Rasen im Kleingarten bei Hitze und Trockenheit: Weniger ist mehr

Brauner Rasen? Erst einmal ruhig bleiben

Auf dem Foto ist eine braune, vertrocknete Rasenfläche zu sehen.
Vertrockneter Rasen

Hitze und Trockenheit setzen derzeit vielen Rasenflächen zu. Das Gras wird gelblich-braun, wächst kaum noch und wirkt vertrocknet.

Doch braun bedeutet nicht automatisch abgestorben. Etablierte Rasengräser können längere Trockenperioden überstehen, indem sie ihr Wachstum reduzieren und in eine Ruhephase gehen. Nach ausreichendem Regen treiben sie häufig wieder aus. Deshalb muss ein brauner, etablierter Rasen nicht sofort bewässert, gedüngt oder nachgesät werden. Erst einmal abzuwarten, ob er sich nach dem Regen von selbst erholt, ist meist sinnvoll. Frisch eingesäte oder neu angelegte Rasenflächen sind allerdings empfindlicher.

Was jetzt bei Hitze und Trockenheit zu tun ist – und was nicht

Die wichtigste Maßnahme lautet: den Rasen möglichst wenig zusätzlich belasten.
Während einer ausgeprägten Hitzeperiode sollte der Rasen nicht kurz geschnitten werden. Ein höherer Bestand beschattet den Boden, schützt ihn vor direkter Sonneneinstrahlung und verringert die Verdunstung. Eine Schnitthöhe von etwa 5 bis 7 Zentimetern kann im Sommer sinnvoll sein. Wird der Rasen bereits stark durch Trockenheit beansprucht, kann der Mäher auch einmal stehen bleiben.

Bei großer Hitze und Trockenheit sollte der Rasen nicht durch Düngung zu stärkerem Wachstum angeregt werden. Insbesondere eine stickstoffreiche Düngung ist unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll. Erst wenn wieder ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist und der Rasen sichtbar wächst, kann über eine bedarfsgerechte Düngung nachgedacht werden.

Ein brauner Rasen braucht nicht automatisch Wasser. Gerade bei ausgeprägter Trockenheit sollte sorgfältig abgewogen werden, welche Pflanzen im Garten tatsächlich auf eine Bewässerung angewiesen sind.

Örtliche Bewässerungsverbote und -beschränkungen sind unbedingt zu beachten. Je nach Kommune oder örtlicher Situation kann die Bewässerung von Rasenflächen eingeschränkt oder zeitweise untersagt sein. Die jeweils geltenden Regelungen haben Vorrang.

Ist eine Bewässerung zulässig und tatsächlich erforderlich, sollte nicht täglich nur oberflächlich gegossen werden. Sinnvoller ist eine seltene, durchdringende Bewässerung, bei der das Wasser möglichst in tiefere Bodenschichten gelangt.

Bei sehr trockenen Böden kann Wasser zunächst oberflächlich ablaufen. Dann kann es sinnvoll sein, in mehreren Durchgängen mit kurzen Pausen dazwischen zu bewässern. So bekommt das Wasser Zeit, in den Boden einzudringen.

Auf dem Foto sind die Blätter und Blüten des Weißklees zu sehen.
Weißklee als trockenheitsresistente Alternative ist auch für Bienen attraktiv, was bei reinen Spiel- und Liegeflächen aber auch von Nachteil ist.

Auf eine Bewässerung in der größten Mittagshitze sollte verzichtet werden. Wenn gegossen werden darf und muss, sind die frühen Morgenstunden besonders geeignet.

Kräuter im Rasen tolerieren

Ein Kleingartenrasen muss nicht ausschließlich aus Gräsern bestehen. Weißklee, Gänseblümchen, Schafgarbe, Wegerich, Habichts- und Fingerkraut, Pimpinelle oder Hornklee können Bestandteil eines artenreicheren Rasens sein. Ihre Blüten bieten Nahrung für Bienen und andere Insekten.

Gerade auf weniger intensiv genutzten Flächen kann es deshalb sinnvoll sein, Kräuter im Rasen zu tolerieren. Weißklee beispielsweise kommt mit trockeneren Bedingungen vergleichsweise gut zurecht und bleibt niedrig. Für reine Spiel- und Liegeflächen sind dagegen belastbare, trittverträgliche Rasenmischungen besser geeignet – nicht zuletzt um die Gefahr von Bienenstichen (insbesondere bei Allergikern!) zu reduzieren.

Entscheidend ist daher, welche Funktion die Rasenfläche erfüllen soll und welche Pflanzen zu diesem Standort passen.

Welche Gräser kommen mit Trockenheit besser zurecht?

Wer weiterhin einen überwiegend grasartigen Rasen möchte, sollte bereits bei der Anlage auf geeignete Arten und Sorten achten.

Beispielsweise können Schafschwingel und Rotschwingel mit trockeneren Bedingungen vergleichsweise gut zurechtkommen. Welche Mischung geeignet ist, hängt allerdings vom Standort, vom Boden und von der Nutzung ab.

Ein Rasen für intensive Spiel- und Liegenutzung hat andere Anforderungen als eine Fläche, die hauptsächlich als Wegefläche oder optischer Bestandteil des Gartens dient.

Deshalb gilt: Nicht der vermeintlich beste Rasen ist entscheidend, sondern der passende Rasen für den jeweiligen Standort.

Was langfristig gegen Trockenstress hilft

Die beste Strategie gegen zunehmende Hitze und Trockenheit besteht nicht darin, jedes Jahr mehr Wasser bereitzustellen. Sinnvoller ist es, die Rasenfläche langfristig widerstandsfähiger zu machen und an ihren Standort anzupassen.

Dazu gehören:

  • Rasen nicht zu kurz mähen, besonders bei warmer und trockener Witterung.
  • Bei einer Neuanlage trockenheitsverträgliche Saatmischungen auswählen.
  • Den Boden bei geeigneten Bedingungen lockern und belüften, damit Niederschlagswasser besser eindringen kann.
  • Auf einen humusreichen, gut strukturierten Boden achten, der Wasser speichern kann.
  • Bei Verwendung eines Mulchmähers den Rasenschnitt auf der Fläche belassen, sofern keine zu dicke Schicht entsteht.
  • Regenwasser sammeln und dort einsetzen, wo eine Bewässerung zulässig und tatsächlich notwendig ist.
  • Durch Bäume und Sträucher für Beschattung sorgen und die Verdunstung reduzieren.
  • Nicht benötigte Rasenflächen schrittweise in Staudenbeete, Wiesenbereiche oder andere trockenheitsverträgliche Pflanzungen umwandeln.

Nach der Trockenheit: erst beobachten, dann handeln

Wenn nach einer längeren Trockenperiode wieder ergiebiger Regen fällt, sollte man dem Rasen zunächst Zeit geben. Viele Gräser beginnen nach einigen Tagen wieder auszutreiben.

Erst wenn sich zeigt, dass tatsächlich Pflanzen abgestorben und größere Lücken entstanden sind, ist eine Nachsaat sinnvoll. Dann kann zugleich geprüft werden, ob eine besser an den Standort angepasste Mischung verwendet werden sollte.

Weniger Perfektion, mehr Anpassung

Heiße und trockene Sommer stellen die Vorstellung vom perfekten, dauerhaft sattgrünen Rasen infrage. Wer seinen Rasen auch unter solchen Bedingungen möglichst vital halten möchte, muss nicht zwangsläufig mehr Wasser einsetzen. Oft ist es sinnvoller, die Ansprüche an die Fläche an ihren Standort und ihre Nutzung anzupassen.

Die Frage muss deshalb nicht lauten: „Wie halte ich meinen Rasen um jeden Preis grün?“ Sondern: „Wie kann mein Rasen mit Hitze und Trockenheit möglichst gut zurechtkommen und dabei wenig Wasser benötigen?“

Die Antwort kann im Kleingarten ganz einfach sein: etwas höher mähen, passende Pflanzen auswählen und dem Rasen in Trockenperioden auch einmal eine Ruhepause gönnen.

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