Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach testet Anbau von Erdnuss, Kichererbse & Co.

Mit dem Klimawandel steigt das Risiko für Ernteverluste durch Extremwetterereignisse – deshalb ist Risikostreuung wichtiger denn je. Eine Möglichkeit ist der Anbau von Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen an das Klima.

Aber welche Kulturen können mit den Herausforderungen des Klimawandels besser umgehen? Welche Nischenkulturen wachsen bei uns und gibt es für sie auch Absatzmöglichkeiten?

Versuchsaufbau bei Feldbegehung vorgestellt

Vor diesem Hintergrund hat der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) auf dem Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach in diesem Jahr einen Anbauversuch mit ausgewählten, trockenheits- und hitzetoleranten Körnerleguminosen gestartet. Lupine, Sojabohne (die bereits heimisch sind), aber auch Kichererbse, Trockenbohne und Erdnuss werden in der Wetterau auf ihre Anbauwürdigkeit getestet. Neben dem Vergleich der Ertrags- und Qualitätsparameter soll auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgeführt werden.

Anfang August stellten Dr. Andreas Hammelehle, Leiter des Öko-Versuchsfelds in Ober-Erlenbach, und Julian Ingenbleek, Regionalmanager im LeguNet, beide vom LLH, die zum Teil neuen Kulturen bei einer Feldbegehung vor und erläuterten die Hintergründe und Ziele des Versuchs. Dr. Klaus Fleißner von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Bayern, der bereits seit vielen Jahren Erfahrungen im Anbau von wärmeliebenden Kulturarten sammeln konnte, brachte seine Expertise ein. Dr. Fleißner bearbeitet an der LfL das Projekt „Future Crops“, das die Anbaueignung von wärmeliebenden Kulturen vor dem Hintergrund von Klimaanpassung und Diversität untersucht.

Als Referenzpflanze für den Versuch dient die Sojabohne, da sie:

  • durch züchterische Bearbeitung gut angepasst ist,
  • eine hohe Selbstverträglichkeit aufweist,
  • sowohl trockene als auch feuchte Witterungsbedingungen gut verträgt,
  • zuverlässig heimisches Protein liefert, das zudem eine hohe Eiweißqualität aufweist.

Die weiße Lupine hat sich in den letzten Jahren – nicht zuletzt aufgrund der Züchtung anthraknosetoleranter Sorten – als ertragsstabil und wieder anbauwürdig gezeigt. Ihre proteinreichen Körner können sowohl in der Tierfütterung als auch in der Humanernährung genutzt werden.

Eine höhere Trockenheitstoleranz wird insbesondere der Kichererbse, der Trockenbohne und der Erdnuss nachgesagt. Hinzukommt die steigende Nachfrage nach regionaler Ware bei Kichererbsen.

In Zeiten des Klimawandels und mit den steigenden Wärmesummen werden die Ansprüche dieser Kulturen in Ober-Erlenbach (Bodenklimaraum 121, welcher noch mit zur Rheinebene und Nebentäler zählt) zunehmend erfüllt. Alle Kulturen wurden mit einen Reihenabstand von 37,5 cm mit praxisüblicher Technik ausgesät.

Erste Eindrücke von den neuen Kulturen

Trockenbohne

Dichter, grüner Trockenbohnenbestand im Feld, der HImmel ist blau
Trockenbohnen bilden einen sehr dichten Bestand

Die Trockenbohne (Phaseolus vulgaris L.) stammt ursprünglich aus Südamerika und gehört zur Gattung der Phaseolus-Bohne, die vorwiegend als „Grüne Bohne“ oder „Buschbohne“ bekannt ist. Die Trockenbohne ist der ausgereifte Samen der Phaseolus-Bohne, der für die menschliche Ernährung genutzt wird. Es gibt vielfältigste Sorten und Geschmacksrichtungen von der Trockenbohne. Für den Anbau in Deutschland hat sich unter anderem die schwarze Trockenbohne „Black Turtle“ bewährt.

Trockenbohnenpflanze mit vielen länglichen Schoten
Diese Trockenbohnen haben reichlich Früchte angesetzt

Da die Trockenbohne sehr frostempfindlich ist, wurde sie am Versuchsstandort erst Mitte Mai ausgesät und zum Schutz vor Tauben und Krähen mit Vlies abgedeckt. Ausgesät wurden 60 keimfähige Körner/m² auf eine Tiefe von 4 cm, was ein Blindstriegeln ermöglicht. Der Bestand, der nach dem Auflaufen zweimal gestriegelt und einmal gehackt wurde, hat sich insgesamt sehr gut entwickelt. Geerntet wird mit einem herkömmlichen Mähdrescher. Herausfordernd bei der Einstellung des Mähdreschers können die teilweise tiefhängenden Hülsen sein. Daher ist ein ebenes, steinfreies Saatbeet anzustreben. Die Trockenbohne ist anfällig für Bruchkorn, deshalb sollte sie ggf. bei höherem Feuchtegehalt gedroschen und ggf. nachgetrocknet werden. Nach Einschätzung der Experten liegt bei optimalen Standortbedingungen das Ertragspotenzial bei 25 bis 30 dt/ha. Ausführliche Informationen zum Anbau von Trockenbohnen finden Sie auf der Seite des Legunet. Die Trockenbohne hat kein klares Wachstumsende (indeterminierender Wuchs) und kann daher in feuchten Jahren immer weiter Blüten bilden. Dies erschwert die Ernte und die Festlegung des Erntezeitpunkts, da die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt noch grün sind und neben vollkommen ausgereiften Körnern noch grüne (unreife) vorhanden sein können.

Erdnuss

Ausgegrabene Erdnusspflanze mit kleinen gelben Blüten
Erdnusspflanze mit kleinen gelben Blüten

Die Erdnuss (Arachis hypogaea) hat die Besonderheit, dass ihre Früchte nach der oberirdischen Blüte im Boden heranwachsen. Sie wird hauptsächlich in China, Indien und den USA angebaut. Für die Erdnusspflanze sind sandige Lehme mit einem pH-Wert von 6,5 bis 7,5 gut geeignet. Zu schwere Böden erwärmen sich im Frühjahr langsamer, wodurch sich die Ernte weiter in den Herbst verschiebt. Außerdem erschweren sie die mechanische Ernte der Erdnüsse.

Geeignetes Saatgut und Bezugsquellen zu finden, ist aktuell noch eine Herausforderung. Die Keimfähigkeit des verfügbaren Saatguts kann sortenabhängig sehr schlecht sein. Nach Aussage von Dr. Fleißner verbessert sich die Keimfähigkeit durch eine eigene Vermehrung. Um ein optimales und zügiges Auflaufen zu gewährleisten, sollte die Aussaat erst erfolgen, wenn die Bodentemperatur im Tagesverlauf nicht mehr unter 18°C abfällt. Durch eine Vließabdeckung kann die Aussaat etwas verfrüht werden.

Wurzeln einer ausgegrabenen Erdnusspflanze
Nach der Befruchtung wachsen die Fruchtstiele in den Boden, wo sich die Erdnüsse entwickeln

Kichererbse

Die Kichererbse (Cicer arietinum) kann an wärmeren und trocknen Standorten angebaut werden. Sie wird bereits in Hessen z. B. im Hessischen Ried angebaut. Trotz steigender Nachfrage nach regionaler Ware müssen zuvor die Vermarktungswege geklärt werden.

Kichererbsenpflanze mit teils grünen und teils braunen Schoten im Feld
Die Kichererbse wächst indeterminiert, d. h. sie kann während der gesamten Wachstumsperiode immer wieder Blüten bilden, wodurch es zu einer unterschiedlichen Abreife kommen kann

Von der Kichererbse gibt es im Wesentlichen die beiden Typen Desi und Kabuli. Der Kabuli-Typ ist der hierzulande bekannte Typ mit weißer Blüte und hellen, rundlichen und großkörnigen Samen. Aufgrund seiner Bekanntheit lässt sich er sich bisher besser vermarkten. Praktiker berichten jedoch, dass sich der höher wachsende Desi-Typ, mit violetter Blüte und kleineren dunklen kantigen Samen einfacher anbauen und dreschen lässt. Gerade verzweigende Sorten des Desi-Typs schließen schneller den Bestand und unterdrücken somit das Unkraut besser. Ihr höherer Hülsenansatz erleichtert zudem die Ernte.

Im Versuch wurde der Kabuli-Typ ausgewählt. Die Kichererbsen wurden – wie die Sojabohnen – bei einer Tagesdurchschnittstemperatur des Bodens von 10°C am 23.04.2025 ausgesät. Die Aussaatmenge der Kichererbse lag bei 55 keimfähige Körner/m² mit einer Saattiefe von 3 cm. Nach einem zügigen, aber ungleichmäßigen Auflaufen, wurden die Bestände zur Beikrautregulierung zweimal gestriegelt und einmal gehackt. Da die Pflanzen aufgrund ihres Wuchses den Boden nicht ausreichend beschatten konnten, kam es – begünstigt durch die Niederschläge im Juli – zu einer Spätverunkrautung und dem Wiederaustrieb einzelner Pflanzen. Auch Kichererbsen wachsen indeterminiert, was eine Herausforderung bei der Ernte und der nachträglichen Aufbereitung darstellt. Ausführliche Informationen zum Anbau von Kichererbsen in Deutschland finden Sie auf der Website des LLH und auf LeguNet.

Fazit

Der gut besuchte Feldtag zu den wärmeliebenden Kulturen verdeutlichte das große Interesse der Landwirte an Alternativen zu den herkömmlichen Anbaupflanzen.

Der LLH wird den Anbauversuch am Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach in den kommenden Jahren fortsetzen, um weitergehende Aussagen zur Anbauwürdigkeit treffen und die Attraktivität des Anbaus wärmeliebender Kulturen in unserer Region künftig noch genauer einschätzen zu können.

Wenn auch Sie Fragen zum Anbau dieser neueren Kulturen haben, wenden Sie sich an die Kolleginnen und Kollegen vom LLH oder vom LeguNet.

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