Gießwasser im Erwerbsgartenbau: Warum regelmäßige Untersuchungen sinnvoll sind

In diesem Winter (Stand Jan. 2026) wurde im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren bereits deutlich mehr Streusalz auf den Straßen ausgebracht. Das enthaltene Natriumchlorid (NaCl) kann auf Straßenbegleitgrün gelangen und durch Niederschläge in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden, wo es schließlich ins Grundwasser gelangen kann. Gartenbaubetriebe, die eigene Brunnen nutzen – besonders wenn diese nahe verkehrsreicher Straßen liegen oder flach gebohrt sind – sollten prüfen, ob ihr Brunnenwasser erhöhte Natrium- oder Chloridgehalte aufweist. Die Spurennährstoffe Natrium und Chlorid werden von Pflanzen für das Wachstum in nur sehr geringem Umfang benötigt. Zu hohe Gehalte im Wasser und Boden bzw. Substrat können Schäden an Pflanzen verursachen.
Neben dieser saisonalen Gefahr können auch Trockenperioden im Sommer dazu führen, dass Regen- oder Oberflächenwasser nicht ausreichend verfügbar ist und Betriebe auf Brunnen- oder Leitungswasser ausweichen. Deren Wasserqualität kann sich deutlich von der des Regen-/Oberflächenwassers unterscheiden. Deshalb ist es ratsam, das Gießwasser in einem Labor auf dessen gärtnerische Eignung hin untersuchen zu lassen.
Ungeprüftes Gießwasser – mögliche Risiken
- Karbonathärte: Zu hohe Werte können den pH-Wert im Substrat erhöhen und bei Überkopfbewässerung Kalkflecken auf Blättern, Blüten oder Früchten verursachen. Tropfschläuche, Düsen und Magnetventile können verstopfen.
- Gesamtsalzgehalt: Hohe Salzkonzentrationen im Wasser erhöhen den Salzgehalt im Substrat, was insbesondere salzempfindliche Pflanzen schädigen kann.
Im geschützten Anbau kann es im gewachsenen Boden aufgrund der ariden Klimabedingen zu unerwünschten Salzanreicherungen in der oberen Bodenschicht kommen. Das Pflanzenwachstum kann dadurch beeinträchtigt werden. - Natrium und Chlorid: Erhöhte Werte können Pflanzen schädigen.
- Nitrat: Hohe Nitratwerte sollten bei der Düngung berücksichtigt werden.
- Eisen und Mangan: Hohe Gehalte können Tropfschläuche, Düsen und Magnetventile verstopfen und braune Flecken auf Pflanzen verursachen.



Grenzwerte für Natrium und Chlorid im Gießwasser
Für die Praxis sind folgende Richtwerte wichtig:
| Bewässerungssystem | Kultur | Chlorid (mg/l)* | Natrium (mg/l)* |
| Offen | sehr salzempfindlich | < 50 | < 50 |
| Offen | salzempfindlich | < 70 | < 70 |
| Geschlossen | Substratkultur in Töpfen oder Dünnschicht | < 35 | < 30 |
| Geschlossen | Langzeitkulturen in NFT oder Aeroponik | < 17 | < 11 |
| Geschlossen | Hydrokultur | < 35 | < 23 |
* Grenzwerte aus verschiedenen Quellen
Wenn diese Grenzwerte überschritten werden, kann das Brunnenwasser mit Regen- oder Stadtwasser verschnitten werden.
Laboruntersuchungen
Für eine aussagekräftige Gießwasseranalyse wird meist 1 Liter Wasser benötigt. Die Kosten variieren zwischen 50 und 100 €, abhängig vom Umfang der chemischen Untersuchungen. Soll das Wasser für Überkopfbewässerung von Gemüse, Obst oder Kräutern genutzt werden, können zusätzliche Untersuchungen auf Keimbelastung und Pflanzenschutzmittelwirkstoffe sinnvoll sein. Informationen zu Labors und Richtwerten sind über die Beratungskräfte für Zierpflanzenbau und Gemüsebau erhältlich.

