2. Februar: Tag des Igels – Wetterorakel oder Sorgenkind?
Ende Januar wächst die Sehnsucht nach dem Frühling – und mit ihr eine alte Frage, die früher besondere Relevanz für die Landwirtschaft hatte: Wie lange dauert der Winter noch?

Seit Jahrhunderten versuchen Menschen mithilfe von Bauernregeln und Tierorakeln darauf Antworten zu finden. Der Festtag Mariä Lichtmess am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, markierte traditionell einen Wendepunkt im Jahreslauf. An diesem Tag blickte man voraus und fragte sich, wann die Feldarbeit wieder beginnen könne.
Die Regel besagt: Ist das Wetter sonnig und der Igel sieht seinen Schatten, dauert der Winter an. Bleibt es trüb und schattenlos, soll der Frühling bald kommen.
Als Wetterpropheten dienten je nach Region Winterschläfer wie Dachs, Murmeltier oder Igel. Daher ist der 2. Februar in Europa und Teilen der USA auch als „Tag des Igels“ bekannt, während durch Hollywood vor allem der „Murmeltier-Tag“ geläufig ist.
Also: vergessen Sie den Wetterbericht und schauen Sie lieber aus dem Fenster!
Mittlerweile dient der heutige Gedenktag jedoch vor allem dazu, auf die Belange unseres selten gewordenen, stacheligen Gartenbewohners hinzuweisen.
Igel werden in zwei Unterfamilien mit 10 Gattungen und 24 Arten unterteilt. In Deutschland ist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) die vorherrschende Art. Von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild wurde der Igel im Jahr 2009 zum „Tier des Jahres“ gewählt [1].
Lebensraum und Nahrung

Der bevorzugte Lebensraum des Braunbrustigels ist eine vielfältige Feldflur, die aus Hecken, Gebüschen, Weideland, Feldrainen und Ruderalflächen besteht. Durch den zunehmenden Verlust dieser Vegetationsstrukturen hat sich der Igel im Laufe der Zeit verstärkt auf den menschlichen Siedlungsraum eingestellt: durchgrünte Siedlungsrandbereiche, Streuobstwiesen, naturnahe Gärten sowie Parks und Friedhöfe.

Die Hauptnahrung des Braunbrustigels besteht aus Insekten, insbesondere Käfern, Ohrwürmern, Raupen, Tausendfüßern etc. Dieses ist auch an seinem Gebiss zu erkennen (Insektenfressergebiss).
Kann der Igel sie fangen, frisst er auch nestjunge Mäuse, kleine bis mittelgroße Eier oder Küken von Bodenbrütern bzw. aus dem Nest gefallene Jungvögel. Außerdem nimmt er Aas zu sich und ist daher mitunter an den Überresten von Mäusen, Vögeln oder anderen Tieren zu sehen.
Entgegen landläufiger Vorstellungen spielen Schnecken, insbesondere Nacktschnecken, nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr gelten sie, aber auch Regenwürmer, als Überträger von gefährlichen Lungen- und Darmwürmern, weshalb ihnen eine solche Nahrung nicht angeboten werden sollte!
Obwohl Braunbrustigel im Herbst gelegentlich auch überreifes Fallobst fressen, macht dieses nur einen sehr kleinen Teil der Nahrung aus. Wahrscheinlich interessieren sie sich eher für die vielen Insekten, die sich auf dem Fallobst befinden.
Bestandssituation des Igels in Deutschland
Obwohl man in Deutschland derzeit insgesamt noch von einem hinreichenden Igelbestand ausgehen kann, summieren sich seit Jahrzehnten verschiedene Faktoren, die den Igelpopulationen zunehmend zusetzen. So ist die durchschnittliche Lebenserwartung des Igels innerhalb kurzer Zeit von etwa 6 auf ca. 4 Jahre gesunken. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte der Igel in wenigen Jahrzehnten bedroht oder gar ausgestorben sein.
Wichtige Verlustfaktoren sind neben dem Verlust von Lebensräumen in ausgeräumten Agrarlandschaften ohne ausreichende Biotopverbundstrukturen und der fortschreitenden Überbauung durch Siedlungen vor allem der Straßenverkehr. Jedes Jahr werden rund 500.000 Igel auf Straßen überfahren oder schwer verletzt. Diese Zahl beinhaltet nicht die Igelbabys, die im Nest sterben, weil ihre Mutter getötet wurde.

Seit wenigen Jahren kommen zwei weitere Faktoren hinzu:
- Klimawandel: Igel erwachen wegen steigender Temperaturen immer früher aus dem Winterschlaf, finden aber oft noch kein Futter.
- Rückgang von Insekten: Das Futterangebot wird knapper, sodass Igel auf andere Nahrung wie Schnecken ausweichen müssen. Diese können Parasiten wie Lungenwürmer übertragen.
Das unzureichende Nahrungsangebot und die zunehmende Parasitenbelastung (z. B. Zecken) machen Igel schwächer und verringern ihre Überlebenschancen im Winterschlaf. Aus diesem Grund steht der Igel in vielen Bundesländern bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Bei anhaltender Bedrohung könnte er in naher Zukunft als „gefährdet“ eingestuft werden.
Wie können wir als Gartenbesitzer dem Igel helfen?
Mit den folgenden Maßnahmen können Sie Ihren Garten igelfreundlich gestalten und dem Igel helfen:

- Zugänglichkeit prüfen: Mauern und durchgezogene Zäune verhindern das Durchkommen. Schaffen Sie kleine Öffnungen (ca. 10 × 10 cm). Bei neuen Zäunen sollten solche Durchlässe bereits eingeplant werden.
- Gefahren beseitigen: Gartenteiche sollten flache Stellen oder Ausstiegshilfen haben. Unabgedeckte Schächte oder wenig begangene Kellertreppen können Igelfallen darstellen.
- Rattenschlagfallen sichern: Diese sollten für Igel, Vögel, Eichhörnchen und andere Gartenbewohner unzugänglich sein.
- Chemische Pflanzenschutzmittel und Biozide vermeiden
- Wilde Ecke anlegen: Lassen Sie Laub, Holz oder Reisig liegen, besonders im Winter.
- Igelhaus aufstellen: Als zusätzliche Unterkunft kann ein Igelhaus dienen.
- Wasser bereitstellen: Flache Schalen, Insekten- oder Vogeltränken helfen, besonders im Sommer.
- Richtig füttern: Keine Milch! Geeignet sind spezielles Igelfutter, Katzenfutter, gekochtes oder rohes Ei sowie kurz angebratenes, ungewürztes Hack- oder Geflügelfleisch. Das Futter sollte Zimmertemperatur haben.
[1] Seit 2018 wird das „Tier des Jahres“ von den Förderern der Deutschen Wildtier Stiftung gewählt
