Öko-Gemüsebautag 2025 in Bamberg: Chancen, Grenzen und Praxisimpulse

Am 01.07.2025 fand der diesjährige Öko-Gemüsebautag am Versuchsstandort der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Bamberg statt. Dabei standen die aktuellen Gemüsebauversuche der LWG im Fokus, die Antworten auf praxisnahe Fragestellungen und Herausforderungen geben sollen. Neben Sorten- und Anbauversuchen wurden auch dieses Jahr verschiedene Maßnahmen zum Boden- und Ressourcenschutz präsentiert. Im Folgenden werden einige der gegenwärtig laufenden Versuche vorgestellt und beschrieben.

Minimalbodenbearbeitung mit dem Geohobel und dauerbegrünte Wege

Im Gemüsebau erfolgen regelmäßige, teils intensive, Bodenbearbeitungen. Eine schonende Minimalbodenbearbeitung ist bislang wenig verbreitet. Welche Vorteile könnte jedoch eine Reduktion der Bearbeitungstiefe und -intensität bringen? Um dieser Frage nachzugehen wird in einem Versuch der sogenannte Geohobel des Herstellers Rath Maschinen eingesetzt. Dieser hat eine Bearbeitungstiefe von 3–5 cm, besitzt ein speziell geformtes Hobelmesser mit aktivem Antrieb und kann Gründüngung oder Erntereste zerkleinern sowie in die obere Bodenschicht einarbeiten. Dadurch verbleibt organisches Material im Oberboden, während Wurzel- und Regenwurmgänge im Unterboden erhalten bleiben.

Eine rote Maschine zur flachen Bodenbearbeitung steht vor Gemüsebeeten, im Hintergrund sind Bäume zu sehen.
Abb. 1: Der Geohobel ermöglicht eine minimale Bodenbearbeitung. Mit der aufgebauten Sämaschine kann im selben Arbeitsgang die Aussaat erfolgen.
Mittig ist ein Beet mit Zwiebeln zu sehen, welches durch Gras bewachsene Fahrspuren eingerahmt ist.
Abb. 2: Mit Gras begrünte Fahrspuren

Im Versuch werden die Fahrspuren beim Geohobel mit Gras eingesät. In der Vergleichsvariante findet eine klassische Bodenbearbeitung (Pflügen, Grubbern, Fräsen, etc.) statt. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich manche Kulturen unter Minimalbearbeitung zügiger entwickeln und besser wachsen; dieser Trend zeigt sich insbesondere bei Porree und Kopfsalat. Auch bodenkundliche Eigenschaften verbessern sich bereits nach zwei Anbaujahren: Infiltrationsleistung, Aggregatstabilität und Nmin-Verfügbarkeit sind höher. Nachweisbar ist außerdem ein höheres Vorkommen stickstoff-fixierender Bakterien und eine erhöhte mikrobielle Biomasse. Gleichzeitig treten Herausforderungen auf: Ein verstärkter Beikrautdruck, insbesondere bei Säkulturen, sowie erhöhter Zeit- und Kostenaufwand durch das Mähen der Fahrspuren.

Leguminosen als betriebseigene Düngemittel

Viele ökologisch wirtschaftende Gemüsebaubetriebe decken den Nährstoffbedarf unterschiedlicher Kulturen mit organischen Handelsdüngemitteln ab, deren Ausgangsstoffe überwiegend tierischen Ursprungs sind (Horn, Haar, Federn). Aufgrund ihrer Herkunft aus der konventionellen Produktion stehen sie teils in Kritik. In einer Versuchsreihe der LWG wird untersucht, ob geschrotete Leguminosen aus eigener Produktion eine Alternative zu kommerziellen Handelsdüngern im ökologischen Anbau darstellen können. Im Vorjahr gedroschene Leguminosen (Lupine, Soja, Erbsen) wurden geschrotet und in der Düngung von Romanasalat und Stangensellerie eingesetzt. Als Vergleichsvarianten dienten klassische organische Handelsdünger für den ökologischen Anbau (Hornmehl und -gries sowie Luzernepellets). Ergebnisse aus dem vergangenen Versuchsjahr bei Winterwirsing zeigen, dass die Düngewirkung von Horngries und Sojaschrot vergleichbar ist. Wirtschaftlich betrachtet liegen die Kosten pro Kilogramm Stickstoff bei den selbst erzeugten Leguminosenschroten jedoch um 5 bis 25 % höher verglichen mit den zugekauften organischen Handelsdüngern (Horngries- bzw. -mehl). Offen bleibt, inwieweit sich die Düngewirkung verschiedener Leguminosen unterscheidet und welchen Einfluss unterschiedliche Standzeiten der Gemüsekulturen auf die Düngewirkung haben; die entsprechenden Untersuchungen laufen noch.

Striegeleinsatz bei Zwiebeln

Ein blauer Striegel an einem Traktor steht auf einem Feld mit Zwiebeln, im Hintergrund sind Bäume und bewölkter Himmel zu sehen.
Abb. 3: Mithilfe des Striegels werden durch die Erdbewegung Unkräuter im Keimblatt- oder Keimstadium effektiv bekämpft
Beet mit Zwiebeln
Abb. 4: Wöchentliches Striegeln mit hoher Geschwindigkeit führt jedoch zu Verlusten

Die Beikrautregulierung bei Zwiebeln ist ein wichtiger und zugleich ein sehr anspruchsvoller Teil der Kulturführung im Öko-Gemüsebau. Neben der Maschinenhacke und dem Abflammen wird häufig eine Handhacke oder -jäte benötigt. Aus diesem Grund wird in einem Versuch getestet, welches Potential der Striegeleinsatz in der Zwiebel hinsichtlich der benötigten Arbeitszeit, Kulturschäden und der Beikrautregulierung bietet. Dazu werden neben einer Standardvariante (Abflammen + Hacken) unterschiedlich intensive Striegelvarianten getestet. Erste Beobachtungen zeigen, dass wöchentliches Striegeln mit geringer Geschwindigkeit (1–3 km/h) den Unkrautdruck wirksam reduziert und nur geringe Verluste bei den Zwiebeln verursacht. Deutlich höhere Schäden treten hingegen bei der intensivsten Variante auf, bei der ab der Aussaat wöchentlich mit bis zu 6 km/h gestriegelt wurde; hier liegen die Verluste bei 15–20 %. Die geringsten Zwiebelschäden werden erzielt, wenn der Striegeleinsatz erst ab dem ersten Laubblatt erfolgt. Die Untersuchungen hinsichtlich der Arbeitszeit und des Ertrags bei den verschiedenen Varianten laufen noch.

Beikrautmanagement im Feldgemüsebau: Spritzbares Mulchmaterial

Zwei Gurkenpflanzen in einer weißen Mulchschicht mit einer schwarzen Tröpfchenbewässerung.
Abb. 5: Einlegegurken-Pflanzen mit Sprühmulch

Das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) stellte ein neuartiges Mulchverfahren vor, welches auf den Flächen der LWG Bamberg in einem mehrjährigen Projekt („OptiMulch“) auf Praxis Tauglichkeit untersucht wird. Das Mulchmaterial besteht aus einer Zwei-Komponenten-Mischung erneuerbarer Rohstoffe, die kurz vor dem Ausbringen vermengt und anschließend auf die Erdoberfläche appliziert wird. Die Mischung geliert und härtet innerhalb kurzer Zeit aus. Die Ausbringung erfolgt auf der Pflanzreihe, sodass die Beikräuter zwischen den Kulturpflanzen in ihrer Keimung gehemmt und bereits gekeimte Pflanzen im Wachstum behindert werden. Im vorgestellten Versuch wird das spritzbare Mulchmaterial bei Einlegegurken hinsichtlich Feldaufgang der Gurken, Unkrautunterdrückung, Ertrag, Umweltwirkung und Zersetzung des Materials geprüft. Erste Erkenntnisse zeigen eine gute Unkrautunterdrückung, erhöhte Bodenfeuchte sowie eine hohe Regenwurmabundanz unter dem sich langsam zersetzenden Mulchmaterial.

Steigerung der Wassereffizienz mit Unterflurbewässerung?

Häufiger vorkommende und länger anhaltende Trockenperioden und die regional knapper werdende Ressource Wasser stellen den Gemüsebau vor neue Herausforderungen. Neben der weit verbreiteten Überkopfberegnung (z.B. Kreisregner, Düsenwagen) wird die Tropfbewässerung aufgrund ihrer hohen Wassereffizienz immer bedeutender. In dem vorgestellten Versuch wird die klassische Überkopfberegnung mit verschiedenen Tropfschlauchvarianten verglichen. Dabei wird getestet, inwieweit das Verlegen der Tropfschläuche in den Boden (=„Unterflur“-Bewässerung) in zwei verschiedene Bodenschichten (20 und 30 cm Tiefe) Vorteile im Vergleich zur oberflächennahen Tropfbewässerung bietet. Es werden das mögliche Wassersparpotential, das Unkrautaufkommen und der Arbeitsaufwand evaluiert. Gleichzeitig werden verschiedene Möglichkeiten der Automatisierung und Überwachung der Bodenfeuchte mithilfe von Sensoren getestet.

Fazit: Feldtag zeigte Chancen und Grenzen neuer Ansätze im Gemüsebau

Rund 100 Besucherinnen und Besucher aus Praxis, Beratung und Forschung nahmen am Gemüsebautag teil. Die vorgestellten Versuche zeigten eindrucksvoll die Vielfalt aktueller Forschungsansätze im ökologischen Gemüsebau – von innovativen Techniken zur Bodenbearbeitung über neue Düngestrategien bis hin zu wassersparenden Bewässerungssystemen. Während einige Verfahren bereits vielversprechende Ergebnisse für die Praxis liefern, befinden sich andere noch in einer frühen Erprobungsphase und müssen sich hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit erst bewähren. Gerade darin liegt jedoch der besondere Wert solcher Feldtage: neue Ideen werden sichtbar, kritisch diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt. Der nächste Gemüsebautag findet am 07. Juli 2026 in Bamberg statt.

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