Sonnenbrand, Hitze und Trockenheit im Obstbau

Häufigere und intensivere Hitzeperioden stellen den Obstbau zunehmend vor die Herausforderung Sonnenbrand. Ab dem 16. Juni setzte eine außergewöhnliche Hitzewelle ein, in deren Verlauf die Temperaturen dauerhaft über 30 °C lagen und am 27. Juni Spitzenwerte um 40 °C erreichten. Regional wurden Allzeit-Temperaturrekorde verzeichnet. Zusätzlich traten über mehrere Tage erhöhte Ozonwerte (> 180 µg/m³) auf, die Strahlungsschäden verstärkten. 

Ausmaß der vergangenen Hitzeperiode

Deutschlandweit wurde mit 41,7 °C ein neuer Temperaturrekord gemessen. Zudem lag die Sonnenscheindauer nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über mehrere Monate hinweg über dem klimatologischen Mittel. Die in Abbildung 1 dargestellten Daten zeigen für Geisenheim (Rheingau-Taunus-Kreis) bis zum 13.07.2026 eine Abweichung der Tagesmitteltemperaturen vom 30-jährigen Mittel von +3,7 °C im Juni und +3,4 °C im Juli.

Die erste extreme Hitzephase endete am 29. Juni mit teils heftigen Gewittern und führte in der darauffolgenden Woche zu einer spürbaren Abkühlung (Abb. 2). Das anhaltende Niederschlagsdefizit wird jedoch beim Blick auf die hohen potenziellen Verdunstungsraten deutlich: Im Zeitraum vom 01.06. bis 13.07. betrug die bilanzierte Verdunstungssumme nach Haude 295 mm mit einer maximalen Tagesverdunstung bis 15,4 mm (Abb. 2), wohingegen die Niederschlagssumme lediglich bei 48 mm lag.

Grafik mit Niederschlag und Temperaturen vom 01.01.-13.07.26 in Geisenheim
Abb. 1: Niederschlag und Temperaturen vom 01.01. – 13.07.26



Grafik mit Niederschlag, Temperatur und Verdunstung nach Haude im Zeitraum 01.06.-13.07.26 in Geisenheim
Abb. 2: Niederschlag, Temperatur und Verdunstung nach Haude im Zeitraum 01.06. – 13.07.26



Die Auswirkungen der Trockenheit auf die Vitalität der Bäume sowie auf Blütenansatz und Blütenqualität lassen sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Eine verlässliche Einschätzung wird erst in 2027 möglich sein, wenn sichtbar ist, wie gut die Bäume die extremen Witterungsbedingungen überstanden haben.

Kombinationseffekte von Hitze, Strahlung und Ozon

Besonders gravierend sind die Hitze- und Strahlungsschäden an Kirschen. Die Nachreife der späteren Kirschsorten verlief aufgrund der hohen Temperaturen außergewöhnlich schnell. Dadurch kam es bei vielen erntereifen Früchten zu erheblichen Volumenverlusten. Die Fruchtschale ist teilweise eingefallen; im Extremfall erinnern die Früchte an Dörrobst (Abb. 3). Ein erheblicher Teil der Ernte ist dadurch nicht mehr vermarktungsfähig.

Häufig werden äußerlich noch unbeschädigt erscheinende Früchte weiterhin geerntet. Allerdings zeigen sich die Schäden erst während der Lagerung, wenn die Früchte zusammenschrumpfen. Dieses Bild zeigt sich zunehmend auch an den Verkaufsständen. Die Vermarktungsfähigkeit dieser Früchte ist nur eingeschränkt möglich. Trotz sorgfältiger Aussortierung bei der Ernte müssen die Verkaufskräfte an den Ständen zusätzlich nachsortieren. Dies führt zu einer deutlich geringeren Pflückleistung (50% und darunter) sowie zu erheblich steigenden Ernte- und Vermarktungskosten. Zudem verlieren die Früchte durch Transport und Lagerung weiter an Qualität.

Einflussfaktoren und Schadensbewertung

Bei der Beurteilung des Schadensausmaßes sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Innerhalb Hessens bestehen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen, Lagen und einzelnen Sorten. In bewässerten und geschützten Anlagen (z. B. mit Regendach oder Hagelschutznetzen) fallen die Schäden meist geringer aus; diese sind jedoch nur bei wenigen hessischen Betrieben vorhanden. Die Bodenbeschaffenheit ist ebenfalls entscheidend: Auf leichten Böden treten stärkere Schäden auf. Zudem beeinflussen das Baumalter – Jungbäume sind anfälliger – sowie die durchgeführten Kulturmaßnahmen das Schadensbild.

Das Gesamtausmaß der Schäden in den Kirschen wird aktuell auf 40-70% geschätzt. Die Hitzeperiode lag genau im Haupterntezeitraum. Viele Anlagen werden nicht mehr geerntet und sind insbesondere für die Kirschessigfliege ein willkommener Vermehrungsort, da hier auch keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr erfolgen. Es besteht große Gefahr des Überwanderns auf andere Kulturen, wie z. B. Zwetschen und Strauchbeeren.

Der wirtschaftliche Schaden im Kirschenanbau geht über die direkten Schäden durch Sonnenbrand hinaus. Ursache sind die hohe Zahl geschädigter Früchte, der zusätzliche Sortieraufwand, geringere Pflückleistungen sowie Anlagen, die gar nicht mehr geerntet werden konnten.

Bei Zwetschen befinden sich frühe Sorten aktuell in der Ernte. Das Schadensausmaß ist derzeit insgesamt geringer einzuschätzen, da viele Früchte noch nicht vollständig ausgefärbt sind. Mit fortschreitender Fruchtentwicklung steigt jedoch die Empfindlichkeit gegenüber Strahlungsschäden. Bereits blau ausgefärbte Sorten zeigen ähnliche Schadbilder wie Kirschen, allerdings in geringerem Umfang. Äußerlich sind Schäden oft nicht erkennbar; beim Aufschneiden zeigt sich jedoch eine Verbräunung des Fruchtinneren (Abb. 4).

Für das Kernobst wird der Ausfall bei Äpfeln auf mindestens 30% geschätzt. In Apfelanlagen wurden neben klassischem Sonnenbrand auch Sonnenbrandnekrosen (Abb. 5) festgestellt, die bei Fruchttemperaturen über 50 °C entstehen. Problematisch bei den Äpfeln ist, dass wichtige Calcium-Behandlungen (Stippe) für Herbst- und Lagersorten aufgrund der hohen Temperaturen und hohen Sonneneinstrahlung nur unzureichend durchgeführt werden können.  Die daraus entstehenden Probleme für die Lagerfähigkeit erhöhen zusätzlich das Ausmaß der Gesamtschäden bei Äpfeln. Bei Birnen zeigt sich das Schadensausmaß zum jetzigen Zeitpunkt geringer.

Im Beerenobst sind die Schäden insbesondere in den Johannisbeeren und Stachelbeeren sehr hoch. Der Ausfall in Himbeeren liegt aufgrund der Tatsache, dass bei dieser Kultur ständig Früchte nachreifen, auf einem eher niedrigen Niveau. Allerdings wurden auch hier infolge erhöhter Ozonwerte phytotoxische Blattschäden beobachtet (Abb. 6 bis 8).

Beratungsempfehlungen bei Hitze und Trockenheit

Zur Reduktion von Sonnenbrandschäden sollten während ausgeprägter Hitzephasen alle zusätzlichen Stressfaktoren konsequent vermieden werden. Pflanzenschutzmaßnahmen, Blattdüngung, Sommerschnitt und Handausdünnung sind in diesem Zeitraum auszusetzen. Vor angekündigten Hitzeereignissen kann der gezielte Einsatz stabilisierender Blattdünger sinnvoll sein, um die Stressresilienz der Obstkulturen zu erhöhen. Wenn Hagelschutznetze vorhanden sind, sind diese rechtzeitig zu schließen, um Sonnenbrandschäden zu reduzieren. Eine kontinuierliche Wasserversorgung ist essenziell, insbesondere in Junganlagen; bei Bedarf ist diese auch über temporäre Lösungen wie Fassbewässerung sicherzustellen. Die Etablierung klimatisierender Beregnungssysteme mit Mikrosprinklern kann durch Verdunstungskühlung und Erhöhung der Luftfeuchte das Mikroklima im Bestand verbessern. Voraussetzung für deren Wirksamkeit ist allerdings eine dauerhaft gesicherte Wasserverfügbarkeit. Auf das Mulchen der Fahrgassen sollte verzichtet werden, um die Luftfeuchtigkeit im Bestand zu erhöhen und das Kleinklima positiv zu beeinflussen. Geerntete Früchte sollten bereits in der Anlage mit Reflexionsfolien abgedeckt werden, um zusätzliche Qualitätseinbußen zu vermeiden. Anschließend sind die Früchte zügig abzutransportieren und im Kühllager einzulagern.

Fazit

Die extreme Hitzeperiode im Sommer 2026 hat in vielen Obstanlagen bereits zu erheblichen Schäden durch Sonnenbrand sowie zu Qualitätsverlusten und Ertragseinbußen geführt. Besonders betroffen sind Kirschen, Äpfel und Beerenobst, aber auch andere Kulturen zeigen deutliche Auswirkungen. Das tatsächliche Schadensausmaß wird in dieser Saison weiterhin vom Witterungsverlauf der kommenden Wochen beeinflusst. Entscheidend ist jetzt, zusätzlichen Stress zu vermeiden, die Wasserversorgung sicherzustellen und alle anstehenden Kulturmaßnahmen konsequent an die aktuellen Witterungsbedingungen anzupassen.

Bei Fragen unterstützt das LLH-Beratungsteam Obstbau gerne.


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