Nachhaltiger Pflanzenschutz im Pflanzenbau – Umsetzung in der Praxis

Mit dem 2023 verabschiedeten Pestizidreduktionsplan verfolgt die Hessische Landesregierung das Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Hessen zu reduzieren. Seit Anfang 2024 erprobt das Beratungsteam Pflanzenbau des LLH in verschiedenen Kulturen Ansätze zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Darüber hinaus wurden Artikel und Videos veröffentlicht, Feldtage und Feldbegehungen organisiert sowie zahlreiche Vorträge gehalten.
Demonstrationsvorhaben zeigen Pflanzenschutz unter Praxisbedingungen
Ein wesentlicher Bestandteil der Projektarbeit sind Demonstrationsvorhaben, kurz „Demos“. Dabei werden auf landwirtschaftlichen Flächen verschiedene Maßnahmen und Verfahren unter Praxisbedingungen gezeigt und miteinander verglichen. Demos dienen der Veranschaulichung und praktischen Erprobung und sind nicht für eine statistische Auswertung ausgelegt.
Im Bereich Pflanzenschutz lag der Schwerpunkt auf Möglichkeiten zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, insbesondere durch reduzierte Aufwandmengen, angepasste Anwendungstermine und den Einsatz nicht-synthetischer Mittel. Ergänzend wurden neue Pflanzenschutzmittel und Anwendungsvarianten erprobt. Die Versuche wurden sowohl auf Flächen des LLH als auch auf Praxisbetrieben in Form von Kleinparzellen sowie Streifenanlagen durchgeführt. Für die Behandlung der Kleinparzellen wurde die projekteigene Parzellenspritze eingesetzt; bei den größeren Streifenanlagen kamen die betriebseigenen Feldspritzen der Praxisbetriebe zum Einsatz.

Sortendemonstrationen liefern Erkenntnisse zur Pflanzengesundheit
Eine weitere wichtige Rolle spielen Sortendemos in verschiedenen Ackerkulturen. Sie zeigen, wie sich Sorten unter Praxisbedingungen hinsichtlich Pflanzengesundheit und Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen unterscheiden. Im Winterraps wurde beispielsweise der Besatz mit Larven des Rapserdflohs bei verschiedenen Sorten verglichen. Im Winterweizen wurden jährlich sechs bis sieben neuere und etablierte Sorten insbesondere im Hinblick auf ihre Blattgesundheit und Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium beobachtet. Auch bei Zuckerrüben wurde die Anfälligkeit verschiedener Sorten gegenüber typischen Blattkrankheiten wie Cercospora untersucht. Darüber hinaus boten die Sortendemos die Möglichkeit, weitere Fragestellungen zum Pflanzenschutz sortenübergreifend zu betrachten.
Die verschiedenen Sortendemos haben gezeigt, dass gesündere Sorten häufig eine gute Möglichkeit bieten, um Fungizidmaßnahmen einsparen zu können. Bei leichtem bis mittlerem Befallsgeschehen machen gesündere Sorten eine geringere Ertragsleistung durch das Einsparen von Kosten für entfallende Fungizidmaßnahmen wett und können so bei ihrer Marktleistung mit anfälligeren, ertragsstärkeren Sorten mithalten. Interessant ist hier auch das Projektvideo „Gesunde Sorten und Pilzkrankheiten im Winterweizen“. (https://www.youtube.com/watch?v=wseCVw5hSj0)
Schaderregermonitoring als Grundlage für gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen

Auch die Durchführung von Schaderregermonitorings gehörte in den zweieinhalb Jahren des Projekts zu den zentralen Projektaktivitäten. Ziel ist es zum einen, mithilfe der Plattform ISIP einen Überblick über das Auftreten relevanter Schaderreger in ganz Hessen zu schaffen. Zum anderen soll die engmaschige Überwachung einzelner Schläge dazu beitragen, Pflanzenschutzbehandlungen auf das notwendige Maß zu reduzieren und optimal an die jeweilige Schadsituation anzupassen.
Zu den regelmäßigen Monitorings der vergangenen Jahre gehörten Kontrollen auf Rapsschädlinge im Winterraps, Blattläuse und weitere Schädlinge in Zuckerrüben und Leguminosen sowie auf den Maiszünsler im Mais. Von besonderer Bedeutung ist zudem das Monitoring eines vergleichsweise neuen und zunehmend kritischen Schädlings: der Schilf-Glasflügelzikade. Mithilfe der Projektberatungskräfte wurde ihr Auftreten in Kartoffeln und Zuckerrüben intensiv überwacht.
Das Monitoring im Raps beispielsweise hat gezeigt, dass Schläge sehr unterschiedlichen Schädlingszuflug aufweisen können, auch wenn sie sehr nah beieinander liegen, was die Relevanz einer schlagspezifischen Bekämpfungsentscheidung verdeutlicht. Durch die Zusammenarbeit der Beratungskräfte mit den Landwirtinnen und Landwirten bei der Schaderregerüberwachung wurden nachweislich Pestizidmaßnahmen eingespart, z.B. Insektizidmaßnahmen im Raps oder Fungizide in Zuckerrübe.
Mechanische Unkrautregulierung gewinnt an Bedeutung
Ab dem zweiten Projektjahr wurde ein weiterer thematischer Schwerpunkt auf die mechanische Unkrautregulierung gelegt. Im Rahmen des Projekts wurden hierfür mehrere Maschinen angeschafft: Hackstriegel, Rollhacke, Getreidehacke und Maishacke wurden in den vergangenen zwei Jahren intensiv erprobt und auf verschiedenen Praxisbetrieben eingesetzt. Dadurch konnten wertvolle Erfahrungen zu den Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der mechanischen Unkrautregulierung unter unterschiedlichen Praxisbedingungen gesammelt werden. Es wurde deutlich, dass z.B. der Striegel in Wintergetreide eine gute Ergänzung zum Einsatz von Herbiziden sein kann, um dem steigenden Ungrasdruck zu begegnen. Dadurch werden Resistenzprobleme abgeschwächte und zugleich eine Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes ermöglicht. Bei zwei Sachkundeveranstaltungen wurde eindrücklich gezeigt, dass der richtige Einsatz einer Hacke im Mais sehr nah an den Bekämpfungserfolg von Herbiziden kommen kann.
Im Juni 2026 fand zudem ein Feldtag zum Thema mechanische Unkrautregulierung in Hosenfeld-Schletzenhausen statt. Verschiedene Fachvorträge, eine Feldbegehung sowie eine umfangreiche Maschinenausstellung boten den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern vielfältige Einblicke und Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Das rege Interesse an der Veranstaltung verdeutlichte die Aktualität des Themas.
Zum Video „LLH Ackerbauforum – Hacke, Striegel und Herbizide sinnvoll kombinieren“
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Wissenstransfer und Austausch mit der landwirtschaftlichen Praxis
Der Austausch mit der landwirtschaftlichen Praxis ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Auf Feldtagen, Feldbegehungen, Sachkundefortbildungen und Informationsveranstaltungen werden Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Projektarbeit vermittelt und diskutiert. Gleichzeitig fließen die Rückmeldungen aus den Betrieben in die Bewertung und Weiterentwicklung der erprobten Ansätze ein.
Auch online werden die Projektaktivitäten regelmäßig vorgestellt. Auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen des LLH finden Interessierte Beiträge zum Thema „Nachhaltiger Pflanzenschutz“.