Thripsbekämpfung im Zierpflanzenbau unter Glas

Thripse (Thysanoptera, Fransenflügler) gehören zu den bedeutendsten Schädlingen im Zierpflanzenbau unter Glas. Besonders in warmen Perioden können sich bestimmte Arten rasch vermehren und erhebliche Schäden verursachen. Gleichzeitig kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei hohen Temperaturen eingeschränkt sein, etwa aufgrund einer erhöhten Gefahr von Kulturschäden oder entsprechender Anwendungsvorgaben. Umso wichtiger sind vorbeugende Maßnahmen, eine regelmäßige Befallskontrolle und ein abgestimmtes Bekämpfungskonzept. Im geschützten Anbau verschiedener Kulturen treten vor allem der Kalifornische Blütenthrips, Zwiebelthrips, Rosenthrips, Langbindige Gewächshaus-Thrips, Gewächshaus-Thrips, Drachenbaum-Thrips, Impatiens-Thrips und Thrips parvispinus auf. Im Folgenden werden zwei Arten näher betrachtet, die für den Zierpflanzenbau besonders relevant sind: der etablierte und aufgrund seiner Resistenzproblematik schwer bekämpfbare Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) sowie Thrips parvispinus, der sich in Europa zunehmend ausbreitet und in bestimmten Kulturen erhebliche Schäden verursachen kann.

Schadbild und Erkennungsmerkmale

Die meist 0,5 bis 2,0 mm langen, schmalen Thripse saugen bereits ab dem Jugendstadium (Larven) in den oberen Epidermiszellen des Pflanzengewebes. Die Saugschäden äußern sich häufig durch silbrig-graue Flecken oder Streifen. Später werden diese Stellen braun und bei einem starken Befall vergilben die Blätter und fallen ab. Außerdem kann es an jungen Blättern, Trieben und Blüten zu Deformationen und an Blüten zusätzlich zu aufgehellten Streifen kommen. Ein weiteres Befallsmerkmal sind punktförmige, dunkle Kottröpfchen, die auf den befallenen Blättern und Blüten zu finden sind. Neben den direkten Saugschäden können bestimmte Thripsarten auch pflanzenpathogene Viren wie das Tomatenbronzefleckenvirus (TSWV) und das Impatiens-Nekrosefleckenvirus (INSV) übertragen. Dadurch können zusätzliche Schäden entstehen, die über die unmittelbaren Fraß- und Saugschäden hinausgehen.

Kalifornischer Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) – wichtigster Schädling

Der 0,9 bis 1,4 mm kleine, wärmeliebende Kalifornische Blütenthrips gilt als gefährlichster Schädling im geschützten Anbau, da er große Schäden anrichten kann und aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit schwer zu bekämpfen ist. Die Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthrips wird durch seine versteckte Lebensweise und die ausgeprägte Resistenzproblematik erschwert. Darüber hinaus kann er bestimmte Wirkstoffe mithilfe von Entgiftungsmechanismen abbauen. Selbst im Freiland kann der Kalifornische Blütenthrips in milden Wintern überleben und es besteht im Folgejahr das Risiko eines erneuten Befalls unter Glas mit einem höheren Schädlingsdruck. Generell sind vorbeugende Maßnahmen sowie der Einsatz von Nützlingen (wie später beschrieben) sehr wichtig, damit sich diese Thripsart nicht im Betrieb etabliert.

Thrips parvispinus – ein zunehmend bedeutsamer Schädling

Der 0,6 bis 1,0 mm kleine Thrips parvispinus hat sich in den letzten Jahren in Europa ausgebreitet und ist besonders im geschützten Anbau ein ernst zu nehmender Schädling. Thrips parvispinus besitzt ein breites Wirtspflanzenspektrum, führt aber besonders bei folgenden Kulturen zu Problemen: Citrus, Dahlia, Mandevilla, Ficus benjamina, Gardenia, Gerbera, Schefflera. Er verursacht meistens Blattschäden wie Blattflecken/-streifen und Löcher. Aufgrund seines kurzen Lebenszyklus und einer hohen Vermehrungsrate gilt er als schwer bekämpfbar. Um einen Befall frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten, ist eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen notwendig. Dabei hat sich als unterstützende Maßnahme der Einsatz von Blautafeln bewährt.

Vorbeugende Maßnahmen

Vor Beginn der Kultur ist es unerlässlich, dass alte Pflanzen sowie Unkraut entfernt und Kulturflächen desinfiziert werden. Durch diese Hygienemaßnahmen können Thripse dezimiert und der Befallsdruck für die nächste Kultur reduziert werden. Beim Zukauf von Jungpflanzen sollte darauf geachtet werden, dass diese befallsfrei sind. Um einen Anfangsbefall frühzeitig zu erkennen, sollte die Kultur mittels blauen und gelben Leimtafeln überwacht werden, da die Thripse je nach Art unterschiedlich stark von diesen Farben angelockt werden. Außerdem können vorbeugend Raubmilben (Amblyseius-Arten) eingesetzt werden. Zur Feststellung eines Befalls werden Pflanzen über einer weißen Unterlage ausgeklopft. Zum leichteren Erkennen der Thripse ist eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung hilfreich. Für eine genauere Bestimmung der Art oder Behandlungsmöglichkeiten ist das Hinzuziehen des LLH-Beratungsteams Gartenbau sinnvoll.

Bekämpfungsmaßnahmen

Die Auswahl geeigneter Bekämpfungsmaßnahmen richtet sich nach der Befallskontrolle, der Kultur und der ermittelten Thripsart. Für eine biologische Bekämpfung von Thripsen stehen verschiedene Nützlinge zur Verfügung. Häufig werden Raubmilben (Amblyseius-Arten) eingesetzt, die sich von Eiern und Larven der Thripse auf den oberirdischen Pflanzenteilen ernähren. Die verschiedenen Amblyseius-Arten haben unterschiedliche Ansprüche an die Klimabedingungen und können gleichzeitig zur Bekämpfung weiterer Schädlinge eingesetzt werden. Außerdem können die Larven der Florfliege (Chrysoperla carnea) zum Einsatz kommen, welche geringere Ansprüche an Temperatur und Licht haben. Zusätzlich können im Boden lebende Raubmilben wie Stratiolaelaps scimitus (früher: Hypoaspis miles), Hypoaspis aculeifer und Macrochelis robustulus eingesetzt werden. Sie fressen die Puppenstadien der Thripse. Es eignen sich auch noch weitere Nützlinge, beispielsweise der Raubthrips (Franklinothrips vespiformis), Raubwanzen (Anthocoris nemoralis, Macrolophus– und Orius-Arten) und sogar insektenpathogene Nematoden (Steinernema feltiae).

Ist der Befallsdruck hoch oder reichen vorbeugende und biologische Maßnahmen nicht aus, können geeignete Pflanzenschutzmittel ergänzend eingesetzt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wirksamkeit je nach Mittel und Entwicklungsstadium der Thripse unterschiedlich ist. Insbesondere Eier und versteckt lebende Stadien werden nicht von jedem Präparat ausreichend erfasst. Ob eine Folgebehandlung erforderlich ist und in welchem Abstand sie erfolgen sollte, richtet sich daher nach der Wirkungsweise des Mittels, der Befallsentwicklung und den jeweiligen Anwendungsvorgaben.

Um die Gefahr einer Resistenzbildung zu verringern, sollten die zugelassenen Wirkstoffgruppen im Rahmen einer geeigneten Resistenzstrategie gewechselt werden. Werden gleichzeitig Nützlinge eingesetzt, ist außerdem auf die Verträglichkeit der Pflanzenschutzmittel mit den eingesetzten Nützlingen zu achten. Wenn möglich, sollten im Nützlingseinsatz integrierbare Präparate und Verfahren bevorzugt werden. Nach jeder Maßnahme ist der Behandlungserfolg durch erneute Bestandskontrollen zu überprüfen.

Für eine erfolgreiche chemische Bekämpfung sollte eine Blockbehandlung (drei Spritzungen im Abstand von zwei bis drei Tagen) durchgeführt werden. In Hitzeperioden ist diese Bekämpfungsstrategie jedoch kaum umsetzbar.

Auswahl an Pflanzenschutzmitteln zur Thripsbekämpfung im Zierpflanzenbau unter Glas (Stand: Oktober 2026)

Stets die Indikationen (Kultur/Schaderreger), den aktuellen Zulassungsstand (BVL) sowie die Anwendungsbestimmungen beachten!

Produkte (Auswahl)WirkstoffWirkungsweiseWirkung auf Nützlinge
MAINSPRING*CyantraniliproleTranslaminar, Fraßnicht schädigend bis schwach schädigend, (B1) bienengefährlich
NaturalisBeauveria bassiana Stamm ATCC 74040Kontakt (nur befallsmindernd)nicht schädigend bis schwach schädigend
NeemAzal-T/SAzadirachtinSystemisch, Translaminarschwach schädigend bis schädigend
NOFLY ODPaecilomyces fumosoroseus Stamm Fe9901Kontakt (nur befallsmindernd)schädigend, (B1) bienengefährlich
PREV-AMOrangenölKontaktschwach schädigend bis schädigend
SCATTODeltamethrinKontakt, Fraßschädigend, (B1) bienengefährlich
SIVANTO Prime*FlupyradifuroneSystemisch, Kontakt,
Fraß (nur befallsmindernd)
schwach schädigend bis schädigend
SpinTor*SpinosadKontakt, Fraßschwach schädigend bis schädigend, (B1) bienengefährlich
Winner*FormetanatSystemisch, Kontaktschädigend, (B1) bienengefährlich

*Darf nur in Kulturverfahren auf versiegelten Flächen angewendet werden.


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Quellen:

Knowing and recognizing. Koppert B.V., 3. Ausgabe 2024, S. 81-117

Express-PRA1 zu Thrips parvispinus. Dr. G. Schrader, Julius-Kühn-Institut (JKI), 5/2021

Thripse. Referat 32, Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Karlsruhe, 6/2026

Aktion „Saubere Stellfläche“ – Desinfektion auch gegen Trauermücken und Thripse. A. Höfner, Prof. Dr. W. Wohanka, Prof. Dr. G. Moritz, Gärtnerbörse, 9/2001

Kann Frankliniella occidentalis im Substrat überdauern? E. Götte, Dr. R. Schmidt, Gärtnerbörse, 12/2017

Die chemische Bekämpfung von Frankliniella bleibt schwierig. Dr. T. Brand, E. Götte, Dr. R. Schmidt, Gärtnerbörse, 12/2017

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