LLH-Feldtag: Hacke, Striegel und Herbizide sinnvoll kombinieren

Mehrere Menschen stehen auf einer grünen Wiese vor einer landwirtschaftlichen Maschine. Ein Referent erläutert die Vorführung mit einem Mikrofon.
Landwirtinnen und Landwirte sowie Beratungskräfte informierten sich beim LLH-Feldtag in Hosenfeld-Schletzenhausen darüber, wie sich mechanische Verfahren und Herbizide sinnvoll in der Unkrautbekämpfung kombinieren lassen.

Die Anforderungen an die Unkraut- und insbesondere Ungrasbekämpfung im Ackerbau steigen. Resistente Ungräser, der Wegfall bewährter Wirkstoffe und der gesellschaftliche Druck auf den Pflanzenschutz zwingen viele Betriebe dazu, ihre Strategien zu überdenken. Dass mechanische Verfahren dabei eine immer wichtigere Rolle spielen können, zeigte der Feldtag „Unkrautbekämpfung neu gedacht – Chemie trifft Mechanik“ des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) am 11. Juni in Hosenfeld-Schletzenhausen. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte sowie Beratungskräfte nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zu informieren.

Zu Beginn erläuterte Dr. Marco Schneider, LLH-Beratungsteam Pflanzenbau, die Potenziale und Einsatzmöglichkeiten alternativer Verfahren. Vor allem resistente Ungräser wie der Ackerfuchsschwanz stellen den Getreideanbau zunehmend vor Herausforderungen. Gleichzeitig verringert sich das verfügbare Wirkstoffspektrum. „Herbizide allein werden künftig voraussichtlich nicht ausreichen, um Ungräser im Getreide zuverlässig zu kontrollieren“, so Schneider. Mechanische Verfahren wie Striegel und Hacke können dazu beitragen, die Ungrasbekämpfung zu verbessern und Herbizide sinnvoll zu ergänzen.

Gute Voraussetzungen schaffen und Verfahren kombinieren

Dass eine erfolgreiche mechanische Unkrautregulierung weit vor dem ersten Striegeleinsatz beginnt, zeigte Markus Mücke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der bundesweit anerkannte Experte stellte die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Verfahren vor und betonte, dass bereits bei der Aussaat entscheidende Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Reihenabstände, Saatqualität und eine gleichmäßige Bestandesentwicklung beeinflussen maßgeblich, wie erfolgreich später gestriegelt oder gehackt werden kann.

Welche Auswirkungen der Verlust weiterer Wirkstoffe für die Praxis haben wird, verdeutlichte Dr. Ruben Gödecke vom Pflanzenschutzdienst Hessen mit einem augenzwinkernden Einstieg: „Heute ist ein schlechter Tag für den konventionellen Pflanzenbau“, sagte er mit Blick auf das Ende der Abverkaufsfrist des Wirkstoffs Flufenacet. Anschließend stellte er aktuelle Versuchsergebnisse zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und anderen Problemunkräutern vor. Im Fokus standen kombinierte Verfahren, bei denen mechanische Maßnahmen und Herbizide gezielt zusammen eingesetzt werden. Die Versuche zeigten, dass sich damit die Wirkung verbessern und gleichzeitig der Herbizideinsatz reduzieren lässt.

Praxiseinblicke auf dem Demonstrationsfeld

Wie sich die unterschiedlichen Verfahren in der Praxis auswirken, konnten die Teilnehmenden am Nachmittag direkt auf dem Versuchs- und Demonstrationsfeld begutachten. Andreas Hammelehle, LLH-Fachinformation Ökolandbau, und Daniel Rüde, LLH-Beratungsteam Pflanzenbau (Projekt Nachhaltiger Pflanzenschutz), stellten im Winterweizen verschiedene Varianten mit Striegel, Hacke und Rollhacke sowie deren Kombination mit Herbizidmaßnahmen vor. Die Bestände boten eine ideale Grundlage, um Wirksamkeit, Kulturverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit der einzelnen Verfahren intensiv zu diskutieren.

Großes Interesse fand auch die begleitende Maschinenausstellung, die von Mareike Artlich, LLH-Beratungsteam Biodiversität, und Jonas Schulze, LLH-Beratungsteam Pflanzenbau, moderiert wurde. Acht Hersteller präsentierten moderne Hack- und Striegeltechnik und standen für Fragen rund um Einstellungen, Einsatzgrenzen und betriebliche Anforderungen zur Verfügung. Der direkte Austausch zwischen Landtechnik, Beratung und Praxis wurde von den Besuchenden intensiv genutzt.

Der Feldtag machte deutlich: Die Zukunft der Unkrautbekämpfung liegt nicht im Entweder-oder, sondern im sinnvollen Zusammenspiel verschiedener Verfahren. Mechanische Maßnahmen ersetzen chemischen Pflanzenschutz nicht vollständig, können ihn aber wirkungsvoll ergänzen und Betrieben helfen, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Viele Teilnehmende nahmen wertvolle Impulse für die Umsetzung im eigenen Betrieb mit.

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