Archivboden – Der Boden des Jahres 2026
Der „Boden des Jahres“ wird jährlich gekürt, um unseren Böden mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen – und diese Aufmerksamkeit ist mehr als verdient. Böden tragen uns, sind Grundlage des Lebens und unverzichtbar für die Produktion von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen. Sie speichern, filtern und reinigen Wasser, fungieren als CO₂-Speicher und sind zugleich Archive der Natur- und Kulturgeschichte.

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2026 ist der Archivboden Boden des Jahres. Schirmherr ist das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU). In Hessen finden sich zahlreiche Böden, die eindrucksvoll von historischen Ereignissen berichten.
Archive der Kulturgeschichte
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Kohlenmeilerboden, der in fast allen hessischen Mittelgebirgen vorkommt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf ihm Kohlenmeiler zur Holzkohle-Herstellung betrieben. Typisch sind die Farbschichten:
- Oberboden: schwarz, durchsetzt mit Holzkohlenstücken
- Zweiter Horizont: ursprünglich gelbbraun, durch Hitze rötlich verfärbt
- Unterboden: ursprüngliche Braunerde
Weitere Zeugnisse der Kulturgeschichte sind Grabhügel oder „Wölbäcker“ – leicht gewölbte Äcker aus dem Spätmittelalter, die Staunässe verhindern. Noch heute sind die Wellenformen sichtbar.
Archive der Naturgeschichte
Natur hinterlässt ebenfalls Spuren im Boden. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Laterit-Boden (Roterde) im Tagebau „Eiserne Hose“ bei Lich im vorderen Vogelsberg. Er dokumentiert tropisches Klima vor rund 15 Millionen Jahren, das zur Verwitterung von Eisen und zur Rotfärbung führte. Durch den Tagebau fehlt der natürliche Oberboden.

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Auch Moorböden sind bedeutende Naturarchive. Das Hochmoor „Rotes Moor“ im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön enthält Pflanzenreste, Pollen und organisches Material über Jahrtausende. So dokumentieren Moore Klima-, Vegetations- und Kulturgeschichte. Ihr saures, sauerstoffarmes Milieu erhält diese Schichten außergewöhnlich lange.
Gartenböden erzählen Geschichten
Nicht nur historische Böden sind Archive: Auch Gartenböden berichten von früherer Nutzung. Kompostwirtschaft und Düngung hinterlassen humose Horizonte und hohe Nährstoffvorräte. Verdichtete oder humusarme Schichten verraten vergangene Nutzung oder Naturereignisse.
Der Archivboden erinnert daran: Jeder Eingriff hinterlässt Spuren. Wer heute gärtnert, schreibt das Archiv von morgen mit.
Bildungsangebote der Hessischen Gartenakademie
Die Hessische Gartenakademie (HGA) unterstützt Freizeitgärtnerinnen und -gärtner dabei, dieses Archiv bewusst, lebendig und fruchtbar zu gestalten. In den Seminaren der Hessischen Gartenakademie werden die Grundlagen zum Umgang mit dem Boden im Garten vermittelt: Bodenanalyse, Düngung, Bodenleben, Bodenpflege und -schutz. Weitere Themen sind Kompostierung, Umgang mit Wasser im Garten oder Baumpflanzungen. Neben dem Boden geht es bei der Gartenakademie natürlich um das Gärtnern: Gemüse, Obst, Kräuter, Stauden, Gehölze, Pflanzenschutz, Gebäudebegrünung, Permakultur und Biodiversität und vieles mehr. Bildungsurlaube, Praxisseminare und Fachwartausbildungen runden das Angebot ab.
Hier geht es zum Programm der HGA.
Weitere Informationen und Ausstellung
Auf der Website des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gibt es weitere Informationen zum Boden des Jahres 2026, eine Kinderseite und einen Jahreskalender mit Veranstaltungen.
Noch bis 27. Februar 2026 ist die Ausstellung zum Boden des Jahres im Foyer des HLNUG in Wiesbaden zu besichtigen.

