Kommunale Biodiversität erleben: Biodiversitätslotsen auf Exkursion in Geisenheim
Wie gelingt kommunaler Natur- und Artenschutz in der Praxis? Dieser Frage gingen angehende Biodiversitätslotsen bei zwei Exkursionen nach Geisenheim nach. Dort lernten sie anhand konkreter Beispiele, wie sich Klimaanpassung, Biodiversitätsförderung und nachhaltige Grünflächenpflege erfolgreich miteinander verbinden lassen. Der fachliche Austausch vor Ort förderte den Wissenstransfer zwischen den Teilnehmenden und stärkte zugleich die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg.
Die Exkursionen sind ein fester Bestandteil des Bildungsurlaubs der Hessischen Gartenakademie, in dem die Teilnehmenden zu Biodiversitätslotsen ausgebildet werden. Sie vermitteln Einblicke in unterschiedliche Konzepte der nachhaltigen Grünflächenpflege – vom Mahdmanagement und Sauberkeitsstreifen über den Spagat zwischen Verkehrssicherungspflicht und dem Erhalt ökologisch wertvoller Habitatbäume bis hin zu Maßnahmen zum Wasserrückhalt.
Unter der fachkundigen Leitung von Felix Engelmann vom städtischen Amt für Bauen und Umwelt erkundeten die insgesamt 28 Teilnehmenden der beiden Bildungsurlaubswochen die Geisenheimer Gemarkung.



Klimaanpassung, Artenschutz und Wasserrückhalt am Friedhof
Bei den Exkursionen im Juni 2026 wurde bereits am Parkplatz des neuen Friedhofs in Geisenheim deutlich, wie verschiedene Maßnahmen des Umwelt- und Artenschutzes ineinandergreifen und sich zu einem nachhaltigen Gesamtkonzept ergänzen. Vorgestellt wurden klimaangepasste Baumarten sowie der Erhalt von Alt- und Habitatbäumen als wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten. Darüber hinaus erläuterte Engelmann das nachhaltige Regenwassermanagement: Ein eigens angelegtes Sickerbecken nimmt das Oberflächenwasser des Parkplatzes auf, entlastet die Kanalisation sowie den angrenzenden Blaubach und fördert gleichzeitig die Grundwasserneubildung. So konnten die Teilnehmenden unmittelbar nachvollziehen, wie Klimaanpassung, Ressourcenschutz und Biodiversitätsförderung in der kommunalen Praxis miteinander verbunden werden.
Artenreiche Wiesen erhalten durch angepasstes Mahdmanagement
Im Mittelpunkt beider Exkursionen standen außerdem zwei botanische Besonderheiten der Region: die wildwachsenden Orchideenarten Bienen-Ragwurz und Bocks-Riemenzunge, die in der Geisenheimer Gemarkung in bemerkenswertem Maße gedeihen. An den extensiv bewirtschafteten Wiesen mit ihren Orchideenbeständen erläuterte Engelmann, wie ein an den Entwicklungszyklus der Pflanzen angepasstes Mahdmanagement zum Erhalt seltener Arten beiträgt. Die Flächen werden lediglich einmal jährlich gemäht. So bleiben sowohl die empfindlichen Blattrosetten der Orchideen, die sich im Herbst bilden, als auch wertvolle Lebensräume für zahlreiche Insektenarten erhalten.
Die Exkursionen zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig und wirkungsvoll kommunaler Umwelt- und Artenschutz in der Praxis umgesetzt werden kann. Die angehenden Biodiversitätslotsen nahmen zahlreiche Anregungen für ihre zukünftige Tätigkeit mit und zeigten sich begeistert von den praxisnah vermittelten Beispielen.
Die Hessische Gartenakademie und die Teilnehmenden bedanken sich herzlich bei der Hochschulstadt Geisenheim sowie bei Felix Engelmann für die fachlich fundierte Führung und die erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne des Natur- und Artenschutzes.