Schorf-Management mit RIMpro: Den richtigen Zeitpunkt treffen

Der Erfolg von Pflanzenschutzmaßnahmen hängt maßgeblich vom richtigen Zeitpunkt ab. Gerade beim Apfelschorf kann eine präzise Einschätzung des Infektionsrisikos entscheidend sein, um Behandlungen wirksam und gleichzeitig ressourcenschonend durchzuführen. Hier setzt das Prognosemodell RIMpro (Relative Infection Measure) an.

Das computergestützte System nutzt aktuelle Wetterdaten und Wettervorhersagen, um das Infektionsgeschehen wichtiger Schaderreger im Obstbau vorherzusagen. Hessische Obstbaubetriebe erhalten damit eine wertvolle Entscheidungshilfe für den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Es gilt die Äpfel frei von Infektionen durch den Schorfpilz zu halten (siehe folgende Abbildungen).

Wie funktioniert die Schorfprognose?

In Hessen nutzen das Team der Obstbauberatung des LLH und die Obstbauern das Schorfprognosemodell während der Apfelsaison vom März bis Oktober, wobei der Focus auf  den Monaten März bis Juni liegt. Es bildet sowohl Primär- als auch Sekundärinfektionen des Apfelschorfs (Venturia inaequalis) ab und bewertet die Stärke möglicher Infektionsereignisse von gering bis extrem.

Die Berechnungen basieren auf Wetterdaten wie Niederschlag, Temperatur und Blattnässe. Gleichzeitig werden Wettervorhersagen laufend eingearbeitet, sodass sich die Prognosen jederzeit an veränderte Bedingungen anpassen.

Vom Falllaub zur Primärinfektion

Die Primärinfektionen gehen von den Ascosporen des Schorfpilzes aus. Diese überwintern auf dem Falllaub des Vorjahres. Mit Beginn feuchter Witterung im Frühjahr werden die Sporen durch Wind oder Regenspritzer auf die austreibenden Blätter und später auf die Früchte transportiert.

Ob eine Infektion zustande kommt, hängt vor allem von der Dauer der Blattnässe und der Temperatur ab. Daraus entwickelt sich das typische Pilzgeflecht, das nach einiger Zeit die typischen Schorfflecken auf den Blättern und auf den Früchten zeigt. Im weiteren Verlauf entwickeln sich auf dem Pilzgeflecht die Sommersporen (Konidien).

Wenn die Sekundärsaison beginnt

Mit der Bildung der Konidien startet die Sekundärinfektionsphase, die üblicherweise ab Juni an Bedeutung gewinnt.

Da während einer Saison nur ein begrenzter Vorrat an Ascosporen vorhanden ist, nimmt das Primärinfektionspotenzial mit jedem Niederschlagsereignis kontinuierlich ab. Ist dieser Vorrat aufgebraucht, gilt die Primärsaison nach dem Prognosemodell als beendet.

Für die Praxis ist dieser Zeitpunkt von großer Bedeutung. Da die Schorfflecken der letzten Infektion erst nach einiger Zeit sichtbar werden, sind betriebseigene Kontrollen auf Schorfinfektionen nach etwa 14 bis 21 Tagen unerlässlich. Als Orientierung dient ein Befallsschwellenwert von 2 %. Das entspricht zwei Schorfflecken auf 100 kontrollierten Trieben.

Beispiel aus Kriftel: Primärsaison 2026 abgeschlossen

Die Auswertungen des RIMpro-Modells für den Standort Kriftel zeigen, dass die Primärsaison 2026 bereits vor rund vier Wochen beendet wurde (siehe Abbildung 2). Hier handelt es sich um einen Rückblick auf die Primärsaison 2026, die dazu genutzt werden kann, die eigenen Behandlungsintervalle auch im Nachhinein zu überprüfen.

Diagramm: Gesamtübersicht der Primärinfektionen am Standort Kriftel im Jahr 2026
Abb. 2: Gesamtübersicht der Primärinfektionen am Standort Kriftel im Jahr 2026

Jetzt richtet sich der Fokus auf mögliche Sekundärinfektionen.

Die im Modell dargestellten Konidieninfektionen verdeutlichen die Stärke potenzieller Infektionsereignisse an Blättern und Früchten (siehe Abbildung 3). Wird nach Abschluss der Primärsaison ein Befall von mehr als 2 % festgestellt, müssen die Schutzmaßnahmen vor Niederschlagsereignissen bis zur Ernte fortgeführt werden. Dabei sind selbstverständlich die jeweiligen Wartezeiten und sonstige Auflagen und Anwendungsbestimmungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel zu beachten.

Diagramm: Konidieninfektionen (Sekundärinfektionen) am Standort Kriftel ab dem 1. Juni 2026
Abb. 3: Konidieninfektionen (Sekundärinfektionen) am Standort Kriftel ab dem 1. Juni 2026

RIMpro-Interpretation der Grafiken

Um die Grafiken richtig zu deuten und daraus die Notwendigkeit einer Behandlung abzuleiten, bedarf es einer gewissen Übung. Im Programm selbst werden die einzelnen Komponenten erklärt. Bei Fragen oder Unsicherheiten unterstützt das Obstbauteam vom LLH gerne (siehe Kontakte).

Ziel ist es präventive (Kontaktmittel) und kurative Pflanzenschutzmittel (systemisch wirkende Präparate) zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, um eine Schorfinfektion, bzw. eine Ausbreitung des Schorfpilzes zu verhindern.

RIMpro-Standorte in Hessen

Aktuell stehen RIMpro-Auswertungen für folgende Wetterstationen zur Verfügung:

• Geisenheim (Park Monrepos)
• Geisenheim (a. d. H.)
• Ockstadt
• Münzenberg
• Kriftel
• Nordenstadt
• Klein-Zimmern
• Wiesbaden-Frauenstein

Zu finden unter: https://www.wetter.llh-hessen.de
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