Freilandschnittblumen: jetzt auf Spinnmilben achten
Im Sommer kultivieren Gärtner und zunehmend auch Landwirte Schnittblumen im Freiland. Gesät und gepflanzt wird satzweise von April bis Mitte Juni. Angebaut werden eine Vielzahl von Pflanzengattungen, darunter Sonnenblumen, Zinnien, Löwenmaul, Strandflieder, Dahlien, Gladiolen und Chrysanthemen. Die Vermarktung erfolgt als Monosträuße, gemischte Sträuße oder zum Selbstpflücken.
Schaderreger an Freilandschnittblumen
Je nach Witterung können tierische Schädlinge und Pilzkrankheiten Probleme verursachen.
Feuchte Witterung begünstigt Schneckenfraß sowie Infektionen mit Pilzkrankheiten wie Falscher Mehltau, Rost und verschiedene Blattfleckenpilze.
Bei trockener und heißer Witterung treten dagegen frühzeitig Echter Mehltau und Spinnmilben auf. Im Freilandanbau handelt es sich dabei überwiegend um die Art Tetranychus urticae.
Entwicklungszyklus der Spinnmilben
Spinnmilben zählen zu den Spinnentieren. Sie leben bevorzugt auf der Blattunterseite und vermehren sich mit mehreren Generationen sehr schnell, sobald über längere Zeit heiße und trockene Bedingungen herrschen.

Nach der Eiablage schlüpfen junge Larven. Diese durchlaufen mehrere Nymphenstadien bis sie sich zum adulten Tier entwickeln. Mit einer Lupe (10-fache Vergrößerung) sind die Tiere gut zu erkennen. Sowohl die Nymphen als auch die ausgewachsenen Spinnmilben saugen einzelne Pflanzenzellen aus. Dadurch erscheinen Blätter auf der Oberseite gelb gesprenkelt. Mit fortschreitendem Befall bilden sich Gespinste auf den Blattunterseiten.
Im Herbst färben sich die „Winterweibchen“ bei sinkenden Temperaturen rötlich. Sie können sich in der Begleitvegetation am Feldrand verkriechen und dort überwintern. Im späten Frühjahr können sie in die neu gepflanzten oder gesäten Schnittblumenkulturen wieder einwandern.
Im Zierpflanzenbau spielen Spinnmilben im Gewächshausanbau bereits seit Langem eine bedeutende Rolle. Im Freilandanbau nimmt die Problematik durch zunehmend heiße und trockene Sommer weiter zu.


Bekämpfungsmöglichkeiten
Im geschützten Anbau können zur Bekämpfung von Spinnmilben Nützlinge wie die Raubmilben Phytoseiulus persimilis (bei Befall) und Amblyseius californicus (vorbeugender Einsatz) ausgebracht werden. Zusätzlich lässt sich die starke Vermehrung der Spinnmilben durch gezielte Luftbefeuchtung eindämmen.
Im Freilandanbau ist die gezielte Ausbringung von Nützlingen bislang jedoch kein ausreichend erprobtes, erfolgversprechendes und kostengünstiges Verfahren. Raubmilben können durch Wind aus der Kultur getragen werden, zudem können die wechselnden Bedingungen im Freiland ihre Entwicklung beeinträchtigen.
Bei einem extensiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln können sich Feltiella acarisuga (Gallmücken) und Stethorus punctillum (Zwergmarienkäfer) ansiedeln, die sich bevorzugt von Spinnmilben ernähren. Beide Nützlinge sind jedoch nicht in der Lage, einen starken Spinnmilbenbefall zu verhindern.
Droht eine Massenvermehrung, können verschiedene Akarizide eingesetzt werden (siehe Tabelle). Da sich die Spinnmilben überwiegend auf den Blattunterseiten aufhalten, müssen Kontaktmittel so ausgebracht werden, dass alle Pflanzenteile von allen Seiten gut benetzt werden. In dichten Beständen ist die Bekämpfung mit Produkten, die eine translaminare oder systemische Wirkung besitzen, einfacher.
Tabelle: Zugelassene Akarizide
| Wirkstoff | Pflanzenschutzmittel | Bemerkungen | Wirkungsweise |
|---|---|---|---|
| Azadirachtin | Neem Azal T/S | 2-3 x im Abstand von 1 Woche | Systemisch |
| Azequinocyl | Kanemite SC | Kontakt | |
| Fenpyroximat | Kiron | Kontakt | |
| Hexythiazox | Hexythiazox 250 SC | Ei-Wirkung | Kontakt |
| Ordoval | Kontakt | ||
| Kali-Seife | Neudosan Neu | Kontakt | |
| Maltodextrin | Eradicoat | B2 | Kontakt |
| Milbemectin | KOROMITE | B1 | Translaminar |
| Milbeknock | |||
| Paraffinöl | Promanal Neu | Kontakt | |
| Rapsöl | Micula | Kontakt | |
| Schwefel | Kumulus WG | Nicht bei hohen Temperaturen | Kontakt |
B1 = bienengefährlich
B2 = bienengefährlich, Anwendung nur nach dem täglichen Bienenflug bis spätestens 23:00 Uhr
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