Ergebnisse der LSV Wintergerste 2025/26 & Empfehlungen

Solide Erträge bei durchschnittlicher Qualität

Das Anbaujahr der Wintergerste war charakterisiert durch einen milden Herbst, gefolgt durch starke Nachtfröste im November und einem anfänglich trockenen Frühjahr, jedoch mit genügend Niederschlag zu den entscheidenden Entwicklungsphasen der Pflanzen. Die hohen Erträge aus dem Vorjahr konnten dieses Jahr nicht erreicht werden, jedoch fielen die Erträge an den meisten Standorten zufriedenstellend aus. Im Folgenden werden die zwei- und mehrzeiligen Sorten der Wintergersten Landessortenversuche Hessen 2025/2026 vorgestellt und Sortenempfehlungen für die kommende Aussaat gegeben.

Das Anbaujahr für die Gerste

Generell entwickelten sich die Wintergerstenbestände bis zur Vegetationsruhe zufriedenstellend. Vereinzelt kam es aufgrund hoher Niederschlagssummen im Herbst zur stärkeren Einwaschung von Bodenherbiziden, die Schäden blieben jedoch gering. Anfang März fielen gelbe Bestände auf, welche jedoch durch eine Stickstoff-Unterversorgung verursacht wurden und nicht auf Gelbmosaikviren zurückzuführen waren. Der Krankheitsdruck war im Frühjahr gering, Aufhellungen fielen nur nach starken Schwankungen zwischen Tag- und Nachttemperaturen auf. Schwierig gestaltete sich das Festlegen des Zeitpunktes und der Höhe des Wachstumsregler-Einsatzes. Regional wurden in späteren BBCH-Stadien vermehrt Netzflecken bonitiert. In wärmeren Lagen brach (erwartungsgemäß) vermehrt Ramularia aus. Je nach Stickstoff-Versorgung, Sorte und Wachstumsregler-Einsatz gingen manche Bestände ins Lager, was aber nur auf einen geringen Teil der Fläche zutraf. Die Hitzeperiode im Juni war in den meisten Regionen nicht mehr ertragswirksam.

Zunahme von Hybriden bei der Gerste

Der Großteil der heimischen Gerstenproduktion wird in der Tierfütterung verwendet. In Deutschland entfallen circa zwei Drittel auf die Fütterung, das übrige Drittel wird industriell verwertet (zum Beispiel für die Herstellung von Malz) oder zur Energieerzeugung genutzt. Gerade bei Futtergerste sind hohe Erträge unerlässlich, um positive Deckungsbeiträge zu generieren. Leider stagnieren die durchschnittlichen Wintergerstenerträge seit Beginn des Jahrtausends (Abbildung 1). Zunehmende Extremwetterlagen, zunehmende Regularien bei der Stickstoffdüngung und eine stetig sinkende Anzahl an Wirkstoffen behindern den Ertragsfortschritt, der viele Jahre anhielt. Die Zucht von Pflanzen, die unter diesen Gegebenheiten ertraglich und qualitativ besser performen, stellt die Züchter vor große Herausforderungen. Seit einigen Jahren entwickeln und vermarkten Züchter Hybridsorten bei Wintergersten, die bessere Eigenschaften haben sollen als die Eltern des Hybrids. Der Leistungsvorteil der F1-Hybriden gegenüber ihren Elternlinien wird als Heterosiseffekt bezeichnet. Dieser Effekt wird erfolgreich bei der Zucht von Mais, Roggen oder Raps schon länger und intensiver genutzt. Die hybride Sorten erzielen bei diesen Kulturen höhere Erträge und sollen eine geringere Krankheitsanfälligkeit aufweisen. Ein entscheidender Grund, weil es weniger Hybridsorten bei Gerste und Weizen gibt, liegt im Bestäubungssystem der einzelnen Kulturen. Roggen beispielsweise wird fremdbefruchtet, das heißt ein Pollen einer anderen Roggenpflanze wird zur Befruchtung der Eizellen benötigt. Dies erhöht die genetische Diversität innerhalb der Population, sodass eine größere genetische Grundlage für die Züchtung vorliegt. Der Heterosiseffekt kann bei Roggen bis zu 20 % Ertragssteigerung bringen im Vergleich zu den eingesetzten Elternlinien. Bei Gerste und Weizen hingegen, die beide zu den Selbstbefruchtern zählen, fällt der Effekt deutlich niedriger aus. Dadurch ist der züchterische Aufwand wesentlich höher, um Hybridsorten mit einem deutlichen Leistungsvorteil gegenüber Liniensorten zu entwickeln. Das bereits hohe Leistungsniveau von Liniensorten lässt den zusätzlichen Gewinn durch Hybridisierung vergleichsweise klein ausfallen. Ein Nachteil in der Verwendung von Hybridsaatgut ist die fehlende Möglichkeit des Nachbaus, da aufgrund der Mendelschen Regeln die nächste Generation sich aufspaltet, d.h. es liegt keine einheitliche Sorte mehr vor, sondern viele Individuen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Das führt zu höheren Saatgutkosten, die durch eine Mehrleistung gedeckt werden müssen. Dennoch sind Züchter weiterhin bestrebt, neue Hybrid-Sorten auf den Markt zu bringen und die genetische Leistung durch den Heterosiseffekt zu verbessern. Seit mehr als zehn Jahren werden auch Hybridsorten im Wintergersten Landessortenversuch getestet und bewertet. Auch in 2025/2026 waren zwei mehrzeilige Hybridgersten geprüft worden.

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