Hessische Gartenakademie schafft neue Demonstrationsfläche für kommunales Grün
Naturnahes, klimaangepasstes Staudenbeet in Geisenheim angelegt
Wie kann städtisches Grün ästhetisch ansprechend, robust, pflegeleicht und gleichzeitig artenreich gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das vom Hessischen Landwirtschaftsministerium (HMLU) geförderte Projekt „Artenreiches Grün in (kleinen) Kommunen nachhaltig fördern und etablieren – durch Ausbildung von Biodiversitätslotsen und Anlage von Demonstrationsflächen“. Die zugrundeliegenden Konzepte konnten nun im Monrepos-Park in Geisenheim auf einer rund 60 qm großen Fläche praktisch erprobt werden, die von der Hochschule Geisenheim zur Verfügung gestellt wurde. Im Rahmen des Praxisseminars „Naturnahe und klimaangepasste Staudenbeete anlegen“ der Hessischen Gartenakademie (HGA) des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) ist ein neues Demonstrationsbeet entstanden. Anhand des Beets mit verschiedenen Staudenmischpflanzungen kann zukünftig veranschaulicht werden, worauf es bei der Pflanzenwahl ankommt, wie heimische Pflanzen in der Planung berücksichtigt werden können und wie sich solche Pflanzungen im Laufe der Zeit entwickeln.
Umsetzung im Seminar

Nach einem einführenden Theorieteil wurden die 15 Teilnehmenden – darunter Privatpersonen, Mitglieder von Initiativen und Mitarbeitende kommunaler Bauhöfe aus ganz Hessen – selbst aktiv. Da die standortgerechte Pflanzenwahl die wesentliche Grundlage für klimaangepasste Pflanzungen ist, mussten sie erst einmal gemeinsam untersuchen, welche Standortbedingungen vorliegen. Schnell wurde deutlich, dass sich das Beet in drei Bereiche mit unterschiedlichen Standortsituationen gliedert. Anschließend ging es darum, wie anhand dieser Kriterien die passenden Pflanzen ausgewählt und angeordnet werden können, um möglichst natürliche und optisch ansprechende Pflanzungen zu schaffen: Indem die Seminarteilnehmenden die Pflanzen nach funktionalen Gruppen wie Gerüstbildnern, Gruppenstauden und Bodendeckern angeordnet und eingepflanzt haben. Zum Abschluss wurden Geophyten (Pflanzen mit unterirdischen Zwiebeln oder Knollen), vor allem Frühblüher, gesteckt – wertvolle Nahrungsquellen für Insekten im zeitigen Frühjahr.
Vielfalt in Sonne und Schatten

Foto: © H. Heibel
Im sonnigen Abschnitt des Beetes kam die Staudenmischpflanzung „Präriesommer“ zum Einsatz. Die 22 trockenheitsverträglichen, überwiegend aus Nordamerika stammenden Arten, etwa Duftnessel, Minzblättrige Indianernessel und Scheinsonnenhut, werden ab nächstem Jahr für ein lebendiges Farbspiel von Frühsommer bis Herbst sorgen. Myrtenastern verlängern die Blühsaison bis in den Oktober, während Kleiner Krokus und Wilde Narzisse im Frühjahr erste Akzente setzen.

Im Anschluss an den sonnigen Abschnitt befindet sich ein Bereich, der im wandernden Schatten einer Winterlinde liegt. Hier gedeihen zahlreiche heimische Pflanzen für den sonnigen bis halbschattigen Gehölzrand, darunter die Thüringer Strauchpappel, die Nesselblättrige Glockenblume und das Tüpfel-Johanniskraut. Ergänzt wird die Pflanzung durch bodendeckende Arten wie die Zypressenwolfsmilch und die Großblütige Braunelle.
Auch für den dritten Teil des Beetes unmittelbar unter der Linde – ein oft als schwierig geltender Standort – eignen sich zahlreiche heimische Stauden wie etwa Maiglöckchen, verschiedene Storchschnabelarten und Mondviole. Letztere zieht besonders Nachtfalter an und ist somit auch für fledermausfreundliche Beete interessant. Im Frühjahr setzen Geophyten wie das zarte Busch-Windröschen und der farbenfrohe Gefingerte Lerchensporn frische Farbakzente und versorgen frühfliegende Insekten.

Kleinstrukturen für mehr Lebensraum
Neben der Pflanzung wurden stehendes Totholz und ein Sandarium als Kleinstrukturen eingebracht. Diese Sandfläche bietet bodennistenden Wildbienen und der im Rheingau verbreiteten Mauereidechse wertvolle Lebensräume. Seminarteilnehmerin Roja Heinrich-Norden zeigte sich begeistert: „Ich wollte schon lange ein Sandarium anlegen. Hier konnte ich in der Gruppe einfach loslegen.“ Auch auf die Materialwahl wurde geachtet. Es wurde ein ungewaschener Sand mit Lehmanteilen verwendet, damit die Niströhren der Wildbienen stabil bleiben.
Das neue Staudenbeet lädt nun zum Entdecken ein – für Kommunen, die sich Anregungen für eigene Pflanzprojekte holen möchten, ebenso wie für Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Monrepos-Park.
Sie sind an weiteren Seminaren zum Thema interessiert?
Die Hessische Gartenakademie bildet Biodiversitätslotsinnen und -lotsen aus!
Hier finden Sie weitere Informationen zum Kurs sowie eine Anmeldemöglichkeit:
Kurs „Nachhaltig Gärtnern“ (BU-D1): https://llh.hessen.de/veranstaltung/12304/
Kurs „Nachhaltig Gärtnern“ (BU-D2): https://llh.hessen.de/veranstaltung/12305/
