Form-Hecken: Alternativen zu Thuja und Kirschlorbeer

In unserem September-Artikel berichteten wir über Schäden an Lebensbaum- und Scheinzypressenhecken (Thuja & Chamaecyparis) und stellten fest, dass zunehmend klimawandelbedingte Faktoren dafür verantwortlich sind. Daraus lässt sich ableiten, dass der „Lebensbaum“ von gestern vielerorts kein „Zukunftsbaum“ für morgen sein wird.

Hier zeigen wir Ihnen Alternativen für Neupflanzungen.

Kirschlorbeer: praktische Alternative mit Schattenseiten

Viele Gartenbesitzer scheinen ihre Alternative bereits gefunden zu haben: Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wird heute oft als Ersatz für Thuja verwendet.

Die aus Kleinasien stammende Lorbeerkirsche kommt tatsächlich gut mit den veränderten Klimaverhältnissen zurecht und ist mittlerweile aufgrund des günstigen Massenangebots weit verbreitet – trotz ihrer Giftigkeit.

Leider breitet sich der Kirschlorbeer durch Vogel- und Selbstaussaat zunehmend auch im Unterholz heimischer Wälder aus und gilt als invasive, verdrängende Pflanzenart. In der Schweiz ist eine Anpflanzung bereits verboten.

Zudem ist der ökologische Wert für heimische Insekten, Vögel und Bodenorganismen relativ gering. Deshalb gehört die Lorbeerkirsche nicht zu den von uns empfohlenen Arten.

Die Eibe – ein robuster, pflegeleichter Klassiker im Garten

Die Eibe (Taxus baccata) ist robust, anpassungsfähig, schattentolerant, dürreresistent und frosthart. Seit der Renaissance wird sie als immergrüne, geschnittene Hecke verwendet, ist aber in Zeiten preiswerter Thuja und Scheinzypressen in Vergessenheit geraten.

Das Foto zeigt einen Artenwechsel innerhalb einer immergrünen Hecke: Im Vordergrund Kirschlorbeer, dahinter Eibe.
Die heimische Eibe ist eine gute Alternative zum invasiven Kirschlorbeer.

Zudem haften der heimischen Eibe zwei Vorurteile an, die es zu relativieren gilt:

  1. Giftigkeit: Besonders die roten „Beeren“ sorgen für Bedenken. Dabei sind die fleischigen, süßen Samenmäntel ungiftig, solange die Samenkerne nicht zerkaut werden. Giftig sind – ähnlich wie bei Thuja und Kirschlorbeer – die Blätter und Samen.
  2. Image als Friedhofsbaum: Tatsächlich wurde die Eibe von Kelten und Germanen als Sakralbaum verehrt und galt aufgrund ihrer Langlebigkeit als Symbol der Unsterblichkeit.
Exkurs Pflanzenvergiftungen

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beziehen sich ca. 10 – 15 % aller Anfragen bei Giftinformationszentren (GIZ) auf Pflanzen. Damit befinden sich Pflanzen auf Platz 3 der Anfragehäufigkeit (nicht Vergiftungshäufigkeit!), hinter Arzneimitteln (ca. 32 %) und Haushaltchemikalien (ca. 24 %), gefolgt von Pilzen (1,5 %).

Am häufigsten sind hier Kinder betroffen: Die Altersgruppe 0 bis 9 Jahre, davon größtenteils Kleinkinder (1 – 4 Jahre) machte in den letzten Jahren etwa 80 % der Pflanzenexpositionen aus. Meist werden Früchte gegessen, mitunter werden aber auch Blätter oder andere Pflanzenteile verzehrt oder zumindest in den Mund gesteckt. In den meisten Fällen treten nur leichte oder keine Symptome auf, so dass auf eine Behandlung verzichtet werden kann und die Patientinnen und Patienten nur beobachtet werden müssen. Der Anteil an mittleren und schweren Fällen liegt zwischen rund 2 bis 3 %, wobei Todesfälle nur im Einzelfall vorkommen (meist Suizide, vereinzelt Verwechslungen von essbaren Pflanzen mit giftigen Pflanzen).

Die häufigsten Anfragen zu Pflanzen mit schwerem Vergiftungsrisiko betreffen Eisenhut, Herbstzeitlose, Tollkirsche, Schierling, Stechapfel sowie Rizinus und Engelstrompete.

Nicht zu vergessen ist, dass auch manche essbaren Pflanzen in unreifem oder ungegartem Zustand zu Vergiftungen führen können. Oft treten dann Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen auf. Beispiele hierfür sind Kartoffeln, Tomaten, Bohnen und Holunderbeeren.

Unseres Erachtens ist die Eibe ein ökologisch wertvolles, langlebiges Heckengehölz, dessen Anpflanzung sich lohnt. Es gibt auch nicht-fruchtende Eibenarten im Handel – wobei bei regelmäßig geschnittenen Hecken der Fruchtansatz ohnehin meist entfernt wird.

Liguster – heimisch, bescheiden, beständig

Der Liguster (Ligustrum vulgare) ist ein weiteres heimisches Gehölz und damit ökologisch wertvoll. Als robuste, teilweise immergrüne Heckenpflanze (z. B. L. vulgare ‚Atrovirens‘) eignet er sich gut für Formhecken.

Sein natürliches Vorkommen reicht von Nordafrika über Mitteleuropa bis in den Iran, sodass er gut mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtkommt. Wie viele Heckenpflanzen trägt auch der Liguster giftige Beeren – jedoch hauptsächlich, wenn die Hecke ungeschnitten bleibt. Diese sind durch ihre schwarze Farbe unauffällig und bitter im Geschmack.
Als wurzelnackte Ware ist der Liguster zudem besonders preisgünstig.

Eine Hecke muss nicht (immer)grün sein!

Das Foto zeigt eine dunkelgrün belaubte Weißdorn-Hecke.
Der sommergrüne, heimische Weißdorn hat geringe Ansprüche und bildet eine undurchdringliche Hecke aus.

Für Sichtschutz und Formhecken muss es nicht immer nur die immergrüne Hecke sein. Auch laubabwerfende Arten werden durch regelmäßigen Schnitt quasi blickdicht. Das jahreszeitliche Spiel von frischem Laubaustrieb, sattem Sommergrün, Herbstfärbung und eventuellem Blüten- und Fruchtbehang bietet zusätzlichen Reiz.

Robuste und ökologisch wertvolle Alternativen sind zum Beispiel:

  • Weißdorn (Crataegus monogyna) (Bilder Crataegus1 und Crataegus2)
  • Feldahorn (Acer campestre)
  • Kornelkirsche (Cornus mas) (Bild Cornus-Hecke und Bild Cornus-Blüte)
  • Hainbuche (Carpinus betulus) (Bild Carpinus-Hecke)

Grundlegende Pflanztipps für Heckenpflanzen

  • Beachten Sie die im Nachbarrecht festgelegten Grenzabstände. Maßgeblich ist die geplante Endhöhe der Hecke.
  • Stimmen Sie Standortverhältnisse mit den Ansprüchen der jeweiligen Pflanzen ab.
  • Qualität und Robustheit der Pflanzen sind entscheidend – nicht ein niedriger Preis
  • Verwenden Sie lieber kleinere, jüngere Pflanzen. Sie passen sich besser an den Standort an. So mindert sich das Risiko von Pflanzverlusten.
  • Wurzelnackte Pflanzen sind oft günstiger als Ballenware – Sie sparen etwa ein Drittel der Kosten.
  • Pflanzen Sie vorzugsweise im Herbst (November/Dezember).
  • Kontrollieren Sie gelegentlich die Feuchtigkeit der Wurzeln und wässern Sie bei Bedarf. Offener, durchlässiger Boden ermöglicht das Eindringen von Wasser; Mulch schützt vor Wintertrockenheit.
  • Schneiden Sie Hecken regelmäßig und von Beginn an, damit sie dicht wachsen.
Kontakt
Diehl,
Klaus
Beratungsstelle Mainz-Kastel
Wiesbadener Straße 99-103
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