Mais 2025: Erntezeitprognose und Informationen zur Sortenwahl

Das Frühjahr 2025 war eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zusätzlich war es auch deutlich zu warm: schon Mitte April wurden die ersten warmen Tage registriert. Auch die Sonne zeigte sich überdurchschnittlich häufig. Als Folge kam es zu einer ausgeprägten Bodentrockenheit – viele Pflanzen litten verstärkt unter Trockenstress. Durch den Regen Anfang Juni konnten die Werte nicht normalisiert werden. Die Bodenfeuchtewerte blieben in vielen Regionen deutlich unter den Normalwerten.

Mais besitzt als C4-Pflanze zwar einen vergleichsweise geringen Bedarf an Wasser zur Produktion von pflanzlicher Substanz, dennoch führt Trockenstress natürlich auch beim Mais zu erheblichem Ertragsverlust. So werden Wachstum und Kolbenbildung beeinträchtigt, wenn Wassermangel früh zu Blühbeginn einsetzt. Während der Blüte führt Wassermangel in Verbindung mit Hitze zu unzureichender Befruchtung. Bei Wassermangel nach Abschluss der Befruchtung wird die Assimilation in den Kolben blockiert. Der Wasserbedarf von Mais steigt mit Beginn des Schossens stark an, wenn die Biomasseproduktion intensiv zunimmt. Besonders im Juli und August während des Längenwachstums und der Kornausbildung ist der Wasserbedarf sehr hoch. Das Ausmaß eines Schadens der Stresseinwirkung ist somit nicht nur von der Intensität, sondern auch von der Dauer und dem Zeitpunkt der Einwirkung abhängig.

Der Regen seit Mitte Ende/Juli hat dem Mais in seiner Entwicklung geholfen. In dieser Zeit stand der Mais vielerorts in der Blüte, sodass nicht von einer unzureichenden Befruchtung ausgegangen werden muss. Aktuell präsentieren sich die Silomaisbestände von außen sehr ansprechend, haben aber an einigen Standorten eine unterdurchschnittliche Wuchshöhe. Wie zügig die Kornfüllung und Abreife verlaufen werden, wird vor allem von der Temperatur, aber auch der Wasserversorgung bestimmt.

Mais-Bestände regelmäßig kontrollieren

In der Praxis sollten die Mais-Bestände im Hinblick auf die Abreife häufig kontrolliert werden. Je nach Region, Standort, Temperatur und Wasserversorgung ist die Entwicklung der Bestände teilweise sehr unterschiedlich und somit ist auch die Reifeansprache und der Erntezeitpunkt nicht einfach zu bestimmen. Deshalb ist die Einschätzung des Bestandes hinsichtlich Kolbenanteil und die Beobachtung der Restpflanzenabreife besonders wichtig. Eine Maispflanze kann noch assimilieren, d.h. sie bildet Zucker und lagert diesen als Stärke im Kolben ein, wenn sie noch ausreichend grüne Blätter aufweist (mindestens die halbe Pflanze ist noch grün). Sortenabhängig liegt der optimale TS-Gehalt der Gesamtpflanze im Bereich von über 30 bis 36 %. Werte unter 28 % bergen das Risiko erhöhter Sickersaftbildung. Bei zu hohen Werten hingegen kann es zu Problemen im Hinblick auf die Verdichtung kommen. Im Kolben sollten optimalerweise TS-Gehalte von ca. 50 – 55 % erreicht werden. Die Abreife der Restpflanze, d.h. Blatt und Stängel ist sortentypisch unterschiedlich zu bewerten. Während bspw. stay-green Sorten noch lange ein grünes Blatt und damit ein weiteres Erntefenster aufweisen, nimmt der TS-Gehalt von Sorten mit schnell abreifendem Blattapparat (dry-down) relativ zügig zu.

MaisProg unterstützt bei der Entscheidungsfindung 

Als Orientierungshilfe zur Einschätzung der Silomaisabreife stellt auch in diesem Jahr das Deutsche Maiskomitee (DMK) wieder MaisProg, die Erntezeitprognose für Silomais, online zur Verfügung. Die Erntezeitprognose basiert auf täglichen Wetterdaten, wie etwa Temperatur, Globalstrahlung, Niederschlag und dem daraus abgeleiteten pflanzenverfügbaren Bodenwasser. Wichtige Faktoren wie Reifegruppe, Aussaattermin und Bodenart finden zusätzlich Berücksichtigung. Mithilfe der einbezogenen Daten wird der aktuelle TS-Gehalt der Ganzpflanze berechnet und das Erntedatum prognostiziert. Die Erntezeitprognose dient dabei als Hilfsmittel, kann aber die Vorort-Kontrolle durch den Bewirtschaftenden nicht ersetzen.

Zum Online-Erntezeitprognosemodell für Silomais „MaisProg“

Bei der Sortenwahl auf die Empfehlung achten

Maisfeld
Versuchsfläche für die Landessortenversuche Mais

Silomais ist nach wie vor eine der wichtigsten Futterpflanzen in der Milchvieh- und Mastrinderfütterung und bundesweit ein sehr bedeutendes Ausgangssubstrat für die Beschickung von Biogasanlagen. Um Flächenerträge zu steigern und Ressourcen zu schonen, ist der Züchtungsfortschritt ein wichtiger Baustein. Nicht nur aufgrund der sich verändernden Klimaeinflüsse ist eine gezieltere standort- und nutzungsspezifische Sortenwahl wichtig. Durch die Prüfung der aktuellen Sorten in den Landessortenversuchen der Bundesländer kann deren regionale Anbaueignung festgestellt werden. Damit sind die Sorten-Versuche eine wichtige, objektive Entscheidungshilfe bei der Sortenwahl für den Praxisanbau.

Anhänger mit Plastiktüten, in denen gehäckselter Mais für die Sortenversuche enthalten ist; im Hintergrund Mais-Versuchsfläche
Sortenversuche sind eine wichtige, objektive Entscheidungshilfe bei der Sortenwahl für den Praxisanbau, und können helfen ertragsstabile Sorten zu identifizieren

In den Landessortenversuchen wird die Anbaueignung zugelassener Sorten geprüft. Die überregionale Auswertung der Versuche trägt zudem zur Absicherung der hessischen Ergebnisse bei. Um die vielfältige hessische Kulturlandschaft abzubilden, werden die Landessortenversuche für den Silomais an mehreren Standorten in ganz Hessen durchgeführt. Insgesamt sechs Standorte repräsentieren die Silomaisanbaugebiete in Hessen. Die Prüfung des mittelfrühen Sortiments (S230 – S250) erfolgt dabei bspw. in den mittleren Lagen in Bad Hersfeld und Friedberg.

Der Landessortenversuch „Silomais mittelfrüh“ am Eichhof kann am 29.08.2025 besichtigt werden. Dabei werden die aktuell in der Prüfung stehenden Sorten vorgestellt.

Termin: 29.08.2025, 14 Uhr

Treffpunkt: Landwirtschaftszentrum Eichhof, Schlossstraße 1, 36251 Bad Hersfeld

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