Hessische Gartenakademie entlässt die ersten Biodiversitätslotsinnen und -lotsen

Unter dem Motto: „Eins, zwei, drei, vier, …, viele – der Weg der Multiplikation“ hat vom 24. bis 28. Juni 2024 die ausgebuchte Pilotveranstaltung „Nachhaltig gärtnern: Ausbildung zum Biodiversitätslotsen / zur -lotsin“ an der Hessischen Gartenakademie (HGA) – zugehörig zum Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) – in Geisenheim stattgefunden.

Abwechslungsreicher Bildungsurlaubslehrgang

Eine Woche lang wurden vielfältige Themen rund um mehr artenreiches Grün in unseren Kommunen in einer Mischung aus Vorträgen, Exkursionen und interaktiven Sequenzen behandelt.

Nach der Grundlagenklärung,was überhaupt Biodiversität ist und was alles dazugehört, lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Frage, wie man mehr naturnahes Grün – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum – in den Siedlungsbereichen etabliert und erhält. Die interessierten Teilnehmenden erhielten Praxistipps zur klimaangepassten Staudenpflanzung und wie diese gepflegt wird, aber auch grundlegende Informationen zu den Prinzipien der Raum- und Landesplanung, Siedlungsplanung und Eingriffsregelungen.

Rechtliche Grundlagen, beispielsweise im Spannungsfeld zwischen Artenschutz und Verkehrssicherheit, wurden ebenso thematisiert wie die Recherche nach geeigneten Förderprogrammen, um geplante Vorhaben zu finanzieren. Hier wurden die angehenden Biodiversitätslotsen und -lotsinnen von den Regionalbeauftragten des Schwesterfachgebietes „Akademie für den ländlichen Raum“ fachkundig durch den Förderdschungel gelotst. Mit „Artenerben e.V.“ und „Spurensuche Gartenschläfer“ des BUND waren bereits aktive Initiativen bzw. Projekte zu Besuch, die ihren beispielhaften Weg lebendig dargestellt haben und Fragen rund um die praktische Umsetzung beantworteten.

Frank Baumann vom Hessischen Streuobstwiesenzentrum berichtete über seine Arbeit und das Ziel, die Kulturlandschaft Obstwiese zu erhalten. Auch Streuobstwiesen – Artenhotspots – stehen mittlerweile auf der „Roten Liste“ und sind somit als stark gefährdeter Lebensraumtyp einzustufen, für den Hessen zudem eine besondere Verantwortung trägt.

Gutes liegt so nah – Exkursionen im Rheingau

Vielfältige Exkursionen, durchgeführt von Fachleuten, ermöglichten es, vor Ort zu lernen – mit hohem Praxisbezug in der wunderschönen Kulturregion Rheingau.

An zwei Exkursionstagen konnten wir Geisenheim unter fachkundiger Leitung von Martina Erbs, Bauamtsleiterin der Stadt Geisenheim, Nicola Fischer-Quasten und Felix Engelmann, ebenfalls Mitarbeiter des Bauamts Geisenheim, erkunden und erfolgreiche Gestaltungen für ein verstärktes innerörtliches Grün kennenlernen. Neben dem Bischofs-Blum-Platz wurde beispielsweise der neu gestaltete „Park am Blaubach“ kürzlich wiedereröffnet. Gleichzeitig wurde auch besprochen, welche Problematiken bei der Umsetzung von Maßnahmen auftreten können.

In Eltville am Rhein waren wir unter anderem zu Besuch im Burghof, wo uns der Stadtgärtner, Manfred Orth zusammen mit Patrizia Zey, Stadtwerke Eltville, von der biologisch-ökologischen Bewirtschaftung der Rosen berichtete. Hier wurde deutlich: Standortangepassten Pflanzen auszuwählen und Nützlinge zu fördern ist von zentraler Bedeutung.

Artenvielfalt im Gewässer stärken

Informatives zum brandaktuellen Thema „Gewässerrenaturierung“ erfuhr die Gruppe von Kerstin Rudloff, Stadtwerke Eltville, in Eltville-Martinsthal. Dort wurde mit einer streckenweisen Verbreiterung des Bachbetts der Walluf nicht nur der Hochwasserschutz optimiert. Auch die Rahmenbedingungen für eine Stärkung der Artenvielfalt im Gewässer wurden verbessert.

Abschließend widmete sich Dr. Beate Formowitz, Fachgebietsleitung des LLH-Bildungsseminars Rauischholzhausen, dem Thema Kommunikation – anhand eines Rollenspiels mit den Teilnehmenden. Denn nur mit der richtigen Ansprache kann man Mitstreitende gewinnen und Überzeugungsarbeit leisten.

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