Die Brennnessel – viel mehr als ein Unkraut!

Nahaufnahme einer Brennnessel mit Blütenständen
Die Große Brennnessel, Urtica dioica

An die Brennnessel wird oft nur als lästiges Unkraut gedacht. Tatsächlich gehört sie zu den vielseitigsten Wildpflanzen überhaupt. Als Zeigerpflanze weist sie auf besonders nährstoffreiche Böden hin, dient zahlreichen Insekten als Lebensraum und Nahrungsquelle, ist essbar und reich an wertvollen Inhaltsstoffen. Darüber hinaus lässt sie sich als natürlicher Dünger und im Pflanzenschutz einsetzen.

Lebensraum für Insekten und wertvolle Wildpflanze

Die Brennnessel bevorzugt nährstoffreiche, leicht feuchte Böden sowie sonnige bis halbschattige Standorte. Für die Tierwelt ist sie von großer Bedeutung: Sie dient 49 Raupenarten als Futterpflanze, von denen elf auf sie spezialisiert sind. Die Raupen von Kleinem Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral und Landkärtchen ernähren sich sogar ausschließlich von Brennnesseln. Darüber hinaus finden zahlreiche weitere Insekten wie Fliegen, Wanzen, Käfer und Ohrwürmer Nahrung und Lebensraum an ihr.

Auch für uns Menschen ist die Brennnessel eine wertvolle Wildpflanze. Sie ist reich an den Vitaminen A, B, C und K sowie an den Mineralstoffen Eisen, Calcium, Magnesium und Kalium. Ihr Vitamingehalt liegt sogar deutlich über dem von Kopfsalat.

Damit die Brennhaare beim Verzehr nicht reizen, können die Blätter gekocht, blanchiert oder in Smoothies und Suppen verarbeitet werden. Für den Rohverzehr genügt es, sie vor dem Essen kräftig mit einem Nudelholz oder einer Flasche zu rollen. Dadurch werden die Brennhaare zerstört.

Dank ihrer Mineralstoffe und der enthaltenen Kieselsäure wirkt die Brennnessel außerdem harntreibend. Bei Harnwegsbeschwerden kann Brennnesseltee in Verbindung mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme unterstützend wirken. Auch bei rheumatischen Erkrankungen wurden in einzelnen Studien positive Effekte beschrieben.

Brennnesseljauche – natürlicher Dünger für Starkzehrer

Ein mit zerkleinerter Brennnessel gefüllter Plastikeimer steht unter dem Wasserhahn einer Regentonne. Daneben wächst üppiges Beikraut.
Brennnesseljauche ansetzen

Die Brennnessel eignet sich hervorragend zur Herstellung einer Jauche und liefert einen schnell verfügbaren Stickstoffdünger. Mit einem Stickstoffgehalt von 2 bis 4 % in der Trockenmasse ist sie besonders für stark zehrende Gemüsekulturen wie Tomaten, Kürbis oder Kohl geeignet. Darüber hinaus fördern die enthaltenen Mineral- und Spurenelemente das Pflanzenwachstum.

Für die Herstellung werden gehackte, frische (75 g/l Wasser) oder getrocknete Brennnesselblätter (15 g/l Wasser) in einem Kunststoff- oder Holzeimer mit Wasser angesetzt. Blühende Pflanzen sollten nicht verwendet werden, da sie Samen enthalten können. Auf Metallgefäße sollte verzichtet werden, da diese mit dem Brennnesselsud reagieren.

Der Behälter wird abgedeckt, sollte jedoch nicht luftdicht verschlossen sein, damit die bei der Gärung entstehenden Gase entweichen können. Eine Handvoll Gesteinsmehl kann den Geruch deutlich mindern. Während der Gärung empfiehlt es sich, die Mischung ein- bis zweimal täglich umzurühren, damit ausreichend Sauerstoff eingetragen wird.

Nach zehn bis 14 Tagen ist die Jauche fertig. Sobald sie nicht mehr schäumt, wird sie abgesiebt und kann als Dünger verwendet werden. Die zurückbleibenden Pflanzenteile eignen sich gut als Mulch.

Vor der Anwendung wird die Jauche mit Wasser verdünnt: Für etablierte Pflanzen im Verhältnis 1 : 10, für Jungpflanzen 1 : 20.

Brennnesselsud im Pflanzenschutz

Die Brennnessel eignet sich nicht nur als Dünger, sondern auch für den Pflanzenschutz. Als Sud kann sie gegen verschiedene Insekten, Milben und Pilzkrankheiten eingesetzt werden.

Für die Herstellung wird der Sud wie die Brennnesseljauche angesetzt, jedoch nur drei bis vier Tage stehen gelassen. Anschließend wird er im Verhältnis 1 : 5 mit Wasser verdünnt. Da der Sud rasch an Wirkung verliert, sollte er innerhalb von 24 Stunden verbraucht werden.

In der Regel wird der Brennnesselsud auf die Blätter gespritzt und – je nach Kultur und Befallsdruck – mehrfach angewendet. Bei saugenden Schädlingen wie Blattläusen ist es wichtig, die Tiere direkt zu treffen. Pro Quadratmeter sollten je Anwendung nicht mehr als etwa 0,05 Liter ausgebracht werden.

Brennnesselsud kann unter anderem eingesetzt werden gegen:

  • Apfelwickler an Apfel und Birne
  • Blattläuse an Gemüse, Rosen und Obstgehölzen
  • Kohlerdfloh und Kohlmotte an Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler wie Kohl, Raps und Rettich
  • Spinnmilben an Bohnen und Weinreben
  • Echten Mehltau an Gurken
  • Falschen Mehltau an Wein
  • Kraut- und Knollenfäule an Kartoffeln
  • verschiedene Fäulepilze an Obstbäumen; dabei können Blätter und Früchte behandelt werden.

Auch als Mulch kann Brennnessel zur Gesunderhaltung von Pflanzen beitragen. Dafür werden 80 g getrocknetes Brennnesselkraut mit 1 kg Mulchmaterial vermischt.

So kann Brennnesselmulch unter anderem eingesetzt werden gegen:

  • Sternrußtau, Rosenrost, Kräuselkrankheit, Monilia und Mehltau an Kernobst und Rosen
  • Dürrflecken- und Blattfleckenkrankheit an Tomaten
  • Echten Mehltau sowie Wurzelpilze wie Wurzelfäule und Keimlingskrankheiten an Gurken.

Weitere Informationen zur Anwendung der Brennnessel gegen Pflanzenschädlinge finden Sie bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein https://www.lksh.de/landleben/haus-und-kleingarten/ unter „Listen zu Grundstoffen“ → „Grundstoff Brennnessel (Urtica spp.)“.

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