Reifeprüfung zum ersten Schnitt

Der erste Schnitt ist in vielen Milchvieh- und Mutterkuhbetrieben wesentlicher Bestandteil der Futtergrundlage. Neben Bestandszusammensetzung, Pflegezustand und Düngung beeinflusst der Schnittzeitpunkt maßgeblich die Nährstoffdichte der Grassilage.
Der Vegetationsbeginn (Temperatursumme 200 °C) wurde 2026 je nach Standort bereits Ende März bis Anfang April erreicht. Kühle Temperaturen, kalte Nächte und geringe Niederschläge verzögerten zunächst die Entwicklung der Grünlandbestände, bevor mit steigenden Temperaturen in der zweiten Aprilhälfte eine stärkere Wachstumsdynamik einsetzte.
Die Bestandesentwicklung verläuft entsprechend standortabhängig unterschiedlich, sodass der optimale Schnittzeitpunkt je nach Standort und Bestandszusammensetzung variieren kann. Um eine Entscheidungshilfe für den optimalen Schnittzeitpunkt zu bieten, werden repräsentative Bestände hessenweit wöchentlich analysiert und die Inhaltsstoffe der Aufwuchsproben ausgewertet.
Eine wichtige Hilfestellung zur Wahl des optimalen Schnittzeitpunktes bietet die landesweit durchgeführte Reifeprüfung.
Es werden unterschiedliche Höhenlagen und Bewirtschaftungsformen (ökologisch und konventionell) sowie Düngeintensitäten berücksichtigt, um ein möglichst breites Praxisspektrum abzubilden.
Die Reifeprüfung wird je nach Vegetationsstart im Zeitraum von etwa Mitte April bis Mitte Mai durchgeführt. Die Probenahme erfolgt jeweils montags, die Ergebnisse werden donnerstags auf der LLH-Website veröffentlicht.
Im Rahmen der Reifeprüfung werden Frischgrasproben hinsichtlich der für die Fütterung wesentlichen Nährstoffe analysiert.
Als ergänzendes Angebot bietet die Beratungsinfo Grünland- und Futterbau Nord/Süd des LLH eine standortspezifische Kommentierung der Nährstoffgehalte sowie der Zuwachsentwicklung. Je nach Nutzungsrichtung (Milchkühe, Mutterkühe, Färsenaufzucht) enthält diese Beratungsinformation eine angepasste Prognose für den optimalen Schnittzeitpunkt. Abonnenten erhalten diese Information per Mail zwei Tage nach Probeentnahme mit einer auf ihre Region zugeschnittenen Empfehlung.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit finden Sie unter:
https://llh.hessen.de/leistungen-und-beratungsangebote/beratung/info-mails-newsletter/
Um zu verdeutlichen, welchen Nutzen die Reifeprüfung für einen landwirtschaftlichen Betrieb haben kann, finden Sie in der Tabelle die Ergebnisse zweier hessischer Standorte. Entsprechend der Entwicklung der Nährstoffgehalte haben sich die Betriebe bei der Wahl des Schnittzeitpunkts an den Ergebnissen Reifeprüfung orientiert und das aus Sicht der Wetterlage relativ kurze Erntezeitfenster genutzt. Im Vergleich zum hessischen Durchschnitt konnten diese Betriebe Silagen mit einer höheren Energie- und Eiweißdichte ernten, weil die Ernte auf den meisten Flächen deutlich später erfolgte.
| Standort | Probeart* | Schnittzeitpunkt | Protein | NDFom | Rohfaser | Zucker | Energie |
| in % TM | in % TM | in % TM | in % TM | NEL/ kg TM | |||
| Vorderer Odenwald | Reifeprüfung | 02. Mai | 20,9 | 42,2 | 22 | 11 | 6,7 |
| Silage 1. Schnitt | 04. Mai | 17,5 | 40,0 | 21,5 | < 1 | 6,6 | |
| Mittlerer Odenwald | Reifeprüfung | 02. Mai | 18,9 | 50,6 | 24,2 | 14 | 6,4 |
| Silage 1. Schnitt | 04. Mai | 19,1 | 46,0 | 23,7 | 2 | 6,5 | |
| Hessen n= 350 | Silage 1. Schnitt | 15. Mai | 15,5 | 49,9 | 27,8 | 4,5 | 5,8 |
* Probeart:
Bei der Reifeprüfung werden 0,5 m² einer Fläche beprobt. Das Silageergebnis bildet dagegen die Werte aller Grünlandflächen eines Betriebes ab. Daher ist ein direkter Vergleich der Ergebnisse nur eingeschränkt möglich.


