Hinweise zum Anbau und zur Ernte von Trockenbohnen

Gläser mit verschiedenen Sorten Trockenbohnen von oben fotografiert; © Arche Noah/Schiltern
Verschiedene Farb-Typen der Trockenbohne; © Arche Noah/Schiltern

Die Trockenbohnen, auch Auskernbohnen genannt, gehören zur Familie der Phaseolus vulgaris L. und sind Vielen wohl eher aus dem Hausgarten als frisch geerntete Buschbohnen bekannt.

Doch die Familie der Phaselous-Bohnen ist groß und umfasst neben grün zu erntenden Buschbohnen-Sorten auch solche, bei denen die Bohnen in der Hülse voll ausreifen und dann als Trockenbohne geerntet werden.

Standortbedingungen

Die Phaseolus-Bohne gedeiht gut auf mittelschweren Lehmböden ohne Verdichtungen und Staunässe. Die Aussaat kann ab einer Bodentemperatur von 10 °C erfolgen. Der Aussaatzeitpunkt sollte so gewählt werden, dass das Risiko von Spätfrösten möglichst gering ist, da Phaseolus-Bohnen keinen Frost vertragen. Mit Blick auf die Eisheiligen (genauer Zeitraum jahresabhängig, meist Mitte Mai) sollten Wetterbericht und mögliche Kälteeinbrüche genau beobachtet werden. Sind keine Fröste mehr zu erwarten, kann bei passenden Bodenbedingungen und -temperaturen mit der Aussaat begonnen werden.

Bohnen auf einem Feld, die das erste Laubblatt entfaltet haben
Schwarze Trockenbohne beim Auflaufen

Typen- und Sortenwahl

Die Typen- und Sortenwahl der Phaseolus-Bohnen für die Produktion als Trockenbohnen ist groß, jedoch kommt nicht jeder Typ und jede Sorte für den großflächigen Anbau infrage. Neben der Saatgutverfügbarkeit und den anfallenden Saatgutkosten spielen auch der Reifezeitpunkt, das Abreifeverhalten, die Hülsenplatzfestigkeit, der Hülsenansatz sowie die Vermarktungsperspektiven des jeweiligen Typs eine entscheidende Rolle.

Aktuell werden in Deutschland auf landwirtschaftlichen Flächen hauptsächlich Sorten der Phaseolus-Typen

  • schwarze Trockenbohne,
  • rote Kidneybohne,
  • Borlottibohne und
  • weiße Bohne

angebaut. Weitere Typen und Sorten werden in Feldversuchen in Deutschland getestet. Der LLH testet seit letztem Jahr am Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach den Anbau der schwarzen Trockenbohne und in diesem Jahr auch die rote Kidneybohne.

Aussaat

Die Notwendigkeit der Saatgutimpfung mit den artspezifischen Bakterien für Phaseolus-Bohnen ist standortabhängig und nicht immer gegeben. Es empfiehlt sich, im ersten Anbaujahr durch einen Streifenvergleich (Saatgut mit und ohne Impfmittel) zu testen, ob die Impfung einen Effekt auf die Knöllchenbildung und die Bestandesentwicklung hat. Artspezifische Impfmittelprodukte für Phaseolus-Bohnen werden von verschiedenen Herstellern angeboten.

Die Aussaat in weiter Reihe eignet sich, damit sowohl gestriegelt als auch gehackt werden kann. Ausgesät werden 60 keimfähige Körner/m². Die Aussaatmenge in kg/ha variiert dabei stark in Abhängigkeit von der Tausendkornmasse (TKM) des jeweiligen Trockenbohnen-Typs. Die Aussaattiefe liegt zwischen 2,5 und 4 cm. Die Ablage auf die wasserführende Schicht begünstigt ein zügiges und gleichmäßiges Auflaufen. Blindstriegeln ist bei der flachen Aussaattiefe meist nicht möglich.

Wie auch Sojabohnen keimen Phaseolus-Bohnen epigäisch und entfalten ihre Keimblätter oberirdisch, welche bei Tauben beliebt sind. Angestrebt werden sollte eine zügige Keimung unter optimalen Bedingungen, damit Fraßschäden durch die Larven der Bohnensaatfliege und durch Tauben so gering wie möglich gehalten werden.

Unkrautregulierung

Im vorderen Teil des Bildes sieht man die gehackten Bohnen und im Hintergrund den Schlepper mit Hackgerät.
Hackgang in schwarzen Trockenbohnen

In der Auflaufphase sind die Keimlinge sehr empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung und können leicht abbrechen. Ein behutsamer Hackgang sowie ein leichtes Verschütten der durchstoßenden Keimlinge im Keimblattstadium können – ähnlich wie bei Sojabohnen – getestet werden, um Unkräuter in der Saatreihe zu verschütten.

Im Anschluss an die vollständige Entfaltung des ersten Laubblattpaares kann vorsichtig mit dem Striegeln begonnen werden. Der Einsatz des Striegels sollte dabei erst ab den Mittagsstunden erfolgen, damit die Pflanzen ausreichend flexibel und weniger anfällig für Verletzungen sind. Hacken ist bis zum Bestandesschluss möglich. Durch die Kombination von Striegel und Hacke kann ein sauberer Bestand etabliert werden.

Der Anbau von Trockenbohnen kann eine interessante Alternative darstellen, vorausgesetzt die Standortbedingungen lassen einen Anbau zu und die Vermarktung der Ware ist geklärt. Für Betriebe, die bereits erfolgreich Sojabohnen anbauen, ist der Schritt zum Trockenbohnenanbau häufig kleiner.

Hinweise zur Ernte

Auf einer Hand liegen grüne Kidneybohnen mit Schote und rote Kidneybohnen.
Kidneybohnen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien
Trockenbohnenbestand, Mitte Juli; man erkennt mehrere Reihen noch grüner Pflanzen
Trockenbohnenbestand, Mitte Juli

In Abhängigkeit des Aussaatzeitpunktes, der Sortenwahl und der regionalen Witterung präsentieren sich die Trockenbohnenbestände regional in unterschiedlichen Stadien der Abreife. Auf nicht beregnungsfähigen Flächen, konnten sich die Trockenbohnen in diesem Jahr nicht so üppig entwickeln. Früh gedrillte Bestände, die zur Blüten- und Hülsenbildung noch ausreichend mit Wasser versorgt waren bzw. beregnet wurden, konnten ausreichend Hülsen und Körner ausbilden, die jetzt abreifen bzw. druschreif sind. Dort, wo das Wasser in dieser entscheidenden Phase fehlte, wurden stressbedingt deutlich weniger körnertragende Hülsen angesetzt. Insgesamt präsentierten sich die Pflanzen relativ tolerant gegenüber den hohen Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit, wenngleich der Massezuwachs und die Hülsenbildung deutlich geringer ausfielen. Vereinzelt war in dieser Phase auch Spinnmilbenbefall zu beobachten.

Mit den Niederschlägen ab Mitte August trieben die Pflanzen aufgrund ihres indeterminierten Wuchses neu aus. In der Folge wurden neue Blüten gebildet und Hülsen angesetzt, die sich aktuell noch grün präsentieren. Durch die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Hülsen besteht aktuell die Herausforderung, den optimalen Druschzeitpunkt ausfindig zu machen.

Bestände, die bereits im Juli einen ausreichenden Hülsenansatz ausbilden konnten und deren Hülsen und Körner nun weitgehend abreifen bzw. druschreif sind, sollten bei geeigneten Witterungs- und Erntebedingungen zeitnah gedroschen werden. Ein Abwarten auf die Abreife der noch grünen, oberen Hülsen ist in diesen Beständen nicht empfehlenswert. Mit zunehmender Abreife steigt die Gefahr des Hülsenaufplatzens und damit von Ertrags- und Qualitätsverlusten. Daher sollten entsprechende Bestände regelmäßig auf ihren Feuchtegehalt kontrolliert und bei erreichten Druschreife zeitnah geerntet werden.

Detailaufnahme eines druschreifen Bohnenbestandes; man erkennt die reifen Bohnen.
Druschreifer Bestand

Anders verhält es sich bei Beständen, die erst mit den Niederschlägen ab Mitte August den überwiegenden Anteil an Hülsen gebildet haben und sich aktuell noch in der Kornfüllung befinden. Hier muss standortbedingt abgewogen werden, ob diese Körner noch bis Ende September/Mitte Oktober abreifen können, um dann spät gedroschen zu werden.

Druschfähig sind Trockenbohnen bei Restfeuchtegehalten zwischen 16-18%. Der Drusch sollte dann zeitnah erfolgen, um Ernteverluste und die Gefahr von Qualitätsverlusten durch Schimmelbildung in den Hülsen zu minimieren. Letzteres entsteht häufig durch lange Feuchtperioden im Spätsommer. Im Anschluss an den Drusch sollte das Erntegut direkt von Grünanteilen und Besatz getrennt werden, um Schimmelbildung im Erntegut zu vermeiden. Trockenbohnen sind bei Restfeuchtegehalten von 16-18% deutlich resilienter gegenüber mechanischer Beanspruchung durch z.B. Druschtechnik, Reinigungs- und Aufbereitungsanlagen. Erst im Anschluss an diese Schritte sollten die Bohnen schonend auf < 14% RF getrocknet werden, um sie lagerfähig zu machen.

Da der Hülsenansatz der Trockenbohnen sehr tief sitzt, bietet sich zum Drusch aus dem Stand die Verwendung eines Flexschneidwerks an, um auch die unteren Hülsen mit aufzunehmen.

Auch ein abgesetztes Verfahren mittels Schwaddrusch, der die Abreife des Bestandes künstlich herbeiführt, kann in Erwägung gezogen werden.

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