Physiologische Schadbilder bei Tomatenfrüchten – Symptome, Ursachen und Maßnahmen
Tomaten zählen zu den beliebtesten Gemüsekulturen. Eine hohe Fruchtqualität ist entscheidend für die Vermarktung. Neben Krankheiten und Schädlingen können auch physiologische Störungen die Fruchtqualität beeinträchtigen. Diese Schadbilder entstehen infolge von Umwelt- und Kulturbedingungen wie einer ungleichmäßigen Wasser- und Nährstoffversorgung sowie ungünstigen Temperatur- und Lichtverhältnissen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ausgewählte Schadbilder, ihre Symptome, Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen.

Blütenendfäule
- Eingesunkene braune Flecke am Blütenansatz
- Calciummangel/Blockade der Ca-Aufnahme durch ungleichmäßige Wasserversorgung
- Jungpflanzen nicht in zu kalte Erde pflanzen, gleichmäßige Wasserversorgung

„Fruit Pox“
- Unreife Frucht: Grüne runde oder längliche Flecken
- Reife Frucht: Helle verkorkte Flecken, eingesunken mit einem erhabenen Rand, unregelmäßig verteilt
- Genetische Ursache, Einfluss von hohen Temperaturen und schnellem Wachstum wird diskutiert
- Ggf. Sortenwahl anpassen

Grün-/Gelbkragen
- Grüne oder gelbe Stellen, die nicht weiter reifen
- Reifestörung (Einflussfaktoren hohe Temperatur, hohe Lichtintensität, Sorte, K- und Mg-Versorgung, zu starke Entblätterung)
- Lüftung/Schattierung/Entblätterung optimieren, Ggf. Sortenwahl anpassen, Keine N-Überversorgung

Goldpünktchen
- Kleine gelbe Sprenkel in der Epidermis
- Einlagerung von Kalziumkristallen in der Fruchtschale. Einflussfaktoren sind hoher Wurzeldruck, Kalium-Kalzium-Verhältnis, Luftfeuchtigkeit sowie Sorte
- Lüftung/Schattierung optimieren, ggf. Sortenwahl anpassen

„Zippering“ oder „Reißverschlussbildung“
- Braune nekrotische Narbe, die sich meist vom Stielansatz bis zum Blütenansatz erstreckt. Stärke und Tiefe der Narbenbildung unterschiedlich, z.T. Samenkammer sichtbar
- Fehlentwicklung während der Fruchtbildung, Staubbeutel heften sich an die Fruchtwand einer neu entstehenden Frucht an. Einflussfaktoren: Kühle Temperaturen und Pflanzengenetik
- Ggf. Sortenwahl anpassen

Platzer
- Fruchthaut der Tomaten platzt auf
- Hoher Wurzeldruck, aufgrund starker Bewässerung, v.a. nach zu starkem Ausgeizen oder Entblättern, nach Trockenphasen aber auch nach Wetterwechsel von heißem zu auf kühlerem Wetter
- Optimierung der Bewässerung anhand der herrschenden Klimabedingungen sowie maßvolles Entblättern

Verkorkungen/Deformationen
- Verformte Früchte mit narbigen Stellen oft vom Blütenansatz der Frucht ausgehend
- Begünstigt durch hohe Stickstoffgehalte und durch kalte Temperaturen (<10 °C) während Blüte und Fruchtansatz, v.a. an großfrüchtigen Tomaten
- Keine N-Überversorgung

Hagelschaden

Druckstellen durch aufliegende Früchte

Nasenbildung/Deformationen
genetisch bedingt oder durch schlechte Befruchtung
Die Beurteilung, ob Schäden an Tomatenfrüchten physiologisch bedingt sind oder durch Schädlinge oder Krankheitserreger ausgelöst werden, ist nicht immer einfach. Für die Diagnose kann es hilfreich sein zu prüfen, wie die Symptome im Bestand verteilt sind, seit wann das Schadbild auftritt und ob Schädlinge im Bestand beobachtet wurden. Nicht selten ist dabei ein gewisser detektivischer Spürsinn gefragt!
Die Gemüse- und Pflanzenschutzberatung des Beratungsteams Gartenbau unterstützt Sie gern bei der Ursachenfindung.
Quellen:
- Tomato Disease Field Guide (2017), De Ruiter/Seminis Vegetable Seeds
- Qualitätsprobleme bei Tomaten, Infofax/Warndienst Ökologischer Gemüsebau 2025, Hessen





