Vorsicht vor Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) auf Futterflächen
Die verschiedenen Kreuzkraut-Arten (Senecio) gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Hierzulande werden sie Greis- oder Kreuzkraut genannt. Fast alle Kreuzkraut-Arten kommen in den Kulturlandschaften Mitteleuropas schon lange vor und gelten als heimisch. Relativ häufig sind:
| Standort | Art |
| Nasse Standorte | Wasserkreuzkraut (S. aquaticus) |
| Wälder | Fuchs‘ Kreuzkraut (S. fuchsii) |
| Halbtrockenrasen | Raukenblättriges Kreuzkraut (S. erucifolius) |
| Wiesen/Weiden | Jakobskreuzkraut (S. jacobaea) |
Vor allem das Jakobskreuzkraut breitet sich seit den 90er Jahren verstärkt aus. Dabei profitiert die zweijährige, 30 bis 120 cm hoch werdende Art mit ihren leuchtend gelben Zungenblüten von ihrem enormen Samenpotential. Nach der Blüte im Juni/Juli (bis September) entstehen bis zu 150.000 gut flugfähige Samen je Pflanze, die im Boden ca. 20 Jahre keimfähig bleiben. Als Lichtkeimer können die jungen, konkurrenzschwachen Pflanzen dort Fuß fassen, wo offener Boden es zulässt. Dies gilt vor allem für mäßig nährstoffhaltige Böden, wenig gepflegte Dauerweiden, Stilllegungs- und Ruderalflächen, Eisenbahndämme, Weg- und Straßenböschungen.
Im Wirtschaftsgrünland häufig betroffen sind Pferdeweiden. Denn extensive Bewirtschaftung zusammen mit dem Bewegungs- und dem Bissverhalten der Tiere führen nicht selten zu lückigen Narben.
Häufige Verwechslungsmöglichkeiten:



Giftigkeit
Sämtliche Senecio-Arten enthalten in allen Pflanzenteilen giftige Pyrrolizidinalkaloide, die chronische Leberschäden verursachen können. Höchste Konzentration weisen die Blüten auf (spät geschnittenes Heu). Auf Weiden werden die Pflanzen eigentlich gemieden, dennoch besteht immer das Risiko, dass die Pflanzen aufgenommen werden. Im Rosettenstadium ist das Aufnahmerisiko erhöht, weil die Ausbildung des Giftes der Produktion abstoßender Bitterstoffe vorauseilt. Aufwuchsknappheit erhöht das Verzehrrisiko. Im konservierten Futter mit ohnehin eingeschränkter Selektionsmöglichkeit wird der abstoßende Eigengeruch der Pflanzen durch den Duft von Heu beziehungsweise von Gärsäuren in Silagen überdeckt.
Im Gegensatz zu den meisten anderen auf Grünland vorkommenden giftigen Arten werden Pyrrolizidinalkaloide beim Konservierungsprozess nicht abgebaut. Sie bleiben auch in der Silage beziehungsweise im Heu noch wirksam und somit giftig.
Kreuzkräuter sind für Tiere und Menschen giftig. Bestände und Futterkonserven mit Giftpflanzen dürfen nicht verfüttert oder in Verkehr gebracht werden. Die Aufnahme der Pflanze kann u.a. zu Leberschäden (Seneciose, Schweinsberger Krankheit) führen. Dabei wird die akute Vergiftung von Weidetieren mit Tod innerhalb weniger Tage von der chronischen Vergiftung (Tod nach Wochen oder Monaten) durch die akkumulierende Giftwirkung unterschieden. Auch unspezifische Symptome wie Magen- und Darmbeschwerden, Krämpfe, Verwerfen können auftreten.
Verbreitung im Grünland
Jakobskreuzkraut kann sich auf intensiv genutzten Wiesen und Weiden mit dichten Narben nur schwer etablieren. Einer schweizer Studie zu Folge (SIGRIST-MAAG et al. 2008) wurde es auf mehr als zweimal geschnittenen Flächen kaum gefunden. Aufgrund der Kampfkraft schnellwachsender, konkurrenzstarker Gräser und Kräuter zeigten gut mit Sticksoff versorgte Flächen ein signifikant geringeres Jakobskreuzkraut-Vorkommen als andere. Die jungen Kreuzkrautkeimlinge halten dem Konkurrenzdruck nicht stand. Dagegen steigt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens auf lückigen Wiesen auf das Fünffache an. Besonders starke Zunahmen sind auf wenig intensiv genutzten Weiden zu erwarten.
Als vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Jakobskreuzkraut beziehungsweise seiner Zurückdrängung ergibt sich daraus: Angepasste Bewirtschaftung und Verhinderung von Narbenschäden.
Bekämpfungsmaßnahmen
Aussichtsreiche Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung bzw. zur Zurückdrängung setzen bei den Ursachen an.
Jakobskreuzkraut ist eine zweijährige bis ausdauernde Art. Für dauerhaftes Vorkommen muss sich ihr Bestand daher auch aus Samen regenerieren. Konsequente Verhinderung dieser Überlebensstrategie hat langfristig einen verdrängenden Effekt. Deshalb gilt es, einerseits die Samenbildung zu verhindern und andererseits die Einwanderung in Grünlandnarben abzuwehren.
Bevor allerdings Bekämpfungsmaßnahmen und Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, müssen eventuelle Auflagen und Bewirtschaftungsverträge geprüft werden. Häufig müssen Einzelfallentscheidungen getroffen werden, um abgestimmte Handlungsanleitungen für Einzelflächen zu erstellen. Auf Naturschutzflächen (u.a.) und Flächen mit Auflagen sind häufig situationsangepasste Regulierungsmaßnahmen angezeigt, sodass mögliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Schutzziele von den zuständigen Verwaltungsstellen erwogen und bewilligt werden müssen.
Mögliche Maßnahmen:
- Verhindern des Aussamens:
- Einzelpflanzen ausstechen, mit Wurzel ausreißen (und abräumen) – Handschuhe tragen!
- Bei stärkerem Besatz: Mahd zum Blühbeginn, auch an angrenzenden Wegrändern, Mähgut abfahren und vernichten
- Wiederholung bei Blüte des Nachtriebs im Herbst
- Dichthalten der Narbe durch Pflege und Düngung:
- Frühjahrspflege: Schleppen, Striegeln, Walzen
- Kreuzkraut aus Geilstellen entfernen
- Narben dicht halten
- Jährliche Übersaat oder regelmäßige Nachsaaten zur Bestandsverbesserung
- Förderung der Konkurrenzkraft der Gräser durch angepasste Düngung und Nutzung
- Auf angemessenen pH-Wert achten
Aufgrund des großen Vermehrungs- und Verbreitungspotentials von Jakobskreuzkraut ist eine regionale Abstimmung der Bekämpfungsmaßnahmen besonders wichtig für ihren Erfolg.
Herbizideinsatz
Die Nutzung von Herbiziden setzt stets bei den Symptomen an. Alleine kann sie daher das Problem nicht lösen und muss in ein Maßnahmenpaket aus Bewirtschaftung und Pflege eingebettet sein. In bestimmten Fällen können chemische Bekämpfungsmaßnahmen allerdings hilfreich sein.
Jakobskreuzkraut wird chemisch im Rosettenstadium bekämpft. Eine Anwendung von Herbiziden ist nur mit den in der jeweiligen Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmitteln möglich. Im Grünland stehen verschiedene Produkte zur Verfügung. Weitere Informationen hierzu finden sich bspw. u.a. auf der Internetseite des Pflanzenschutzdienstes (RP Gießen). Die Anwendungshinweise sind zu beachten.
Wichtig ist, dass der behandelte Bestand nach Ablauf der Wartezeit gemäht, abgeräumt und vernichtet wird, da die Pflanzen ihre Giftigkeit behalten und behandelte Pflanzen unter Umständen eher gefressen werden. Auch nach einem Herbizideinsatz ist es wichtig, die Maßnahme mit einer Nachsaat zu flankieren, um die entstandenen Lücken zu schließen und ein erneutes Einwandern zu verhindern.






