Wildtierschutz bei der Grünlandmahd – was gibt es zu beachten?
Die Schonung von Wildtieren ist ein wichtiger Aspekt, den es u.a. bei der Mahd von Grünlandflächen zu beachten gilt. Neben Rehkitzen, die nicht flüchten, sondern sich bei drohender Gefahr ducken und bewegungslos verharren, sind auch bodenbrütende Vögel sowie andere Tierarten wie Igel, Fuchs und Feldhase gefährdet. Daher spielt das Thema Wildtierrettung nicht nur bei der Frühjahrsmahd von bspw. Wiesen und Feldfutterflächen eine große Rolle, sondern ganzjährig. Auch aus Gründen der Futterhygiene haben Bewirtschaftende ein großes Interesse daran, Wildtierschaden zu vermeiden. Sie sind außerdem gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zur Wildtierrettung zu ergreifen.
Die Maßnahmen zum Wildtierschutz unterliegen einem sich ändernden gesetzlichen Rahmen. Dieser Artikel stellt daher keine abschließende Maßnahmenzusammenstellung dar, sondern fasst einige Informationen und Handlungsempfehlungen zusammen, die häufig auf Praxiserfahrungen beruhen. Für einen möglichst umfassenden Schutz von Wildtieren sollten verschiedene Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert werden, da es keine Maßnahme gibt, die alle Tiere gleichermaßen schützt. Je nach den in der Fläche vorkommenden Tierarten eignen sich unterschiedliche Methoden.
Wichtig ist zudem, die anstehenden Schnitt-Termine rechtzeitig mit dem Jagdpächter abzustimmen, um u.a. die geeigneten Maßnahmen zu planen bzw. durchzuführen.
Die Entscheidung, welche Maßnahmen ergriffen werden, liegt in der Hand des Bewirtschafters der Fläche. Welche Maßnahmen oder Maßnahmenkombinationen sich in welcher Reihenfolge eignen, sind dabei Einzelfallentscheidungen. Zusätzlich müssen Auflagen/Bewirtschaftungsverträge geprüft werden, bevor Bewirtschaftungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Vergrämen
Ein bis zwei Tage vor der Mahd wird häufig mit Vergrämungsmaßnahmen begonnen (bei früherer Durchführung kann bspw. ein Gewöhnungseffekt eintreten). Dabei können optische oder akustische Reize zum Einsatz kommen, die die Tiere aus der Fläche vertreiben sollen. Es bieten sich gekaufte oder selbstgebaute Scheuchen, Knistertüten und Flatterbänder an. Zusätzlich sind spezielle Geräte auf dem Markt, die Ton- und Lichtsignale abgeben und so das Wild irritieren und dadurch vertreiben sollen.
Die „Verstänkerung“ mit Geruchsstoffen wird in der Praxis teilweise als weitere Möglichkeit herangezogen.
Kurz vor der Mahd ist auch das Begehen der Fläche, bestenfalls mit geeignetem Hund, sinnvoll.
Auch das Anmähen der Vorbeete am Vortag der Mahd, kann gute Erfolge bringen. Vor dem Anmähen sollte der betreffende Bereich allerdings abgesucht werden und auch ein Absuchen der gesamten Fläche vor der Mahd darf dann nicht unterbleiben.
Am Mähwerk montierte akustische Wildretter können während der Mahd zusätzlich eingesetzt werden.
Absuchen
Beim Absuchen der Fläche direkt vor der Mahd können neben Personen teilweise mit geeigneten Hunden auch technische Möglichkeiten zum Einsatz kommen.
Als technische Unterstützung beim Absuchen eignen sich u.a. tragbare Infrarotgeräte, die Wildtiere Aufspüren sollen. Zu beachten ist hierbei, dass bei höheren Außentemperaturen die Technik an Zuverlässigkeit verlieren kann.
Auch Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, können das Auffinden von Rehkitzen erleichtern. An heißen Tagen ist es sinnvoll, die Flächen sehr früh am Morgen abzufliegen, da sich dann die Körpertemperatur des Tieres noch deutlich von der Umgebungstemperatur unterscheidet. Neuere Drohnen können mittlerweile unabhängiger von Wetter- und Lichteinfall eingesetzt werden. Der Drohneneinsatz sollte möglichst unmittelbar vor dem Mähen erfolgen. Ist der Abstand zwischen dem Absuchen und der Mahd hingegen zu groß, können bspw. von der Fläche entfernte Kitze wieder ins hohe Gras zurückflüchten. Je nach Lage der Fläche und Drohnenmodell sollten die jeweils gültigen Rechtsvorschriften zum Flug beachtet werden.
Während der Mahd
Durch die richtige Mähweise (der Grundsatz lautet: von innen nach außen!), können Wildtiere rechtzeitig in ungemähte Bereiche fliehen. Wird hingegen von außen nach innen gemäht, wird das Wild in die Mitte getrieben und kann nicht mehr fliehen. Für besonders lange Flächen bietet sich eine Mähstrategie von einer Seite an. So können die Tiere seitlich aus der Fläche flüchten. Hierbei auf die Fluchtrichtung der Tiere achten.
Bei der Mahd können akustische Wildretter dazu beitragen, dass das Wild aus der Fläche vertrieben wird. Dies gilt bspw. für schon ältere Kitze.
Inzwischen sind Mähwerke mit Sensortechnik erhältlich. Erkennt der Sensor beispielsweise ein Kitz, wird der Fahrer bspw. durch ein optisches und/oder akustisches Signal gewarnt. Bei einer anderen Variante ist ein Sensorbalken direkt am Frontmähwerk angebracht und das Mähwerk wird automatisch angehoben, wenn der Sensor ein Kitz detektiert.
Einfluss des Schnittzeitpunktes
Die Wahl des Schnittzeitpunktes hat nicht nur einen Einfluss auf die Pflanzenbestände. Die verschiedenen Tierarten werden bei bestimmten Schnittzeitpunkten unterschiedlich stark beeinflusst. So sind z.B. bei einem späten Schnittzeitpunkt (nach dem 15. Juli) die Rehkitze schon flüchtig. Durch ein Verschieben des ersten Schnitts auf einen späteren Termin werden zudem Wiesenvögel geschont. Liegen bei frühem ersten Schnitt zwischen dem ersten und zweiten Schnitt mindestens sieben, besser acht Wochen, bekommen einige bodenbrütende Wiesenvögel die Chance ein zweites Gelege auszubrüten, wenn beim ersten Schnitt Gelege zerstört worden sind.
In Gebieten mit besonders großen Grünlandflächen kann eine sogenannte Mosaik- oder Staffelmahd mit einem Abstand von ein paar Wochen sinnvoll sein. So bleiben Rückzugsräume für Wildtiere erhalten, die als Versteck genutzt werden können.
Fazit
Die Bewirtschafterin / der Bewirtschafter ist nach dem Gesetz verpflichtet, geeignete Maßnahmen zur Wildtierrettung zu ergreifen.
Die „perfekte“ Methode zur Wildtierrettung gibt es nicht. Je nach in der Fläche vorkommenden Tierarten sind die genannten Methoden unterschiedlich gut geeignet. Grundsätzlich gilt: Wo immer möglich, sollten mehrere Maßnahmen aufeinander abgestimmt und an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.

