenereignis erfolgen.

Besonderheiten bei Triticale beachten

Bei Triticale verläuft die Blüte zeitlich oft verzögert. Zwischen dem Schieben der ersten Ähren und der Hauptblüte können bis zu zwei Wochen liegen. Für eine wirksame Behandlung sollten nahezu alle Ähren vollständig geschoben sein und die ersten Staubgefäße sichtbar werden.

Praxisvideo zur Fusariumbekämpfung

Weitere praktische Hinweise zur Einschätzung des Fusariumrisikos und zur optimalen Terminierung finden Sie im Video (Weiterleitung zu YouTube) des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Ackerbauforums:


Weitere Hinweise zur Wahl geeigneter Pflanzenschutzmittel und Umgang mit Pflanzenschutzmittelausbringung bei Hitze finden Sie in den Beratungsinfos Pflanzenproduktion Nord/Süd.
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