Historische Parks als natürliche Klimaanlagen

Wie die Landesgartenschau Oberhessen 2027 mit alten Bäumen und neuen Gehölzen für mehr Aufenthaltsqualität sorgt

Blick in die Baumkrone eines alten Baumes
Bäume sind „Klimaanlagen“, Foto: Myriam Lenz

Die anhaltenden Hitze- und Trockenperioden des Sommers 2026 machen deutlich, wie wichtig schattige Grünanlagen und große Bäume für unsere Lebensqualität sind. Während sich Straßen, Plätze und versiegelte Flächen stark aufheizen, bieten Parks mit altem Baumbestand spürbar angenehmere Aufenthaltsorte.

Genau diese Qualität wird bei der Landesgartenschau Oberhessen 2027 in den historischen Parkanlagen von Bad Salzhausen und Gedern erlebbar. Im Mittelpunkt stehen der Erhalt wertvoller Altbäume und die behutsame Ergänzung durch geeignete Zukunftsbäume.

Schatten, Verdunstung, Aufenthaltsqualität

Große Bäume sind wahre Multitalente. Ihre ausladenden Kronen spenden Schatten und halten direkte Sonneneinstrahlung ab. Gleichzeitig geben die Blätter über die Verdunstung Wasser an die Umgebung ab. Beides trägt dazu bei, dass sich die Umgebung eines Baumes an heißen Tagen angenehmer anfühlt.

Wie groß die Unterschiede zwischen Sonne und Schatten sein können, machen Wärmebilder der Hessischen Gartenakademie sichtbar: Sie zeigen Temperaturunterschiede von bis zu rund 20 Kelvin zwischen besonnten und beschatteten Oberflächen. Gemessen werden dabei Oberflächen- und nicht Lufttemperaturen. Dennoch wird deutlich, wie stark der Schatten großer Bäume die Aufheizung von Flächen reduzieren kann.

Fotos und weitere Infos im HGA-Beitrag: Schattenwirkung von Bäumen

Altbäume erhalten – eine Aufgabe für die Zukunft

Alter Baumbestand im Kurpark von Bad Salzhausen
Wandeln im Schatten der Bäume: Alter Baumbestand im Kurpark Bad Salzhausen. Foto: Myriam Lenz, LGS Oberhessen

Für die historischen Parks folgt daraus eine wichtige Konsequenz: Klimaanpassung beginnt nicht mit der Pflanzung neuer Bäume, sondern zunächst mit dem Erhalt der Bäume, die bereits vorhanden sind.

In Bad Salzhausen prägen alte Bäume den Kurpark. Auch im Schlosspark Gedern ist der gewachsene Baumbestand ein wesentlicher Teil der historischen Parkstruktur. Ihre großen Kronen sind über Jahrzehnte gewachsen und entfalten ihre Wirkung bereits heute.

Ein neu gepflanzter Baum kann diese Leistung nicht kurzfristig ersetzen. Je nach Baumart und Standort können 20 Jahre oder mehr vergehen, bis er eine vergleichbare Wirkung entwickelt.

Damit alte Bäume ihre Funktionen möglichst lange erfüllen können, müssen auch ihre Standortbedingungen gesichert werden. Für Kommunen bedeutet das vor allem, ausreichend Wurzelraum zu erhalten, Bodenverdichtung zu vermeiden, Bäume bei Baumaßnahmen zu schützen und die Wasserversorgung im Blick zu behalten. Wo möglich, sollte Regenwasser am Baumstandort zurückgehalten und für die Vegetation verfügbar gemacht werden. Gerade Schäden am Wurzelraum bleiben oft lange unsichtbar, können die Vitalität eines Baumes aber dauerhaft beeinträchtigen.

Bei der Landesgartenschau bildet der vorhandene Baumbestand deshalb die Grundlage der Parkentwicklung. Wo historische Strukturen Lücken aufweisen oder Bäume ausfallen, wird er durch Neupflanzungen ergänzt. Doch welche Bäume sind für die Zukunft geeignet?

Nicht der beste Klimabaum – sondern der passende

Einen universell besten „Klimabaum“ gibt es nicht. Eine Baumart muss zu den Bedingungen passen, die sie an ihrem Standort vorfindet: Boden, Wasserangebot, Licht und verfügbarer Wurzelraum spielen dabei ebenso eine Rolle wie ihre eigenen Eigenschaften.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) unterstützt die Auswahl mit dem Online-Tool „Stadtgrün im Klimawandel“. Das Modul „Klimaresiliente Baumarten finden“ umfasst knapp 180 Baumarten und ermöglicht eine Auswahl anhand von 36 Kriterien – darunter Hitze- und Trockenheitstoleranz, Standortbedingungen, Lichtdurchlässigkeit und ökologische Leistungen.

So wird aus dem vermeintlich besten Klimabaum der passende Baum für den jeweiligen Standort.

Zukunftsbäume für den Schlosspark Gedern

Im Schlosspark Gedern wird diese Auswahl konkret. Um die historische Parkstruktur zu ergänzen, kommen unter anderem Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis), Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) und Tupelobaum (Nyssa sylvatica) zum Einsatz.

Bei der Auswahl spielen die Eigenschaften der Gehölze ebenso eine Rolle wie die jeweiligen Standortbedingungen und die historische Gestaltung des Parks.

Das Beispiel Hopfenbuche macht die notwendige Differenzierung deutlich: Sie gilt als vergleichsweise hitze- und trockenheitsverträglich, stellt aber zugleich bestimmte Ansprüche an den Standort. So ist er beispielsweise hinsichtlich verdichteter oder staunasser (Stadt)Böden unverträglich.

Die Auswahl eines Zukunftsbaums ist daher keine Frage einer Rangliste, sondern der Passung von Baum und Standort.

Der Klimagarten zeigt das Zusammenspiel

Das Foto zeigt einen Ausschnitt mit Furt aus dem Klimagarten im Schloßpark von Gedern.
Der am Bach und unter Bäumen gelegene Klimagarten im Schoßpark von Gedern bietet insbesondere an Hitzetagen ein erholsames Mikroklima. Foto: Myriam Lenz, LGS Oberhessen

Während die historischen Parkbereiche den Wert gewachsener Großbäume erfahrbar machen, verfolgt der Klimagarten im Schlosspark Gedern einen anderen Ansatz: Der Standort zwischen Mühlgraben und Mühlbach ist schattig und feucht und besitzt einen besonderen, nahezu verwunschenen Charakter, der erhalten bleiben soll. Der Klimagarten nutzt diese natürlichen Voraussetzungen – Schatten, Feuchtigkeit und Wasser – und entwickelt daraus sein Gehölzkonzept.

Dazu gehören unter anderem Sumpfzypresse (Taxodium distichum) und Ginkgo (Ginkgo biloba). Ergänzt werden sie durch sogenannte Coppicing-Gehölze, die nach regelmäßigem Rückschnitt mit besonders großen Blättern austreiben.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht die einzelne „Klimabaum“-Art, sondern das Zusammenspiel von Wasser, Schatten, Gehölzen, Blattmasse und unterschiedlichen Pflanzstrukturen. Gemeinsam schaffen sie ein Mikroklima, das gerade an heißen Tagen für angenehme Aufenthaltsbedingungen sorgt.

Fazit: Gewachsene Qualität für die Zukunft

Die historischen Parkanlagen der Landesgartenschau Oberhessen 2027 verbinden damit zwei Aufgaben: den Wert des gewachsenen Baumbestands zu bewahren und zugleich seine nächste Generation vorzubereiten.

Alte Bäume bringen eine Leistung mit, die neue Bäume erst über viele Jahre entwickeln müssen. Wo Ergänzungen notwendig werden, kommt es deshalb auf eine sorgfältige Auswahl und geeignete Standortbedingungen an.

In Bad Salzhausen und Gedern wird so ein Prinzip zukunftsfähiger Parkentwicklung sichtbar: Bestehendes bewahren, sinnvoll ergänzen und die besonderen Bedingungen eines Ortes nutzen.

Der vielleicht wertvollste Klimabaum ist dabei manchmal tatsächlich der, der schon seit Jahrzehnten dort steht.


Mehr erfahren: Ausführliche Informationen zur Gehölzplanung, zu den historischen Parkanlagen und zum Klimakonzept finden Sie in der Pressemeldung der Landesgartenschau Oberhessen 2027.

Umfassende Informationen zur Klimaanpassung und Klimawirkung der verschiedenen Gartenelemente finden Sie als Downloads in unserer Rubrik Zukunftsgärten.

Veranstaltungshinweis: Wie Bäume und Gehölze Gärten klimaresilient und zukunftsfähig machen, erfahren Sie auch in den Seminaren der Hessischen Gartenakademie zu Gehölzverwendung, Klimaanpassung und naturnaher Gartengestaltung:

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