Grünland: Wie die Schnittnutzung Vielfalt und Qualität bestimmt

Dauergrünland macht in Hessen etwa 39 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Wiesen und Weiden haben den größten Anteil, während Naturschutzflächen und Hutungen einen geringeren Anteil ausmachen. Das Grünland dient der Futterproduktion auf der Weide und im Stall. Gleichzeitig erfüllt es auch einige wichtige Schutzfunktionen. So dient es z.B. dem Wasserrückhalt und verhindert Bodenerosion. Als CO2-Senke leistet es einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, und mit seiner Vielzahl an Arten und durch zeitlich gestaffelte Blühabfolgen bietet es Lebensraum für zahlreiche Tiere und Insekten.

Abb.1. Dauergrünland-Anbaufläche in Hessen (Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (2024))
Abb.1. Dauergrünland-Anbaufläche in Hessen (Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (2024))

Die jeweilige Pflanzenzusammensetzung eines Grünlandbestands ist kein Zufall, denn sie ist immer auch das Ergebnis der regionalen Standortbedingungen und der Bewirtschaftung.

Die Nutzung hängt von der Zielsetzung ab

Zahlreiche Faktoren beeinflussen den Grünlandbestand und seine Zusammensetzung. Standortfaktoren wie Klima, Boden und Gelände lassen sich nicht verändern. Deutlichen Einfluss hat neben dem Standort vor allem die Nutzung. Art und Häufigkeit der Nutzung, wie Mahd oder Beweidung, sowie die Düngung bestimmen, welche Pflanzen sich durchsetzen. So entstehen unterschiedliche pflanzensoziologische Gesellschaften. Im folgenden Artikel werden einige Einflussfaktoren bei Schnittnutzung näher beschrieben.

Um die Artenvielfalt im Grünland zu erhöhen, gibt es einige Stellschrauben, die auf mehreren Standorten erfolgreich sei können. Für die nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen ist allerdings eine besondere und angepasste Bewirtschaftungsweise nötig, damit das gesetzliche Verschlechterungsverbot eingehalten werden kann. Spezifische Bewirtschaftungsempfehlungen zu diesen Grünlandstandorten sind in den entsprechenden LRT-Leitlinien (Leitlinien für die Erhaltung und Entwicklung von Lebensraumtypen) zu finden.

1.   Angepasste Düngung

Die Düngung bzw. der Nährstoffeintrag in die Bestände begünstigt das Wachstum bestimmter Pflanzenarten. Einige der durch eine Düngung geförderten Arten zeichnen sich bspw. durch eine hohe Leistungsfähigkeit sowie durch einen guten Futterwert aus. Eine hohe Stickstoff-Düngung (N) bewirkt z.B. einen hohen Gräseranteil im Bestand und einen Rückgang der Leguminosen. Die wertvollen Gräser des Ansaatgrünlandes sind auf die Stickstoff-Düngung angewiesen, um sich dauerhaft im Bestand zu halten.

Sind leistungsfähige Arten im Bestand allerdings nur in geringem Umfang vorhanden, werden durch die Stickstoff-Düngung auch minderwertige Arten (im Hinblick auf die Futterqualität) gefördert und können sich verstärkt ausbreiten. Außerdem kann es durch eine Überdüngung relativ schnell zu einer Verschiebung der Arten kommen, sodass Ungräser wie die Quecke oder Unkräuter Überhand nehmen. Die Düngung sollte immer angepasst an den Standort und den Pflanzenbestand sowie die Nutzungsintensität erfolgen – natürlich immer unter Einhaltung der Richtlinien der Düngeverordnung (DüV).

Die Grunddüngung, also die Versorgung des Bodens mit den Grundnährstoffen Phosphor (P) und Kalium (K), wirkt sich in erster Linie auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes aus. Wird auf die Stickstoff-Düngung bei ausgewogener PK-Versorgung verzichtet, profitieren vor allem die Leguminosen. Sie sind außerdem nicht auf eine zusätzliche Stickstoff-Düngung angewiesen. Wichtige Anhaltswerte für den Versorgungsgrad des Bodens mit Pflanzennährstoffen gibt eine Bodenuntersuchung.

Ob eine Düngung sinnvoll ist, hängt vor allem vom Entwicklungsziel, aber auch der Zusammensetzung und der Wüchsigkeit des Bestandes ab. Bestände, die als Viehfutter vorgesehen sind, sind auf eine angepasste Düngung angewiesen. Artenreiche Bestände weisen hingegen häufig viele magerkeitszeigende Pflanzenarten auf. Diese Bestände werden häufig nicht oder nur wenig gedüngt.

2.   Mahdregime und Nutzungszeitpunkt

Mit dem Zeitpunkt des ersten Schnitts lässt sich die Artenzusammensetzung des Grünlandes stark beeinflussen. Ein frühzeitiger erster Schnitt fördert z.B. einen gras- und kleereichen Bestand. Gräser wie das Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe (Poa pratensis), aber auch der Weißklee, werden durch einen frühen Schnitt begünstigt. Die Entwicklung vieler Kräuterarten verläuft hingegen vergleichsweise langsam, da sie sich bspw. durch Samenausbreitung vermehren. Sie benötigen ausreichend Wachstumszeit, um einen Schnitt zu verkraften oder rechtzeitig Samen bilden zu können. Erfolgt der Zeitpunkt des ersten Schnittes für diese Arten zu früh, werden sie aus dem Bestand verdrängt. Besonders auf wüchsigen Standorten kann auch ein zu später erster Schnitt dazu führen, dass lichtliebende, niedrigwüchsige Kräuter von höherwüchsigen Gräsern beschattet und verdrängt werden. Traditionell erfolgt der erste Schnitt vieler artenreicher Bestände zur Blüte der bestandsbildenden Gräser. So haben sie ausreichend Zeit sich zu entwickeln. Auf Flächen, die zur Futterproduktion (bspw. für Milchvieh) dienen sollen, erfolgt der erste Schnitt hingegen früher, und zwar bereits zum Ähren- und Rispenschieben der Bestandsbildner. Für eine gute Futterqualität ist ein rechtzeitiger erster Schnitt nämlich besonders wichtig. Durch einen frühen ersten Schnitt werden sich langsamer entwickelnde Arten zurückgedrängt.

Nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die Nutzungsfrequenz, beeinflussen die Bestandszusammensetzung. Durch eine hohe Schnitthäufigkeit werden u.a. viele Untergräser gefördert. So ist das wertvolle Futtergras Deutsches Weidelgras auf eine intensive Nutzung angewiesen, um sich auch langfristig im Bestand halten zu können. Durch eine geringe Nutzungshäufigkeit und ausreichende Erholungsphasen zwischen den Nutzungen werden hingegen spät blühende und sich langsam entwickelnde Arten gefördert. Sie haben so die Gelegenheit, zu blühen und Samen zu bilden. Besonders artenreiche Bestände wie Mähwiesen, Kalkmagerrasen oder Borstgrasrasen z. B. sind das Ergebnis einer aus heutigeren Sicht wenig intensiven Bewirtschaftung mit langen Mahdintervallen und geringer oder sehr häufig sogar gar keiner Düngung.  

Artenvielfalt erhalten durch Bewirtschaftung im extensiven Grünland

Dass bereits kleinere Unterschiede bei Pflegemaßnahmen die Bestandszusammensetzung stark beeinflussen können, zeigt beispielhaft auch ein Langzeitversuch zur „Bestandsentwicklung auf einer Glatthaferwiese bei Brache, Schnitt und Mulchen“ (Abb. 2 und 3), der seit dem Jahr 1991 am Landwirtschaftszentrum Eichhof bei Bad Hersfeld durchgeführt wird. Die Abbildungen zeigen die Entwicklung der Ertragsanteile der Hauptbestandsbildner in Prozent bei ein- oder zweimaligem Mulchen und Liegenlassen des Mähgutes (Abb. 2) und bei ein- oder zweimaligem Schnitt mit Abfahren des Mähgutes (Abb. 3). Bei der Grünlandpflege gilt das Mulchen (und Liegenlassen des Mähgutes) häufig als Alternative, wenn das Schnittgut aus unterschiedlichen Gründen nicht genutzt werden kann. Durch den Verbleib des Mulch-Materials auf der Fläche, stehen dem Boden diese Nährstoffe langfristig wieder zur Verfügung. Dies führt dazu, dass die Fläche weniger aushagert wie es beim Mähen und Abfahren der Fall sein würde. Auf vielen Flächen, die als Zielsetzung den Erhalt oder die Pflege einer artenreichen Pflanzengesellschaft haben, ist ein Nährstoffabbau allerdings oft Voraussetzung, um die entsprechende Bestandszusammensetzung zu erhalten. Dies zeigen auch die Ergebnisse des Langzeitversuchs auf dem Eichhof. So ist in den Mulchvarianten (Abb. 2) ein obergrasreicher Bestand mit einem höheren Anteil stickstoffliebender Arten zu finden. Beim Mähen und Abfahren des Erntegutes sind die Bestände hingegen deutlich artenreicher mit weniger Obergräsern und auch der Anteil anderer stickstoffliebender Arten nimmt ab. Es findet eine Aushagerung statt. Dieser Effekt ist bei zweimaliger Mahd höher, als wenn nur einmal im Jahr gemäht wird. Die Ausprägung dieser Effekte ist immer auch abhängig vom Standort und nicht auf jede Fläche übertragbar.

Abb. 2: Bestandsentwicklung auf einer Glatthaferwiese bei Mulchen und Liegenlassen (links: 1x jährlich, rechts: 2x jährlich). Dargestellt ist der Ertragsanteil der Bestandsbildner in %.
Abb. 2: Bestandsentwicklung auf einer Glatthaferwiese bei Mulchen und Liegenlassen (links: 1x jährlich, rechts: 2x jährlich). Dargestellt ist der Ertragsanteil der Bestandsbildner in %.
Abb. 3: Bestandsentwicklung auf einer Glatthaferwiese bei Mähen und Abfahren (links: 1x jährlich, rechts: 2x jährlich). Dargestellt ist der Ertragsanteil der Bestandsbildner in %.
Abb. 3: Bestandsentwicklung auf einer Glatthaferwiese bei Mähen und Abfahren (links: 1x jährlich, rechts: 2x jährlich). Dargestellt ist der Ertragsanteil der Bestandsbildner in %.

Grünland mit unterschiedlicher Zielsetzung kombinieren

Durch intensive Nutzung und Düngung von Grünlandbeständen können hohe Erträge und gute Futterqualitäten geerntet werden. Eine hohe Artenvielfalt auf solchen intensiv genutztem Wirtschaftsgrünland zu erhalten, ist in der Regel nicht möglich. Eine Rückkehr zur extensiveren Nutzung ist dennoch häufig keine Option, wenn der Aufwuchs bspw. als Grundfutter für Milchvieh genutzt werden soll. Denn: eine gute Futterqualität und ein möglichst rentabler Einsatz im Stall setzen eine angepasste Nutzungshäufigkeit voraus.

Nicht nur durch Intensivierung, sondern auch durch Nutzungsaufgabe und Nutzungsänderung von Grünlandflächen kam es seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Veränderung der Grünlandvegetation und in Folge dessen häufig zu einer Arten-Verarmung von Grünland-Flächen. Die Wiederherstellung und der Erhalt von artenreichen Grünlandbeständen ist daher ein wichtiges Ziel. Artenreiche Bestände prägen das Landschaftsbild und bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Außerdem zählt insbesondere extensives Grünland zu den artenreichsten Biotopen im weltweiten Vergleich. Nur durch die Weiterführung der meist extensiven Bewirtschaftungsweise können die jeweiligen Pflanzengesellschaften auch weiterhin erhalten werden. Soll die Artenvielfalt in Grünland wieder erhöht werden, muss die Bewirtschaftung dahingehend angepasst werden.

Wünschenswert wäre bspw. ein Nebeneinander von intensiven (eher artenarmen) und extensiven (artenreichen) Grünlandbeständen im Betrieb zu realisieren, sodass durch die gestaffelten Blühabfolgen eine größere Vielfalt entstehen kann. Zudem besteht die Möglichkeit durch biodiversitätsfördernde Maßnahmen auch das intensiv bewirtschaftete Grünland in Teilbereichen hinsichtlich des Artenreichtums entsprechend zu beeinflussen.

Kontakte
>> Alle Kontakte anzeigen
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.