Grundsätze der Humuswirtschaft zur guten fachlichen Praxis der ackerbaulichen Bodennutzung

(§ 17 BBodSchG)
Humus, Humusgehalt

Was ist Humus?

Wappenkranz mit im Kreis angeordneten Landeswappen der Landesanstalten und Landesämter für Landwirtschaft

Der Begriff Humus wird als Synonym für die Gesamt­heit der abgestorbenen organischen Substanz im Boden ver­wendet. Humus ist ein komplexes Stoffge­misch pflanzli­cher, tierischer und mikrobieller Her­kunft, das permanen­ten Ab- und Umbauprozessen unterliegt. Der Begriff ‚Humus‘ ist kein geschützter Markenname und wird oft und kreativ als Handels-(bei)name im Düngemittelhandel genutzt.

Bodenhumus wird traditionell in Dauer­- und Nährhu­mus unterteilt. Dauerhumus ist an minerali­sche Bo­denpartikel (Feinanteil = Ton + Schlufffraktionen) ge­bunden und wird nur sehr lang­sam um­ge­setzt. Diese weitge­hend stabile Humusfraktion wird primär durch das Aus­gangssubstrat der Bodenbildung sowie die natürlichen Standortbedin­gungen (Boden­art, Klima, Grundwas­ser) geprägt. Der umsetzbare Anteil des Bodenhumus wird als Nährhumus bezeich­net. Dieser Humusfrak­tion wer­den die leicht ab­bauba­ren organischen Mate­rialien aus pflanzlichen Ernte- und Wurzelrückstän­den, Wirtschafts­düngern und mik­robieller Biomasse zugerechnet. Nähr­humus kann di­rekt durch Bewirt­schaftungsmaßnahmen (organisch-minerali­sche Dün­gung, Fruchtart, Bodenbe­arbei­tung) be­einflusst werden.

Abb. 1: Entwicklung von Dauer- und Nährhumus in der Ackerkrume eines grundwasserfernen, schwach lehmigen diluvialen Sandbodens (Groß Kreutz/ Brandenburg, 1967-2018)
Abb. 1: Entwicklung von Dauer- und Nährhumus in der Ackerkrume eines grundwasserfernen, schwach lehmigen diluvialen Sandbodens (Groß Kreutz/ Brandenburg, 1967-2018)

Beide Humusfraktionen sind nicht scharf voneinander trennbar; ihre Übergänge sind fließend. Es gibt Ansätze, die Fraktionen getrennt voneinander analy­tisch abzu­schätzen. Zudem kann aus Dauerfeldver­suchen im Er­gebnis von langjährigem Düngungsver­zicht auf den Dau­erhumusvorrat und im Vergleich zu z.B. langjähriger standortoptimaler orga­nisch-minera­lischer Düngung auf den Nährhumusvor­rat geschlos­sen werden (Abb. 1).

Humus und Bodenfruchtbarkeit

Die Humusversorgung des Bodens ist ein übergeord­netes Bodenfruchtbarkeitsmerkmal, da sie neben der un­mittelbaren Ertragswirkung eine Vielzahl wichtiger physi­kalischer (Abb. 2), chemischer und biologischer Boden­eigenschaften sowie den Kohlen- und Stick­stoffkreislauf des Bodens direkt oder indirekt positiv beein­flusst.

Abb. 2: Einfluss von Humusversorgung und physikalischen Bodeneigenschaften in der Ackerkrume auf den Ertrag (KOLBE & ZIMMER 2015)
Abb. 2: Einfluss von Humusversorgung und physikalischen Bodeneigenschaften in der Ackerkrume auf den Ertrag (Kolbe & Zimmer 2015)

Die Humusreproduktion ist Indikator und Bewertungskri­terium der guten fachlichen Praxis der landwirtschaftli­chen Bodennutzung und damit wesentliches Kriterium einer nachhaltigen Sicherung der Fruchtbar­keit und Leistungsfähigkeit des Bodens als natürliche Ressource (§ 17 BBodSchG).

Die Einschätzung der Humusversorgung kann anhand von Bodenuntersuchungen und Humusbilanzierungen vorgenommen werden.

Humusgehalt

Die Bestimmung des Humusgehaltes erfolgt durch die Entnahme von Bodenproben und deren Unter­suchung im Labor. Labormethoden sind die Ele­mentaranalyse (DIN EN 15936) sowie die Bestimmung des Glühver­lustes (DIN EN 15935).

Organischer Kohlenstoff (Corg) ist der wichtigste Bestand­teil der organischen Bodensubstanz. Im Boden kommt Kohlenstoff auch in anorganischer Form als Carbonat (CCarbonat) vor. Im Labor wird der Gesamt-Kohlenstoffge­halt (Ct) und bei carbonathal­tigen Böden (CaCO3 > 3 %) zusätzlich der CCarbonat-Gehalt (DIN EN ISO 10693) be­stimmt. Der Gehalt an organischem Kohlenstoff wird dann per Differenz­bildung berechnet (Corg = Ct – CCarbonat). Für kalkfreie Böden wird verein­facht unterstellt, dass der Ct-Gehalt dem Corg-Gehalt entspricht (Ct = Corg).

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass der Koh­lenstoffanteil im Humus ca. 58 % beträgt und mit einem Faktor von 1,72 berechnet wer­den kann (Humusgehalt = Corg x 1,72). Angaben in der Literatur weisen jedoch auf einen enormen Schwankungsbe­reich dieses Faktors hin (u.a. Prybil 2010), weshalb seine praktische Nut­zung zur Umsetzung der guten fachlichen Praxis der landwirt­schaftlichen Bodennut­zung (§ 17 BBodSchG) nicht emp­fohlen wer­den kann (Zimmer et al. 2015). Vorzugsweise sollten Humus­untersuchun­gen entweder direkt den orga­ni­schen Kohlen­stoff (Corg) oder bei kalkfreien Böden den Ge­samt-Kohlenstoff (Ct) be­stimmen und angeben. Alter­nativ kann bei sandigen Böden und Moorböden mit niedri­gen Tongehal­ten der Gehalt an organischer Bodensub­stanz (OBS) durch Bestimmung des Glühverlustes abge­schätzt wer­den. Auf Grund der besseren Ver­gleich­barkeit zu frühe­ren Untersuchun­gen ist dies ins­beson­dere bei Standorten sinnvoll, für die bereits langjäh­rige Untersu­chungszeitrei­hen vor­liegen.

In Ackerböden sind sehr unterschiedliche Gehalte an or­ganischem Kohlenstoff anzutreffen (Tab. 1). Diese Vari­ation ist das Ergebnis der Wirkung einer Vielzahl von Standort- und Bewirtschaftungsfaktoren. Hierzu zählen:

  • das geologische Ausgangssubstrat der Boden­bildung
  • die Bodentextur (Feinanteil < 6 µm)
  • das Klima
  • das Grund- und Stauwasser
  • das Anbauverhältnis der Kulturarten (Fruchtfolge)
  • die Art und Intensität der Bewirtschaftung (Düngung, Kalkung, Bodenbearbeitung etc.).

Tabelle 1:   Corg-Gehalte in der Ackerkrume von Acker­böden in Deutschland (Kolbe & Zimmer 2015)

  Bodengruppe  Bodenart  Tongehalt [%]  Corg [%]
MWMin-Max
  1  S  < 5  1,3  0,2 – 7,6
  2  l‘S  5 – 12  1,2  0,4 – 3,8
  3  lS  12 – 17  1,5  0,7 – 3,8
  4  sL, uL  17 – 25  1,5  0,6 – 4,6
  5  t’L, tL, lT, T  > 25  1,9  0,7 – 5,1

In Auswertung von ca. 240 mitteleuropäischen Dauerver­suchen nimmt Kolbe (2012) die folgende Gewichtung der Einflussfaktoren vor:

  • Klima: > 50 %
  • Bodeneigenschaften: 20 – 30 %
  • Bodenbewirtschaftung (Fruchtfolge, Düngung, Bodenbearbeitung etc.): 5 – 30 %.

Darüber hinaus beeinflussen kleinräumige Bodenunter­schiede, Schwankungen während der Vegetations­zeit und zwischen den Jahren sowie La­bor- und Probenah­mefehler die Variation gemessener Humus­gehalte be­trächtlich. Diese Streuungen können bis zu 30 % betra­gen. Hinzu kommt, dass sich auch jahr­zehntelang zurück­liegende nicht ackerbauliche Bo­dennutzungen (Wald, Grünland), Entwässerungs­maß­nahmen (Drainierung) und andere Vorbewirt­schaf­tungsänderungen im Humus­gehalt wiederfinden.

Die Wirkung ackerbaulicher Maßnahmen ist begrenzt. Die jährlich zu erwartenden Änderungen betragen we­niger als 0,1 % Corg. Veränderungen des Humusge­hal­tes sind mit nur einer Bodenuntersuchung weder mess- noch bewert­bar. Auch bei jährlich wiederholten Beprobungen kann auf Grund der beträchtlichen Vari­ation und Schwan­kungs­breite ein Trend erst nach mindestens zehn Jahren und bei vierjährigem Untersu­chungsturnus erst nach min­des­tens zwanzig Jahren einigermaßen sicher erkannt werden (Kolbe & Zimmer 2015). Andernfalls be­steht ein hohes Risiko zur Fehl­interpretation (siehe rote Pfeilmar­kierun­gen in Abb. 3).

Abb. 3: Entwicklung des Humusgehalts in der Ackerkrume eines grundwasserfernen, schwach lehmigen diluvialen Sandbodens (Groß Kreutz/ Brandenburg, 1967-2018)
Abb. 3: Entwicklung des Humusgehalts in der Ackerkrume eines grundwasserfernen, schwach lehmigen diluvialen Sandbodens (Groß Kreutz/ Brandenburg, 1967-2018)

Der Einfluss ackerbaulicher Bewirtschaftung auf die Hu­musversorgung kann nicht direkt aus Bodenuntersuchun­gen und Richtwerten abgeleitet werden. Hierzu sind ge­eignete Humusbilanzmethoden erforderlich, da sie im Vergleich zur Bodenuntersuchung den Einfluss der Be­wirtschaftung deutlich sensibler abbilden (Kör­schens 2010). Dennoch ist die Kenntnis der Humusgeh­alte wich­tig (Tab. 2), um in Kombination mit der Humusbilan­zie­rung beur­teilen zu können, welche konkre­ten Maß­nah­men und Ver­fahren der ackerbaulichen Bo­dennut­zung zu empfeh­len sind.

Problematisch ist die Einschätzung von Bewirtschaf­tungseinflüssen auf grundwasser- und staunässebeein­flusste Ackerböden, da hierzu kaum Ver­suchser­gebnisse vorliegen. Auf einem stark grundwas­serbeein­flussten mit­tel-humosen Staugley in Kittendorf (Mecklen­burg-Vor­pommern) blieben z.B. extrem unter­schiedliche Frucht­folgen ohne Auswirkungen auf den Humusgehalt in der Ackerkrume.

Für quantitative Aussagen zu Humusver­änderungen ist es zudem erforderlich, Humus­vorräte zu berechnen. Dies setzt die Bestimmung der Bodenlage­rungsdichte voraus (DIN 18121-2). Hierzu nachfolgendes Berechnungsbei­spiel für den Humusvor­rat in der Acker­krume (0-30 cm):

Tiefe der Bodenprobenahme: 30 cm
Humusgehalt: 1,2 % Corg
Lagerungsdichte: 1,57 g cm-3
Humusvorrat = 30 * 1,2 * 1,57* = 56,5 t Corg ha-1

Zu berücksichtigen ist, dass auch die Bodenlagerungs­dichte kleinräumig enormen Schwankungen unterliegen kann.

Tabelle 2: Orientierungswerte für den Humusgehalt in der Ackerkrume grundwasserferner diluvialer Ackerböden (nach KÖRSCHENS & SCHULZ 1999, ergänzt und aktualisiert)

BodengruppeBodenartTongehalt [%]Corg [%]OBS [%]
1S≤ 50,5 – 0,71,7 – 2,0
2l‘S<80,5 – 0,91,7 – 2,5
  8 – 170,7 – 1,32,0 – 3,0
3lS8 – 170,7 – 1,32,0 – 3,0
  17 – 251,3 – 1,63,0 – 3,9
4sL, uL< 80,5 – 0,91,7 – 2,5
  8 – 170,7 – 1,32,0 – 3,0
  17 – 251,3 – 1,63,0 – 3,9
5t’L, tL,> 25> 1,6> 3,9
 lT, T   

Tabelle 3: Standorttypische Humusgehalte in der Ackerkrume von Ackerböden in Bayern (CAPRIEL 2012) 

BodengruppeBodenartTongehalt [%]Höhenlage [NHN]Corg [%]
1, 2S, l’S≤ 12< 3500,7 – 1,4
   350 – 5500,8 – 1,6
3,4lS, sL,12 – 25< 3501,0 – 1,5
 uL 350 – 5501,1 – 2,1
   > 5501,5 – 2,6
5t’L, tL,> 25< 3501,2 – 2,1
 IT 350 – 5501,3 – 2,6
   > 5502,3 – 3,8

 

Literatur

BBodSchG: Bundes-Bodenschutzgesetz vom 17. März 1998. BGBl. I S. 502. Zuletzt geändert durch Art. 3 Abs. 3 V v. 27.09.2017 I 3465.

Capriel P. (2012): Standorttypische Humusgehalte von Ackerböden in Bayern. Schriftenreihe LfL Bayern 05/2010. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.). 3 Auf­lage 2012. 45 S.

DIN 18121-2 (2012): Baugrund, Untersuchung von Bodenproben – Wassergehalt – Teil 2: Bestimmung durch Schnellverfahren. Beuth Verlag. Berlin.

DIN EN 15935 (2012): Schlamm, behandelter Bioabfall, Boden und Abfall – Bestimmung des Glühverlusts. Beuth Verlag. Berlin.

DIN EN 15936 (2012): Schlamm, behandelter Bioabfall, Boden und Abfall – Bestimmung des gesamten organischen Kohlenstoffs (TOC) mittels trockener Verbrennung. Beuth Verlag. Berlin.

DIN EN ISO 10693 (2014): Bodenbeschaffenheit – Bestimmung des Car­bonatgehaltes – Volumetrisches Verfahren. Beuth Verlag. Berlin.

Kolbe H. (2012): Bilanzierungsmethoden und Versorgungsniveau für Humus. Schriftenreihe LfULG Sachsen 19/2012. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.). 85 S.

Kolbe H. & J. Zimmer (2015): Leitfaden zur Humus­versorgung – Infor­mationen für Praxis, Beratung und Schulung. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.). Dresden. 60 S.

Körschens M. (2010): Der organische Kohlenstoff im Boden (Corg) – Bedeutung, Bestimmung, Bewertung. Arch. Agron. Soil Sci. 56: 375-392

Körschens M. & E. Schulz (1999): Die organische Bodensubstanz, Dynamik-Reproduktion – ökonomisch und ökologisch begründete Richtwerte. UZF-Bericht 13/1999. Leipzig-Halle. 46 S.

Prybil D.W. (2010): A critical review of the conventional SOC to SOM conversion factor. Geoderma 156: 75-83

Zimmer J., A. Bauriegel & B. Kroschewski (2015): Kohlenstoff * 1,72 = Humus? VDLUFA-Schriftenreihe 71/2015. VDLUFA-Verlag. Darmstadt: 266-273

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