Klimaangepasst pflanzen: Ein Staudenbeet für heiße und trockene Standorte
Hessische Gartenakademie (HGA) zeigt in Geisenheim verschiedene Möglichkeiten der standortgerechten Staudenpflanzung
Heiße Sommer, längere Trockenperioden und zunehmende Wetterextreme stellen auch Gärten und öffentliche Grünflächen vor Herausforderungen. Wie Staudenpflanzungen an solche Bedingungen angepasst werden können, zeigte die Hessische Gartenakademie (HGA) des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) kürzlich im Rahmen eines Seminars in Geisenheim. Auf einer städtischen Fläche entstanden dabei zwei Staudenbeete, die künftig unterschiedliche Pflanzsubstrate miteinander vergleichen sollen.
„Wir möchten aktuelles Fachwissen vermitteln und für die praktische Anwendung nutzbar machen. Gerade beim Thema Klimaanpassung ist es wichtig, zu verstehen, welche Standortbedingungen bei der Planung berücksichtigt werden müssen und wie sich daraus geeignete Pflanzkonzepte ableiten lassen“, erklärt Uwe Preiß, Fachgebietsleiter der HGA im LLH.
Welche Pflanzen passen zum Standort?

Ausgangspunkt für die praktische Übung war eine Fläche an einer Straße, die durch Sonneneinstrahlung, Hitze und Trockenheit besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Im Seminar lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst, wie Standorte hinsichtlich ihrer Eigenschaften beurteilt werden und welche Pflanzen für die jeweiligen Bedingungen geeignet sind. Anschließend wurden zwei Beete mit derselben Staudenmischung angelegt.
Zum Einsatz kamen unter anderem Goldhaaraster, Rundblättrige Glockenblume und Karthäuser-Nelke. Ergänzt wurde die Pflanzung durch verschiedene Geophyten. Diese Pflanzen überdauern ungünstige Bedingungen mit unterirdischen Speicherorganen und können dadurch auch mit wechselnden Standortbedingungen zurechtkommen.
Zwei Substrate im Vergleich
Die beiden Beete unterscheiden sich vor allem durch den Aufbau der Pflanzfläche. In einem Beet wachsen die Stauden in einer 20 Zentimeter starken Schicht aus Estrichsand. Für das zweite Beet wurde Baumsubstrat verwendet, das anschließend mit einer fünf Zentimeter starken Mulchschicht aus Rheinkies abgedeckt wurde.
Anhand der beiden Varianten soll beobachtet werden, wie sich die unterschiedlichen Substrate unter den Bedingungen vor Ort auf die Entwicklung der Pflanzungen auswirken. Damit bietet die Fläche zugleich die Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit klimaangepassten Staudenpflanzungen zu sammeln.
Lebensraum für Insekten schaffen

Bei der Gestaltung wurde nicht nur auf die Auswahl geeigneter Pflanzen geachtet. Auch zusätzliche Strukturelemente wurden in die Beete integriert: Stehendes Totholz und Pflanzringe schaffen weitere Strukturen und können damit zusätzliche Lebensräume für Insekten bieten. „Klimaangepasste Pflanzungen müssen nicht auf Kosten einer vielfältigen und attraktiven Gestaltung gehen. Mit der passenden Pflanzenauswahl und einer durchdachten Gestaltung lassen sich unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden“, ergänzt Uwe Preiß.
Herbst ist Pflanzzeit
Der Herbst bietet sich besonders an, um Stauden zu pflanzen. Die Pflanzen können sich noch vor dem Winter am neuen Standort etablieren und im folgenden Frühjahr kräftig austreiben. Entscheidend ist dabei, die Pflanzen passend zu den jeweiligen Standortbedingungen auszuwählen.
Das neue Staudenbeet in Geisenheim soll künftig zeigen, wie unterschiedliche Ansätze für klimaangepasste Pflanzungen unter den Bedingungen vor Ort funktionieren. Die Fläche verbindet damit praktische Erprobung mit einer ansprechenden Gestaltung und zusätzlichen Strukturen für die biologische Vielfalt. Die Stadt Geisenheim stellte die Fläche für das Projekt zur Verfügung und unterstützte die Umsetzung.