Mehr Hülsenfrüchte aus der Region – Anbau, Vermarktung, Perspektiven

Ackerbohne, Soja und Co. haben viel zu bieten! Sie liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, kommen ohne mineralischen Stickstoffdünger aus, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und lockern Fruchtfolgen auf. Leguminosen sind eine wichtige regionale Alternative zu importierten Proteinträgern.

In Hessen ist der Anbau von Körnerleguminosen seit 2013 – mit Beginn der landeseigenen Eiweißinitiative und den weiteren Fördermaßnahmen – von rund 3.000 ha auf 15.000 ha im letzten Jahr gestiegen. Somit auf das Fünffache!

Körnerleguminosen lassen sich auf vielfältige Weise in der Tierfütterung nutzen, wodurch sich der Zukauf von importierten Sojabohnen reduzieren lässt. Während Körnerleguminosen bisher vorwiegend zur Tierfütterung im eigenen Betrieb eingesetzt wurden, wächst seit einigen Jahren zudem das Interesse an heimischen pflanzlichen Proteinquellen für die Humanernährung. Denn Verbraucherinnen und Verbraucher betrachten proteinreiche Hülsenfrüchte häufiger als mögliche Alternative zu tierischen Lebensmitteln. Dieser Trend eröffnet neue Vermarktungsperspektiven für Hülsenfrüchte aus regionalem Anbau. Von Seiten der Lebensmittelproduzenten wird vermehrt heimische, regionale Rohware nachgefragt, wobei sich dafür auch noch neue Verarbeitungsstrukturen entwickeln müssen. Neben geeigneten Vermarktungsstrukturen fehlt es jedoch häufig an ausreichenden Mengen, Qualitäten oder dem notwendigen anbautechnischen Know-how, um den Anforderungen der Lebensmittelproduktion gerecht zu werden.

Zudem wächst das Interesse an den sogenannten Nischenkulturen, zu denen beispielsweise die Linse oder die Kichererbse zählen. Im Zuge des Klimawandels rücken gerade diese wärme- und hitzetoleranten Kulturen stärker in den Fokus, da sie Teil einer an das Klima angepassten und ressourcenschonenden Pflanzenproduktion sein können. Somit lassen sich hier für einen regionalen Anbau neue Perspektiven in den Bereichen Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung erschließen.

Zur Frage der Anbaueignung trockentoleranter und wärmeliebender Leguminosen hat der LLH auf dem Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach einen Versuch mit ausgewählten Körnerleguminosen gestartet. An dem Standort in der Wetterau wird untersucht, wie die Kulturen Linse, Kichererbse (Desi- und Kabuli-Typen), Schwarze Trockenbohne, Kidneybohne, Weiße Lupine, Soja und Erdnuss wachsen und welche Perspektiven sich daraus für den Anbau in der Region ergeben können.

Neben dem Anbau besteht die Herausforderung oft darin, dass es noch an Aufbereitungs- und Verarbeitungsstrukturen mangelt, um regional erzeugte Körnerleguminosen in ausreichender Qualität auf dem Markt anbieten zu können. Hier hat sich die Landesregierung zum Ziel gesetzt, den Aufbau regionaler Verarbeitungskapazitäten beziehungsweise die Entwicklung neuer innovativer Vermarktungswege zu unterstützen. Mit dem Projekt „Hessen schmecken – mehr Heimat auf dem Teller“ des Hessischen Landwirtschaftsministeriums (HMLU) hat die Landesregierung eine neue Förderstrategie auf den Weg gebracht, die solche Entwicklungen unterstützen soll.

Hessischer Leguminosentag 2026: Herausforderungen und Perspektiven entlang der Wertschöpfungskette

Auf dem diesjährigen Hessischen Leguminosentag greifen wir genau diese Themen rund um die Wertschöpfungskette mit Körnerleguminosen auf und diskutieren, welche Herausforderungen sich beim Anbau – von der Ackerbohne bis zu bisher noch selten angebauten Kulturen wie Linsen oder Kichererbsen – ergeben, welche Entwicklungen sich für die regionale Vermarktung abzeichnen und welche Perspektiven sich für Hessen aufzeigen.

Dazu veranstaltet der LLH im Rahmen der Hessischen Eiweißpflanzeninitiative gemeinsam mit dem Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein (FLV) am 24. Juni 2026 einen breit gefächerten Feldtag in Ober-Erlenbach. Neben interessanten Vorträgen zum Anbau und zur Vermarktung verschiedener Körnerleguminosen haben wir ein umfassendes Programm mit zwei Feldbegehungen erstellt. Dabei werden mehrere Demonstrations- und Versuchsflächen mit Körnerleguminosen zu besichtigen sein. Während am Vormittag vor allem Acker- und Sojabohne im Mittelpunkt stehen, sind es am Nachmittag vor allem Nischenkulturen wie Kichererbse, Linse und Trockenbohne.

Das Programm richtet sich an Landwirtinnen und Landwirte sowie an alle Interessierten aus der Wertschöpfungskette von Körnerleguminosen und aus der Fachberatung.

Zum Programm und zur Anmeldung

Kontakte
>> Alle Kontakte anzeigen