Wirsing-Anbau: Mulch hält den Boden kühl

Zunehmende Trocken- und Hitzeperioden sowie veränderte Niederschlagsverteilungen stellen die Landwirtschaft vor wachsende Herausforderungen und erschweren insbesondere die Wasserversorgung im Freiland. Viele, vor allem kleinstrukturierte Betriebe in Hessen, verfügen zudem oft nur über eingeschränkte Bewässerungsmöglichkeiten.
Im Rahmen des ROBUST-Praxisforschungsnetzwerks Mitte-West werden daher Anpassungsstrategien für den Gemüsebau untersucht, die dazu beitragen können, die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf landwirtschaftliche Betriebe zu reduzieren.
Eine mögliche Maßnahme zur Verringerung von Wasserverlusten ist die Bodenbedeckung mit organischen Mulchmaterialien. Die Mulchschicht reduziert die direkte Sonneneinstrahlung auf die Bodenoberfläche und kann dadurch die Verdunstung und Erwärmung des Bodens verringern. Dies kann zu einer höheren Bodenfeuchte und einer effizienteren Nutzung des verfügbaren Wassers durch die Kultur beitragen.
Effekt von Mulch auf Boden- und Oberflächentemperaturen
In einem Versuch mit Wirsing der Sorte Alaska auf einem Betrieb in Südhessen wurde untersucht, wie sich Stroh- und Kleegras-Mulch auf die Temperatur an der Mulch- bzw. Bodenoberfläche sowie im darunterliegenden Boden auswirken.
Der Versuch umfasste drei Varianten mit jeweils vier Wiederholungen: ungemulchter Wirsing sowie Wirsing mit einer 8–10 cm starken Mulchschicht aus Stroh bzw. Kleegras. Die Temperaturmessungen erfolgten an mehreren Messpunkten an der Mulchoberfläche sowie unterhalb der Mulchschicht an der Bodenoberfläche. Alle Varianten wurden über eine Tröpfchenbewässerung bewässert.
Bei intensiver Sonneneinstrahlung und Lufttemperaturen von über 30 °C zeigten sich Unterschiede zwischen der ungemulchten und den gemulchten Varianten:
| Variante | Oberflächentemperatur | Temperatur unter der Mulchschicht |
| Ungemulchter Boden | ca. 44-47 °C | – |
| Strohmulch | ca. 42-52 °C | ca. 20–23 °C |
| Kleegras-Mulch | ca. 42-51 °C | ca. 19–25 °C |
Welche Empfehlungen lassen sich für den Gemüsebau ableiten?
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche thermische Pufferwirkung der Mulchschichten. Trotz der hohen Temperaturen an der Mulchoberfläche blieb die Temperatur unmittelbar unterhalb der Mulchschicht deutlich niedriger. Die Mulchschicht reduzierte damit die Wärmeübertragung auf den darunterliegenden Boden.
Dies unterstützt den Ansatz des PFN Mitte-West, Zwischenfrüchte wie Wickroggen und Kleegras beziehungsweise deren Biomasse als Mulchmaterial im Gemüsebau einzusetzen. Auf diese Weise kann die Integration von Zwischenfrüchten in die Fruchtfolge mit einer zusätzlichen Nutzung ihrer Biomasse verbunden werden.
Für die Praxis ergeben sich daraus mehrere potenzielle Vorteile einer organischen Bodenbedeckung:
- Reduzierung von Temperaturspitzen
- Effizientere Wassernutzung
- Schutz vor Verschlämmung und Erosion
- Förderung der Infiltration
- Aufbau organischer Substanz
- Nährstofffreisetzung
- Verknüpfung von Fruchtfolge und Bodenschutz
Fazit & Ausblick
Für die gartenbauliche Praxis ist entscheidend, ob sich die Temperaturunterschiede auch auf Ertrag und Qualität auswirken. Die am Saisonende erhobenen Ertrags- und Qualitätsdaten werden hierzu weitere Erkenntnisse liefern.