Warum blühen manche Pflanzen im Winter?

Im Winter sehen unsere Gärten oft grau und langweilig aus. Viele Bäume und Sträucher haben ihre Blätter verloren. Die bunten Blumen aus Sommer und Herbst sind verwelkt. Auch Bienen und Schmetterlinge sieht man kaum noch. Meist beobachten wir nur Vögel an den Futterhäuschen. Manchmal huscht auch ein Eichhörnchen vorbei, das aus seiner Winterruhe aufwacht und nach einer im Herbst vergrabenen Nuss sucht.

Das Foto zeigt mehrere weiße Schneeglöckchenblüten.
Schneeglöckchen blühen meist ab Ende Januar / Anfang Februar und gehören damit zu den ersten Frühjahrsboten. Ihre linsenförmigen Blüten bieten nektarsuchenden Insekten ein wärmendes Plätzchen.

Doch ab und zu entdecken wir selbst im Dezember oder Januar etwas Überraschendes: eine Blüte! Ein kleiner Farbtupfer im Garten, obwohl es doch Winter ist.

Haben sich die Pflanzen geirrt?

Eine Blüte im Winter – macht das überhaupt Sinn? Schließlich sind doch kaum Insekten unterwegs, die die Blüten bestäuben könnten. Hat sich die Pflanze vielleicht in der Jahreszeit geirrt?

Nein, meistens nicht. Auch im Winter gibt es an milden, sonnigen Tagen Insekten. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man zum Beispiel Mücken, Schwebfliegen, Hummeln, Pelzbienen oder sogar den Zitronenfalter, der Kälte recht gut verträgt.

Weil Pflanzen und Insekten eng zusammengehören, gibt es tatsächlich Pflanzen, die extra im Winter blühen. Sie versorgen die hungrigen Insekten mit Nahrung. Manche Pflanzen bieten sogar noch etwas Besonderes: einen warmen Platz zum Aufwärmen.

Ein warmes Plätzchen in der Blüte

Das Foto zeigt die länglichen Kätzchen-Blüten der Haselnuss. Im Hintergrund ist eine Schneelandschaft zu erkennen.
Männliche Blüte der Hasel: Die Hasel besitzt männliche und weibliche Blüten und ist ein typischer Windbestäuber, dessen Pollen bereits ab Jahresbeginn die Heuschnupfenzeit einläuten. Dieser Pollen dient aber auch Insekten als Nahrung, weshalb die männlichen Blüten von ihnen aufgesucht werden.

Aber wie können Blüten Wärme erzeugen? Das machen Pflanzen auf unterschiedliche Weise. Einige richten ihre Blüten zur Sonne aus, damit sie möglichst viel Wärme einfangen. In glockenförmigen oder linsenförmigen Blüten, wie zum Beispiel beim Schneeglöckchen, bleibt diese Wärme besonders lange erhalten.

Die bei uns heimische Stinkende Nieswurz hat einen ganz besonderen Trick: In ihrem Nektar leben Hefepilze. Diese vergären den Zucker im Nektar und erzeugen dabei Wärme.

So fühlen sich die Insekten wohl – und die Pflanze profitiert auch. Denn durch den Besuch wird sie bestäubt und kann Samen bilden. Im Winter hat sie außerdem einen Vorteil: Sie muss nicht mit vielen anderen Pflanzen um die Aufmerksamkeit der Insekten konkurrieren.

Blüten, die der Wind bestäubt

Im Winter und im frühen Frühling blühen auch Pflanzen, deren Blüten kaum auffallen. Vielleicht hast du schon einmal von Frühblühern gehört, besonders wenn du Heuschnupfen hast. Dazu gehören Bäume wie Haselnuss, Erle und Birke.

Diese Pflanzen brauchen keine bunten Blüten, denn sie werden vom Wind bestäubt – nicht von Insekten.

Für diese Bäume ist der Winter eine gute Zeit zum Blühen: Der Wind weht oft stärker, und es sind keine Blätter im Weg. So können die Pollen weit fliegen und viele andere Blüten erreichen – und können leider auch Heuschnupfen auslösen.

Doppelt hält besser!

Das Foto zeigt mehrere weiße, glockenförmige Blüten des Märzenbechers. Im Hintergrund sind Gebüschstrukturen zu erkennen.
Beim Märzenbecher erscheinen die Blüten, wie der Name andeutet, ab März. Damit blühen sie etwa einen Monat später als die ähnlich aussehenden Schneeglöckchen.

Manche Pflanzen gehen bei der Bestäubung auf Nummer sicher. Sie setzen nicht nur auf Insekten, sondern auch auf Wind- oder Selbstbestäubung. Insekten dürfen sie trotzdem gerne besuchen und ein wenig Nektar naschen – aber die Pflanze ist nicht unbedingt auf sie angewiesen.

Warum sind Winter- und Frühblüher so wichtig?

Vielleicht hast du schon gehört, dass es immer weniger Insekten gibt. Das ist ein großes Problem. Insekten sind sehr wichtig, denn sie stehen am Anfang der Nahrungskette. Viele Tiere wie Vögel, Frösche, Eidechsen, Igel, Spitzmäuse oder Fledermäuse brauchen sie zum Überleben.

Auch wir Menschen sind auf Insekten angewiesen. Ohne ihre Bestäubung gäbe es zum Beispiel kaum Obst!

Ein Grund für den Rückgang der Insekten sind Insektengifte. Außerdem gibt es immer weniger blühende Pflanzen in Gärten und Landschaften. Dagegen können wir etwas tun: Wir können Pflanzen wachsen lassen oder gezielt Blumen pflanzen, die Insekten Nahrung bieten!

Winter- und Frühblüher sind dabei besonders wichtig. Sie versorgen die ersten Insekten des Jahres mit Nahrung. Außerdem machen sie den Garten auch im Winter schöner.

Diese Pflanzen eignen sich für den Garten

Sträucher:
Kornelkirsche, Kätzchenweide, Winterjasmin, Winterblüte, Winterschneeball, Zaubernuss, Winterkirsche, Winterheckenkirsche

Stauden und Zwiebelpflanzen:
Winterheide, Christrose, Nieswurz, Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge, Märzenbecher, Blaustern, Narzissen und viele mehr



Mögliche Fragen für die Verwendung des Textes im Unterricht:

Verständnisfragen

  1. Wie sieht ein Garten im Winter meistens aus?
  2. Warum sind bunte Blüten im Winter etwas Besonderes?
  3. Welche Tiere kann man im auch im Winter im Garten beobachten?
  4. Warum denkt man zuerst, dass Winterblüten keinen Sinn machen?

Pflanzen und Insekten

  1. Welche Insekten können auch im Winter unterwegs sein?
  2. Warum blühen manche Pflanzen extra im Winter?
  3. Was bekommen die Insekten von den Winterblüten?
  4. Was hat die Pflanze davon, wenn Insekten sie besuchen?

Wärme in der Blüte

  1. Wie helfen Blüten den Insekten, sich aufzuwärmen?
  2. Was ist das Besondere an der Stinkenden Nieswurz?
  3. Warum bleibt die Wärme in glockenförmigen Blüten besonders gut erhalten?

Bestäubung durch den Wind

  1. Was bedeutet „Bestäubung“?
  2. Welche Pflanzen werden vom Wind bestäubt?
  3. Warum ist der Winter für manche Pflanzen eine gute Zeit zum Blühen?
  4. Was haben diese windbestäubenden Pflanzen mit Heuschnupfen zu tun?

Wichtigkeit für Natur und Mensch

  1. Warum sind Insekten so wichtig für andere Tiere?
  2. Warum brauchen wir Menschen Insekten?
  3. Warum gibt es heute weniger Insekten als früher?
  4. Wie können wir Insekten im Garten helfen?

Zum Nachdenken

  1. Warum sind Winter- und Frühblüher besonders wichtig?
  2. Welche Winter- oder Frühblüher kennst du bereits?
  3. Welche Pflanze würdest du gern in deinem Garten oder auf dem Schulhof pflanzen – und warum?
Kontakt
Diehl,
Klaus
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