Bau- und Dämmstoffe aus der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist gemäß der Definition der Bundesregierung Teil der Bioökonomie. Neben der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln gewinnt die stoffliche Nutzung biogener Rohstoffe zunehmend an Bedeutung. Für landwirtschaftliche Betriebe kann dies zusätzliche Vermarktungswege eröffnen und zur Einkommensdiversifizierung beitragen.
Landwirtschaftliche Rohstoffe für Bauprodukte
Für Bau- und Dämmstoffe kommen insbesondere folgende landwirtschaftliche Rohstoffe in Betracht:
- Stroh aus der Getreideproduktion (Roggen und Weizen sowie aus Triticale, Dinkel und Gerste, sofern ausreichende Strohqualität (z. B. Halmlänge, Stabilität und geringe Feuchte) erreicht wird.
- Faserpflanzen wie Hanf und Flachs
- Schafwolle aus der Tierhaltung
- weitere pflanzliche Reststoffe wie Seegras oder Zellulose
Dabei ist zwischen Koppelprodukten und gezielt angebauten Kulturen zu unterscheiden. Stroh fällt als Nebenprodukt der Getreideproduktion ohne zusätzliche Flächenbindung an. Faserpflanzen werden gezielt angebaut, lockern durch den Anbau als Sommerkultur die Fruchtfolge auf und ermöglichen durch die spätere Bodenbearbeitung mehr Möglichkeiten zur Unkrautregulierung. Nebenprodukte wie Schafwolle ergänzen das Rohstoffspektrum.
Einsatz im Bauwesen
Aus diesen nachwachsenden Rohstoffen (NawaRos) werden unterschiedliche Bauprodukte hergestellt. Dazu zählen insbesondere Dämmstoffe (z. B. Platten, Matten, Einblas- und Schüttdämmungen) und Leichtbaustoffe wie Hanf-Kalk sowie Innen- und Akustikelemente.
Ökologische Einordnung
Biobasierte Baustoffe können fossile und energieintensive Materialien ersetzen und dadurch zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen. Die Umweltwirkungen hängen jedoch wesentlich von der gesamten Wertschöpfungskette ab – vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Nutzung und Verwertung.
Bei der Nutzung von Stroh ist zu beachten, dass die Entnahme als Baustroh nur in dem Umfang erfolgen sollte, der einerseits den Humusaufbau und die Bodenfruchtbarkeit nicht beeinträchtigt und andererseits nicht als Einstreu benötigt wird.
Ökonomische Aspekte
Die Wirtschaftlichkeit der stofflichen Nutzung landwirtschaftlicher Biomasse hängt von der jeweiligen Rohstoffart sowie von Produktions-, Logistik- und Marktbedingungen ab.
Bei Koppelprodukten wie Stroh sind insbesondere Ernte-, Bergungs-, Transport- und Vermarktungskosten sowie alternative Verwertungsmöglichkeiten (z. B. Einstreu oder organische Rückführung) relevant. Zusätzlich sind mögliche Auswirkungen auf Nährstoffhaushalt, Humusbilanz und Bodenfruchtbarkeit sowie damit verbundene langfristige Ertragswirkungen zu berücksichtigen.
Bei gezielt angebauten Faserpflanzen bestimmen Erträge, Produktionskosten, Marktpreise, Fruchtfolgeeffekte sowie Standortbedingungen die Wirtschaftlichkeit. Auch der technische Aufwand sowie die Verfügbarkeit regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen spielen eine zentrale Rolle.
Übergreifend wirken Betriebsstruktur, Arbeits- und Kapitalkosten, Finanzierung, Vertragsgestaltung sowie regulatorische und marktliche Rahmenbedingungen auf das wirtschaftliche Ergebnis.
Insgesamt kann die stoffliche Nutzung landwirtschaftlicher Biomasse zur Einkommensdiversifizierung, zur Erschließung zusätzlicher Wertschöpfungspotenziale und zur Risikostreuung beitragen. Ob daraus ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht, hängt jedoch von den jeweiligen Produktions-, Markt- und Standortbedingungen sowie von den verfügbaren Verwertungs- und Absatzmöglichkeiten ab.
Entscheidungsbaum zur betrieblichen Einordnung
Der folgende Entscheidungsbaum kann als praxisnahe Entscheidungshilfe dienen. Er stellt eine vereinfachte Orientierung dar und ersetzt keine betriebsindividuelle Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Weiterführende Informationen zu Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen sowie eine Übersicht zu Produkten und Herstellern bietet die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in ihrer Produktdatenbank.
Regionale Wertschöpfung
Regionale Wertschöpfungsketten zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Bauwirtschaft können zur stärkeren regionalen Verflechtung beitragen. Voraussetzung hierfür ist eine geeignete Infrastruktur für Verarbeitung, Logistik und Vermarktung.
Für landwirtschaftliche Betriebe können sich dadurch zusätzliche Kooperations- und Vermarktungsoptionen entlang der Wertschöpfungskette ergeben.
Fazit
Die stoffliche Nutzung landwirtschaftlicher Rohstoffe für Bau- und Dämmstoffe bietet Entwicklungspotenziale im Rahmen der Bioökonomie. Die tatsächliche Umsetzung und Wirtschaftlichkeit hängen jedoch wesentlich von den jeweiligen betrieblichen, regionalen und marktlichen Rahmenbedingungen ab.
Für weitere Fragen zum Thema Bauen und Dämmen mit Naturbaustoffen wenden Sie sich gerne an Natascha Hüsch, Fachinformation Biorohstoffnutzung – HessenRohstoffe (HeRo) (siehe Kontaktbox).

