Hessens Landwirtschaft würdigt ihren Berufsnachwuchs
18. Tag der landwirtschaftlichen Ausbildung: LLH und HBV ehren 158 Absolventinnen und Absolventen, Meisterinnen und Meister sowie engagierte Ausbildungsbetriebe

„Hinter jedem Zeugnis und jeder Urkunde, die wir heute überreichen, stehen persönlicher Einsatz und Ausdauer, gewachsenes Können und die Verbundenheit mit einem der wichtigsten und schönsten Berufe“, betonte Anna Kaiser, kommissarische Direktorin des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), anlässlich des 18. Tags der landwirtschaftlichen Ausbildung. Die Veranstaltung wird traditionell vom LLH und dem Hessischen Bauernverband (HBV) gemeinsam organisiert und fand am 30. Oktober 2026 in der Gemeinde Wartenberg statt.
Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr 158 Absolventinnen und Absolventen, die ihre Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Landwirtin/Landwirt erfolgreich bestanden haben. Neben dem Berufsnachwuchs wurden 17 Landwirtschaftsmeisterinnen und -meister geehrt, die künftig auch als Ausbilderinnen und Ausbilder Verantwortung übernehmen. Ihre Urkunden zum 50-jährigen Meisterjubiläum erhielten außerdem neun Goldene Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft und 21 Goldene Landwirtschaftsmeister.
Hinsichtlich der Weiterentwicklung der Beratungs-, Bildungs- und Informationsangebote des LLH verwies Anna Kaiser auf den gestarteten „Agrardialog Landwirtschaft & Gartenbau“. Mit der landesweiten Umfrage lädt der LLH landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe in Hessen dazu ein, ihre Erfahrungen und Wünsche einzubringen. Die Rückmeldungen sollen dabei helfen, die Angebote künftig noch besser auf die Bedürfnisse der Praxis auszurichten. Die Teilnahme ist anonym und noch bis zum 26. November 2026 möglich unter: llh.hessen.de/umfrage
Ausbildungszahlen entwickeln sich positiv
Karsten Schmal, Präsident des HBV, gratulierte den Junglandwirtinnen und Junglandwirten zum erfolgreichen Abschluss und zu ihrer Berufswahl. Die Landwirtschaft sei ein unglaublich vielseitiger Beruf, der viel Verantwortung verlange und zugleich Zukunft habe. Das zeigten auch die Ausbildungszahlen: Diese seien in den vergangenen Jahren sehr stabil geblieben und im laufenden Jahr sogar wieder leicht gestiegen. „Das ist ein ganz starkes Signal, denn es zeigt: Junge Menschen haben weiterhin Lust auf Landwirtschaft“, sagte Schmal. Er verwies zudem darauf, dass sich zunehmend auch junge Frauen und Männer für einen landwirtschaftlichen Beruf entschieden, die nicht aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammten. Darauf könne die Branche stolz sein. Zugleich sei es ein Auftrag, diesen Nachwuchskräften Perspektiven zu bieten: Wer sich bewusst für die Landwirtschaft entscheide, brauche auch die Chance, sich eine Zukunft aufbauen zu können.



Austausch zwischen Politik und Praxis stärken

Auch Daniel Köfer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU), beglückwünschte den Berufsnachwuchs vor Ort. Anknüpfend an den von Anna Kaiser vorgestellten Agrardialog unterstrich er die Bedeutung des Austauschs mit der landwirtschaftlichen Praxis. Die Rückmeldungen der Betriebe seien eine wichtige Grundlage, um die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft weiterzuentwickeln. „Und das ist in meinen Augen das Wesen einer Partnerschaft: dass die praktischen Erfahrungen der Betriebe bei politischen Entscheidungen ein ausreichendes Gewicht haben“, erklärte Landwirtschaftsstaatssekretär Daniel Köfer. Politik und Verwaltung müssten den Betrieben zuhören, ihre fachliche Expertise ernst nehmen und die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf den Betriebsalltag berücksichtigen. Dazu gehörten auch verständliche Verwaltungsverfahren und erreichbare Ansprechpersonen.
Mit Blick auf die zunehmenden Herausforderungen durch Extremwetterereignisse verwies Köfer zudem auf die geplanten Unterstützungsmaßnahmen des Landes. Vorgesehen sei unter anderem die Förderung einer Mehrgefahrenversicherung, der sogenannten „Hessen-Police“, mit der landwirtschaftliche Betriebe bei der eigenverantwortlichen Absicherung witterungsbedingter Ernte- und Ertragsausfälle finanziell unterstützt werden sollen. Das Landwirtschaftsministerium hat die Hessen-Police für 2027 vorgesehen.
Landwirtschaft aus Sicht der jungen Generation
In diesem Jahr setzte der LLH im Rahmen des traditionellen Festvortrags wieder auf Praxisnähe. Landwirt und Agrarblogger Malte Messerschmidt gab mit dem Vortrag „Sichtbar, stolz, Landwirt: Chancen für die neue Generation“ persönliche Einblicke in die Landwirtschaft und zeigte auf, welche Möglichkeiten sich der jungen Generation bieten. Ausgehend von seinem eigenen Werdegang und der Übernahme des Familienbetriebs im Jahr 2024 sprach Messerschmidt über die öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft. Er ermutigte den Berufsnachwuchs, die eigene Arbeit stärker nach außen zu tragen und den Austausch mit der Gesellschaft zu suchen – sowohl im persönlichen Umfeld als auch über soziale Medien. Die Landwirtschaft müsse wieder stärker mit den Menschen ins Gespräch kommen und selbst zeigen, was sie ausmacht. Eine größere Sichtbarkeit sei dabei ein wichtiger Schritt, um das Bild der Branche in der Öffentlichkeit mitzugestalten.

Die besten Absolventinnen und Absolventen
Die besten Abschlussprüfungen im Ausbildungsberuf Landwirtin/Landwirt erzielten in diesem Jahr Oliver Schöpe aus Witzenhausen-Dohrenbach (Note 1,35), Pia Zentgraf aus Ebersburg (1,36), Ronja Petsch aus Lampertheim (1,43) und Sophia Hof aus Lohra-Rollshausen (1,49). Als bester Absolvent der Meisterprüfung wurde Sascha Lehmer aus Nidda-Geiß-Nidda (1,47) ausgezeichnet.
Pia Zentgraf zählt nicht nur zu den Jahrgangsbesten, sondern hielt auch die Abschlussrede für die Absolventinnen und Absolventen. Dabei blickte sie auf die Herausforderungen der Ausbildungszeit zurück und machte deutlich, wie wichtig es sei, aus Fehlern zu lernen und Verantwortung zu übernehmen. „Auch wenn dieser Brief nicht beweist, dass wir jetzt alles können, zeigt er doch, dass wir bereit sind, unseren Weg weiterzugehen“, sagte Zentgraf.
Vorbildliche hessische Ausbildungsbetriebe ausgezeichnet

Am Tag der landwirtschaftlichen Ausbildung wurden zudem drei hessische Ausbildungsbetriebe geehrt. Für ihr langjähriges Engagement und sehr gutes Ausbildungsniveau wurde folgenden Betrieben die Silberne Ehrenplakette des HMLU verliehen: Markus König und Jürgen König stellen ihren Betrieb in Ober-Mörlen regelmäßig als Prüfungsbetrieb zur Verfügung und bieten Raum für Prüfungsvorbereitungen der Berufsschule. Markus König engagiert sich als ordentliches Mitglied im Prüfungsausschuss Butzbach sowie im Bildungsausschuss des HBV. Seit 2016 hat der Betrieb neun Berufsausbildungsverträge eingereicht, alle Auszubildenden haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Geehrt wurde auch Henning Caspar aus Kirtorf-Heimertshausen, der seit 22 Jahren regelmäßig mehrere Auszubildende gleichzeitig betreut. Um trotz der Stallzeiten im Milchviehbetrieb geregelte Arbeitszeiten zu ermöglichen, setzt der Betrieb seit vielen Jahren erfolgreich auf ein Schichtsystem in der Ausbildung. Darüber hinaus stellt die Familie Caspar ihren Betrieb für Prüfungen sowie für Betriebsbesuche durch die Berufsschule zur Verfügung.
Auch Hermann Böss und Stefan Böss aus Schenklengsfeld-Landershausen wurden für ihr besonderes Engagement in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung geehrt. Der Betrieb von Stefan Böss stand auch schon als Prüfungsbetrieb zur Verfügung. Die Auszubildenden schätzen insbesondere den freundlichen Umgang, die verständliche Vermittlung der Ausbildungsinhalte und die gute Vorbereitung auf die Prüfungen. Beide Ausbilder sind im Prüfungsausschuss Bebra tätig, Hermann Böss als ordentliches Mitglied.
Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Veranstaltung im Wartenberg Oval von den Musikern der Blechbläserformation Kassel Brass.
Gruppenfotos der Absolventinnen und Absolventen der Berufsausbildung







Gruppenfotos der Absolventinnen und Absolventen der Externenprüfung


Gruppenfoto der Absolventinnen und Absolventen der Meisterprüfung

Die Fotos zur Veranstaltung können bis zum 05.12.26 hier heruntergeladen werden.