Erdraupen im Gemüsebau: Schäden erkennen und Befall eindämmen
Erdraupen profitieren von trockenen-heißen Sommern wie in diesem Jahr. Unter diesen Bedingungen können sie ihre einzelnen Entwicklungsstadien schnell durchlaufen und sich weitgehend unbeschadet von Niederschlägen und hoher Bodenfeuchte entwickeln. Als polyphage Schädlinge können sie massive Schäden an Salat, Möhren, Kohlarten, Roter Bete, Mais, Lauch, Sellerie, Zwiebeln, Spinat und weiteren Kulturen verursachen. Auch an verschiedenen Unkrautarten und Zwischenfrüchten wie z.B. Luzerne und Senf kommen sie vor.


Erdraupen: Lebensweise und Schadbild

Unter dem Begriff Erdraupen werden die überwiegend im Boden lebenden Raupen einiger Eulenfalter-Arten zusammengefasst, allen voran die Wintersaateule. Auch Ypsiloneule, Hausmutter und weitere Arten werden dazugezählt.
Die Wintersaateule ist ein dämmerungsaktiver Falter, der zwei bis drei Generationen pro Jahr durchlaufen kann. Die Eiablage erfolgt im bodennahen Bereich an der Blattunterseite. Daraus entwickeln sich die Junglarven (1. und 2. Larvenstadium), die meist nur einen geringen Blattfraß verursachen. Ihr Auftreten wird in der Praxis daher häufig übersehen.
Ab dem dritten Larvenstadium fressen die Larven überwiegend unterirdisch an den Wurzeln und am Wurzelhals. Nachts findet auch oberirdischer Fraß statt. Der Hauptschaden tritt meist ab Ende Juni auf. Besonders gefährdet sind Aussaaten und junge Pflanzen, sowie Kulturen auf verunkrauteten Flächen.
- abgebissene Jungpflanzen knapp über dem Erdboden, beispielsweise bei Salat,
- Wachstumsstockungen und Welke, beispielsweise bei Zuckermais,
- plötzliches Absterben von Pflanzen durch unterirdisch ausgehöhlte Wurzeln und Knollen, beispielsweise bei Sellerie und Möhren.
In diesem Jahr kam es insbesondere bei Rote Bete zu Qualitätsverlusten sowie zu starken Ausfällen in Sellerie und Möhre. Auch Totalausfälle sind möglich. Problematisch ist, dass der Schaden häufig erst erkannt wird, wenn es für wirksame Maßnahmen bereits zu spät ist.


Befallsrisiko frühzeitig einschätzen
Wie kann man sich also auf einen möglichen Befall vorbereiten?
Insbesondere auf Flächen mit Vorjahresbefall empfiehlt es sich, den Falterflug ab Mitte/Ende April wöchentlich mithilfe von Pheromonfallen zu überwachen. Solche Fallen werden unter anderem von den Firmen Temmen, Biofa und Trifolio angeboten.
In den Vorjahren begann der der Flug der Wintersaateule in Hessen meist Anfang Mai. Der Flughöhepunkt lag zwischen Mitte Mai und Anfang Juni. 2025 und 2026 wurden jedoch bereits am 22. April und 27.April erste Falter gefangen. 2026 war der Flughöhepunkt auf den kontrollierten Flächen bereits am 20.Mai beendet.
Um auch den Flug einer zweiten Generation zu erfassen, sollte Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli der Pheromon-Lockstoff erneuert werden.
Der Falterflug allein entscheidet jedoch nicht über das Schadensrisiko. Entscheidend ist vielmehr die weitere Entwicklung der Larven und deren Sterblichkeit in Abhängigkeit von Bodenfeuchte und Temperatur.
Herrschen nach der Eiablage und dem Larvenschlupf kühle und feuchte Bedingungen, entwickeln sich die Larven langsamer und die Sterblichkeit ist höher. Dadurch stirbt ein großer Teil der Erdraupen ab und eine Bekämpfung ist unter Umständen nicht notwendig.
Bei warmen trockenen Bedingungen, wie sie 2026 in Hessen herrschten, entwickeln sich die Larven hingegen schneller und weisen eine geringere Sterblichkeit auf. Dadurch steigt die Überlebensrate und damit auch das potenzielle Schadensrisiko.
Vorbeugende Maßnahmen
Auf Flächen mit Erdraupenbefall im Vorjahr sollte vor der Aussaat beziehungsweise Pflanzung eine intensive Bodenbearbeitung erfolgen. Erdraupen überwintern als Raupen in einer Tiefe von 30 bis 50 cm. Im April und Mai verpuppen sie sich bei Bo-dentemperaturen ab 10 °C in einer Tiefe von 2 bis 5 cm.
Aussaaten und Pflanzungen sollten auf unkrautfreien Flächen erfolgen, da auch an Unkräutern Eiablagen stattfinden können. Eine konsequente Unkrautregulierung ist wichtig.
Auch die Förderung natürlicher Gegenspieler kann dazu beitragen, den Befallsdruck zu begrenzen. Dazu gehören beispielsweise Blühstreifen und Hecken. Als natürliche Gegenspieler kommen unter anderem Amseln, Igel, Kröten, Fledermäuse und Laufkäfer infrage.
Auch der Einsatz von Kulturschutznetzen zur Verhinderung der Eiablage zufliegender Falter kann einen gewissen Schutz bieten. Unter dem Netz schlüpfende Falter sind vermutlich soweit eingeschränkt, dass nur eine geringere Eiablage stattfindet.
Aufgrund des breiten Wirtspflanzenspektrums hat die Fruchtfolge keinen Einfluss auf das Auftreten der Erdraupen.
Gezielte Maßnahmen gegen Junglarven
Ausgehend vom ermittelten Flugbeginn kann in Abhängigkeit von der folgenden Witterung nach drei bis vier Wochen eine gezielte Beregnung der Bestände durchgeführt werden. Nach Angaben aus der Literatur sind das erste und zweite Larvenstadium der Wintersaateule besonders anfällig gegenüber erhöhter Bodenfeuchte. Auch aus der Praxis ist bekannt, dass Niederschläge Erdraupenprobleme reduzieren können.
Zum gleichen Zeitpunkt, also während der Entwicklung der Junglarven, kann auch eine Behandlung mit Bacillus-thuringiensis-Präparaten erfolgen. Die Temperaturen sollten dabei mindestens 15°C betragen. Bei hoher UV-Einstrahlung empfiehlt sich eine Behandlung in den Abendstunden oder bei bedecktem Himmel. Je nach Flugverlauf sollte die Behandlung nach sieben bis 10 Tagen wiederholt werden.
Bekämpfung im konventionellen Anbau
Neben dem Einsatz von Bacillus-thuringiensis-Präparaten ist im konventionellen Bereich unter anderem eine Behandlung mit Pyrethroiden gegen freifressende Schmetterlingsraupen beziehungsweise gegen Eulen-Arten möglich. Dabei sind unbedingt die jeweiligen Indikationen in den einzelnen Kulturen zu beachten.
Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 5 Larven je 100 Pflanzen. Da die Larven leicht übersehen werden, kann alternativ beziehungsweise ergänzend eine Kontrolle auf Fraßschäden erfolgen. Die Raupen findet man im Umfeld geschädigter Pflanzen im Boden in maximal 5 cm Tiefe.
Die Bekämpfung mit Pyrethroiden sollte bei maximal 22°C in den Abendstunden durchgeführt werden.
Einsatz von Nematoden
Generell ist auch ein Einsatz von Nematoden der Art Steinernema carpocapsae möglich. Nach Erfahrungen aus der Schweiz ist in Gemüsekulturen allerdings nur eine mittlere Wirkung zu erwarten. Zudem ist die Ausbringung mit hohen Kosten verbunden und lohnt sich daher maximal für kleine Flächen.
Wichtig bei der Ausbringung von Nematoden ist eine ausreichende Bodenfeuchte.
Was ist für das kommende Jahr wichtig?
Quellen:
- Bionet Broschüre für die Beratung: Möglichkeiten der Regulierung von Erdraupen, 2010
- Erfahrungen mit Erdraupen und Strategie für 2016, ÖKOmenischer Gärtnerrundbrief 1/2016, U. Fischbach
- Vorbeugende und nicht-chemische Pflanzenschutzmassnahmen für Freilandgemüse, Agroscope Transfer, September 2022
- Infos zu Erdraupen von Hortipendium, Gartenakademie RLP
- Temperature Dependent Growth and Mortality of Agrotis segetum, P. Esbjerg and L. Sigsgaard (2019)