Markt für Braugerste im schwierigen Fahrwasser

Für den Braugerstenmarkt gelten die gleichen Gesetze wie für alle Qualitätsnischenmärkte mit geringem Marktvolumen: Verschiebungen bei der Nachfrage oder dem Angebot können unmittelbar stärkere Preisschwankungen auslösen als am Massenmarkt (z.B. Weizen). Dementsprechend sind auch die Preiszyklen als Ergebnis der Malznachfrage und des Anbauflächenumfangs stärker ausgeprägt. So führen fallende Prämien für Braugerste typischerweise dazu, dass die Erzeuger die Anbaufläche von Sommergerste zugunsten anderer Kulturen reduzieren. Auf unterjährige Preissignale kann das Angebot dann physisch nicht mehr reagieren. Steht in einer Saison infolgedessen zu wenig Malz zur Verfügung, werden die Braugerstenpreise wieder steigen und die Anbaufläche wieder ausgedehnt.

Hinzu kommt allerdings ein Qualitätsrisiko (Der Wetter-Hebel): Selbst, wenn die Anbaufläche groß genug ist, entscheiden die Witterungsbedingungen über das Marktvolumen. Zu viel Regen oder späte Hitze können den Eiweißgehalt über die kritische Grenze (meist max. 11,5 %) hinaustreiben. Aus teurer Braugerste kann in diesem Fall schlagartig billige Futtergerste mit Abschlägen von 15-20 EUR/t werden. Ein Risikomanagement durch Preissicherung an der Warenterminbörse oder Vorkontrakte mit den Mälzereien ist allerdings möglich.

In Hessen wurde die Anbaufläche von Braugerste in den vergangenen Jahren sukzessive reduziert. Dabei gingen Flächenanteile insbesondere an den Mais verloren. Im Jahr 2026 lag der Flächenumfang bei der Sommergerste laut Statistik Hessen (HSL) bei ungefähr 12.400 ha. Das sind 13% weniger als im Vorjahr 2025 und rund 25% weniger als im Durchschnitt des mehrjährigen Mittels 2020-2025. Auf Winterbraugerste entfiel dabei eine Fläche von schätzungsweise 1.000 ha. In der Ernte 2026 waren die Erträge trockenheitsbedingt mit 4,75 t/ha, je nach Standort, ebenfalls unterdurchschnittlich, wobei die Qualitäten i.d.R. zufriedenstellend sind und die Mindestanforderungen erfüllen. Dennoch werden auch in dieser Kampagne einige Mengen mit entweder schwachen oder zu hohen Proteinwerten erneut in die Futtertröge fließen. Nicht kontrahierte Partien (ca. 50 % der Ernte) stoßen am freien Markt auf ein verhaltenes Kaufinteresse bei den Mälzern.

Wie schon in den Jahren zuvor bleibt die Nachfrage nach braufähiger Gerste unterentwickelt, zumal gewisse Überhänge aus dem Vorjahr auf den Markt drängen. Immerhin wird mit einem steigenden Bedarf nach dem Jahreswechsel gerechnet. Dies wird an dem strukturellen Problem am Braugerstenmarkt allerdings kaum etwas ändern: Inflation, Gesundheitsbewusstsein und eine sinkende Alkoholaffinität reduzieren den Bierausstoß und dämpfen das Absatzpotenzial. Dies führt bei den Mälzereien zu einer Drosselung der Malzproduktion und damit rückläufigen Nachfrage nach Braugerste. Nach Einschätzung der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) könnte der weltweite Handel mit Gerstenmalz im Wirtschaftsjahr 2026/27 das fünfte Jahr in Folge zurückgehen. Mit schätzungsweise 6,8 Mio. t erwarten die Experten damit ein Minus von 3% gegenüber dem Vorjahr. Die Brauereien reagieren darauf mit einer stärkeren Diversifizierung ihres Produktportfolios in Richtung alkoholfreie oder zumindest alkoholreduzierte Biere. Ob dies den Umsatzrückgang im klassischen Biersegment kompensieren kann, ist allerdings fraglich.

Tabelle: Getreide- und Rapspreise, Hessen, in EUR/t

Frei LandlagerAb Hof
Min.Max.ØMin.Max.Ø
Qualitätsweizen193210204203220215
Brotweizen183205197193215208
Futterweizen173190186183200196
Braugerste185200192195210202
Futtergerste168180176178191186
Raps510525518520535529

Obwohl auch Braugerste aus anderen Marktregionen – mitunter Frankreich – nach Hessen importiert wird, sind regionale Herkünfte bevorzugt gefragt. Wenngleich Hessen bundesweit flächenmäßig im hinteren Mittelfeld liegt, zeichnet es sich durch eine hohe Spezialisierung auf anspruchsvolle Brauqualität und Regionalität aus. Im überregionalen Handel sind die Handelspartner allerdings auf die Wasserwege (Rhein, Main) angewiesen, die aufgrund niedriger Pegelstände aktuell nicht oder nur mit Teilladung befahren werden können. Dies führt nach wie vor zu erheblichen Logistikproblemen in der Wertschöpfungskette. Die Marktlage dürfte daher weiterhin angespannt bleiben. Immerhin konnten sich die Braugerstenpreise zuletzt wieder etwas erholen. Inzwischen bewegen sich die Preise mit 192 EUR/t frei Landlager wieder knapp unter dem Niveau von Backweizen (197 EUR/t). Damit sind die Qualitätsprämien gegenüber Futtergerste gestiegen. Allerdings wurde Braugerste in der Vergangenheit auf einem ähnlichen Preisniveau wie Qualitätsweizen (aktuell 204 EUR/t) vermarktet. Dieses Niveau dürfte auf absehbare Zeit vorerst nicht mehr erreicht werden.

Abbildung: Preise für Brot- und Braugetreide in Hessen
Abbildung: Preise für Brot- und Braugetreide in Hessen

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