Kirschenernte im Frühherbst?

Derzeit leuchten in Parks, Gärten und Hecken kleine, ovale Früchte, die wie Kirschen aussehen – aber keine sind. Viele probieren sie nicht, aus Sorge, sie könnten giftig sein. Wer es wagt, merkt schnell: ganz schön sauer!

Blick in den Strauch, an dem viele rote, reife Kornelkirschen hängen.
Ab August reifen Kornelkirschen am Baum – je nach Sorte bis in den September hinein

Es handelt sich um die Kornelkirsche (Cornus mas). Sie gehört zu den Hartriegelgewächsen und nicht zu den Rosengewächsen wie etwa die echte Kirsche. Regional trägt sie viele Namen: Herlitze, Dirlitze, Kornelle, Welsche Kirsche oder – in Bayern und Österreich am bekanntesten – Dirndl, aus der der berühmte Dirndlschnaps entsteht. Sie ist vom Kaukasus über die Türkei und den Balkan bis nach Italien und Frankreich beheimatet; in Deutschland wächst sie wild in Teilen Süd- und Westdeutschlands. Neben der Wildform gibt es Zuchtsorten wie Jolico, Kasanlaker oder Schönbrunner Gourmet Dirndl, die größere und aromatischere Früchte ausbilden, sich durch eine gleichmäßigere Reife und unterschiedliche Reifezeiten auszeichnen, sowie vom Wuchs her meist niedriger bleiben. Über osteuropäische Baumschulen sind eine Vielzahl weiterer Sorten aus Polen, der Ukraine oder Russland erhältlich.

Kornelkirschen werden vor allem zu Edelbränden, Saft und Gelee verarbeitet. In ihren Herkunftsländern kennt man auch andere Verwendungen, z. B. als in Salzlake eingelegte „Oliven“.

Wildobst mit Geschichte, Geschmack und vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten

Schon Hildegard von Bingen schätzte ihre Heilwirkung, weshalb sie oft in Klostergärten stand. Ihr extrem hartes Holz nutzte man früher für Zahnräder, Werkzeuge, Messergriffe und Drechselarbeiten; die Rinde diente zum Gerben.

Nahaufnahme einer gelben Blüte der Kornelkirsche vor dunklem Hintergrund
Kornelkirschen blühen bereits im März / April – sogar vor der Forsythie

Die Kornelkirsche ist nicht nur kulinarisch, sondern auch ökologisch wertvoll. Sie blüht bereits im Februar bis April und bietet Wild- und Honigbienen früh Nektar und Pollen – und ist somit viel nützlicher als Forsythie oder Zaubernuss, die zeitgleich blühen. Die Früchte sind Nahrung für Vögel und sonstige Gartentiere. Sie wächst langsam, ist sehr schnittverträglich und vielseitig einsetzbar – als (geschnittene sowie freiwachsende) Hecke, Strauch oder Kleinbaum. Auf Streuobstwiesen kann sie Biodiversität und Wirtschaftlichkeit steigern, da sie ein Magnet für Bestäubungsinsekten darstellt und darüber hinaus kaum krankheits- oder schädlingsanfällig ist und relativ ungern von Wild verbissen wird.

Für Kommunen ist sie eine pflegeleichte Alternative zu Obstbäumen, die auf Ausgleichsflächen oft aufgrund unzureichender Pflege früh ausfallen. Besonders interessant macht sie, abgesehen vom hohen Biodiversitätswert, ihre Trockenheits- und Hitzetoleranz, die Frostresistenz der Blüten und Anspruchslosigkeit – ein Gehölz, das dem Klimawandel trotzt.

Schüssel mit unterschiedlich reifen, roten Kornelkirschen
Geerntete Kornelkirschen mit teilweise unterschiedlichem Reifegrad

Die Ernte erfordert Geduld: Wildformen reifen über mehrere Tage, Zuchtsorten meist gleichmäßiger. Reif sind die Früchte, wenn sie dunkelrot und süß sind, kurz bevor sie abfallen. Am besten fängt man sie mit Netzen oder ausgelegten Laken auf und friert zwischenzeitlich gesammelte Früchte ein. Starkes Schütteln oder gar Abschlagen sollte man vermeiden, da Blütenknospen schon im Herbst angelegt werden.

Vorsicht bei Ernte und Schnitt: Die Blätter tragen eine Kalkschicht, die auf Händen und Armen leichte Hautreizungen verursachen kann.

Das Leckere zum Schluss: Kornelkirschen-Fruchtaufstrich mit Apfel-, Birnen- oder Quittenstückchen

Zutaten:

Zwei Miniaturfiguren sitzen auf einem mit Fruchtaufstrich beschmierten Brot. Dahinter ist ein roter reifer Apfel sowie ein Glas mit rotem Fruchtaufstrich zu sehen.
Fruchtaufstriche aus Kornelkirschen sind weniger süß
  • 1200 ml Kornelkirschsaft
  • 0,5 kg Gelierzucker 3:1
  • 1 – 2 Äpfel, Birnen oder Quitten
  • 1 – 2 EL Zucker
  • Zitronensaft
  • Ggf. Gewürze (z. B. Glühweingewürzmischung für weihnachtliche Fruchtaufstriche)

Äpfel, Birnen, Quitten in kleine Stückchen schneiden, mit etwas Zitronensaft durchmischen, damit sie nicht braun werden, zuckern und im Kühlschrank über Nacht zwischenlagern.

Die Kornelkirschensaft mit dem Gelierzucker durchmischen und unter Rühren zum Kochen bringen. Die gezuckerten Fruchtstückchen hinzufügen, ebenso bei Bedarf die Gewürze.

Bei starker Hitze das Ganze ca. 2 – 3 Minuten sprudelnd kochen lassen und ggf. den Schaum abschöpfen und eine Gelierprobe machen. Den Fruchtaufstrich in die Gläser abfüllen und verschließen.

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