Moderne Formen der Unkrautregulierung im Gemüsebau

Praktischer Einsatz neuer Techniken auf dem Feldtag des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) in Lampertheim-Rosengarten

Blick von oben auf die Ackerfläche mit verschiedenen Traktoren die Geräte zur mechanischen Unkrautbekämpfung nach sich ziehen. 5 Traktoren fahren über die Ackerfläche. Personen laufen hinterher und schauen sich die Geräte und Arbeitsweise an.
Blick von oben – Feldtag Lampertheim

Für den Gemüsebau wird die mechanische Beikrautregulierung zunehmend wichtiger. Herbizide stehen aufgrund verschiedener Entwicklungen immer weniger zur Verfügung: Zulassungen laufen aus, einzelne Wirkstoffe verlieren ihre Zulassung, Resistenzen gegen bestimmte chemische Wirkstoffe treten auf und die Vorgaben für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden strenger. Gleichzeitig fordern Politik und Gesellschaft eine weitere Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. An Alternativen führt heutzutage daher kein Weg vorbei.

Welche technischen Möglichkeiten heute bereits verfügbar sind und wie sie sich praktisch einsetzen lassen, zeigte der Feldtag des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) in Lampertheim-Rosengarten. In einer Zwiebelkultur präsentierten verschiedene Hersteller aktuelle Maschinen und Verfahren zur mechanischen Beikrautregulierung sowie kameragestützte Systeme zur präzisen Applikation. Die vorgestellten Lösungen konnten bei der Feldvorführung im Einsatz sowie als Ausstellungsstücke besichtigt werden.

Praktischer Einsatz in der Zwiebelkultur

Ackerfläche mit kleinen Zwiebelpflanzen: Zu sehen sind im Vordergrund der Maschine Fingerhacken, dahinter Striegel bei der mechanischen Unkrautbekämpfung auf dem Acker.
Der Lemken EC-Weeder bei der Arbeit
Ackerfläche mit Erde und zwei Zwiebelreihen, dazwischen liegt ausgerissenes Unkraut auf der Oberfläche.
Kulturfläche nach der Bearbeitung

Der Hackstriegel Thulit MF von LEMKEN ist eine moderne Lösung für die mechanische Unkrautbekämpfung im konventionellen und ökologischen Ackerbau. Dank seiner innovativen OptiTine-Technologie lässt sich der Zinkendruck hydraulisch und stufenlos während der Fahrt anpassen, wodurch eine präzise Bearbeitung unterschiedlichster Kulturen und Bodenbedingungen möglich wird. Das einzigartige Rahmenkonzept mit vier Balken und acht Zinkenreihen sorgt für hohe Stabilität, gute Übersicht und eine zuverlässige Arbeitsqualität. Mit Arbeitsbreiten von 6 bis 12 Metern bietet der Thulit hohe Flächenleistungen. Seine federnden Striegelzinken greifen flach in die oberste Bodenschicht ein, lockern die Oberfläche auf und reißen keimende oder sehr junge Unkräuter aus beziehungsweise verschütten sie. Gleichzeitig werden Bodenverkrustungen gebrochen und der Boden belüftet.

Mit dem EC-Weeder präsentierte LEMKEN eine vielseitige Hackmaschine für die präzise mechanische Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen. Unkräuter werden mechanisch abgeschnitten, ausgerissen oder verschüttet. Im Gegensatz zum Striegel bearbeitet der EC-Weeder gezielt den Boden zwischen den Kulturreihen, während die Kulturpflanzen stehen bleiben. Dank des modularen Baukastensystems lässt sich die Maschine flexibel an verschiedene Kulturen, Reihenweiten und Einsatzbedingungen anpassen. Robuste Parallelogrammführungen gewährleisten eine exakte Werkzeugführung, während unterschiedliche Hackwerkzeuge eine wirkungsvolle Bearbeitung zwischen den Pflanzenreihen ermöglichen.

Für noch mehr Präzision sorgt die Kamerasteuerung IC-Light. Das System erkennt Kulturpflanzen zuverlässig und führt die Hacke auch bei höheren Arbeitsgeschwindigkeiten sicher entlang der Reihe. Durch intelligente Bildverarbeitung und die automatische Anpassung an wechselnde Licht- und Bestandsverhältnisse ermöglicht die Technik eine effiziente Unkrautregulierung bei hoher Flächenleistung.

Traktor der über ein Feld mit kleinen Zwiebelpflanzen fährt, die in Reihen stehen. Angehängt ist ein Treffler-Präzisionsstriegl zur mechanischen Unkrautbekämpfung, der durch die Zwiebelreihen fährt. Links sind Büsche und ein Haus zu sehen.
Treffler-Präzisionsstriegl im Einsatz

Der Präzisions-Zinkenstriegel von Treffler steht für eine besonders schonende und gleichzeitig effektive mechanische Unkrautbekämpfung. Herzstück der Maschine ist das patentierte Federdrucksystem, das für einen konstanten und exakt einstellbaren Zinkendruck sorgt – unabhängig von Bodenunebenheiten. Dadurch können Unkräuter bereits in frühen Entwicklungsstadien zuverlässig reguliert werden, während die Kulturpflanzen bestmöglich geschont werden.

Die Zinken arbeiten nur wenige Zentimeter tief (typischerweise 1 bis 3 cm). Dabei werden Unkräuter im Keimfaden- oder Keimblattstadium herausgerissen, verschüttet oder an der Bodenoberfläche abgelegt, wo sie vertrocknen. Einsatzmöglichkeiten gibt es neben dem Gemüsebau auch im Ackerbau und Grünland.

Mit dem IN-ROW-Hackgerät INVERA präsentierte Einböck eine innovative Lösung für die präzise mechanische Unkrautbekämpfung innerhalb der Pflanzenreihe. Mithilfe moderner Kameratechnik und intelligenter Steuerung erkennt das System die Kulturpflanzen in Echtzeit und führt die Hackwerkzeuge exakt zwischen den einzelnen Pflanzen hindurch. Dadurch können Unkräuter auch direkt in der Reihe effektiv entfernt werden, ohne die Kulturpflanzen zu beschädigen. Je nach Kultur sind unterschiedlich geformte Messer verfügbar.

Zu sehen ist ein selbstfahrender Unkrautroboter Farming GT 38 von Agravis. In der Mitte des Geräts sind die Hackgeräte zur mechanischen Unkrautbekämpfung angebracht. Das Gerät steht auf einer Ackerfläche. Im Hintergrund sind ein Getreidefeld, Büsche und Bäume zu sehen.
Selbstfahrender Unkrautroboter Farming GT 38 von Agravis

Der Farming GT Hackroboter steht für die nächste Generation der mechanischen Unkrautbekämpfung im Acker- und Gemüsebau. Ausgestattet mit moderner Sensorik, Kameratechnik und autonomen Fahrfunktionen bearbeitet der Roboter Felder präzise und effizient, ohne dass ein Fahrer benötigt wird. Durch die exakte Erkennung von Kulturpflanzen und Unkräutern können Hackwerkzeuge gezielt eingesetzt werden.

Neben den Geräten zur mechanischen Bodenbearbeitung wurden mit dem ARA-System von Ecorobotix und dem RFX900 Spotsprayer von Rumex auch zwei moderne, kameragestützte Lösungen für die pflanzengenaue Applikation, das sogenannte Spot Spraying, vorgestellt. Beide Technologien ermöglichen die gezielte Behandlung einzelner Pflanzen beziehungsweise Beikräuter anstelle einer flächendeckenden Anwendung und stehen damit beispielhaft für den Trend zu einer präziseren und ressourcenschonenderen Bewirtschaftung.

Durch den punktgenauen Einsatz lassen sich Pflanzenschutzmittel und Aufwandmengen deutlich reduzieren, während Kulturpflanzen geschont und Umwelteinträge minimiert werden. Damit eröffnen die Systeme neue Perspektiven für einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Pflanzenschutz.

Großes Interesse an innovativer Unkrautregulierung

Der Feldtag zeigte das große Interesse der Praxis an modernen Verfahren der Unkrautregulierung im Gemüsebau. Die zahlreichen Teilnehmenden und fachlichen Diskussionen verdeutlichten die Bedeutung innovativer Technologien für den zukünftigen Gemüsebau.

Der LLH berät Betriebe zudem zu Fördermöglichkeiten im Bereich der Digitalisierung.

https://landwirtschaft.hessen.de/landwirtschaft/foerderung/digitalisierung-in-der-landwirtschaft

Hintergrund: Projekt „Nachhaltiger Pflanzenschutz im Gartenbau“

Der Hessische Pestizidreduktionsplan, der sich am Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP) der Bundesregierung orientiert, nimmt eine zentrale Rolle bei der Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ein. Ziel ist es, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in Hessen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig die Anwendung alternativer Verfahren zur Pflanzengesundheit und Beikrautregulierung zu stärken. Im Mittelpunkt stehen dabei die Förderung innovativer Technologien und der Wissenstransfer in die Praxis.

Das Projekt „Nachhaltiger Pflanzenschutz im Gartenbau“, das vom Beratungsteam Gartenbau des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) durchgeführt wird, beschäftigt sich unter anderem mit diesen Fragestellungen. Die Betriebe werden im Rahmen einer Schwerpunktberatung dabei unterstützt, neue Anbausysteme und alternative Verfahren zu etablieren. Der Projektzeitraum beträgt fünf Jahre von 2024 bis 2028 und wird vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) gefördert.

 

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