Hinweise zum Anbau von Trockenbohnen
Trockenbohnen, auch Auskernbohnen genannt, gehören zur Art Phaseolus vulgaris L. und sind vielen eher aus dem Hausgarten als frisch geerntete Buschbohnen bekannt.

Doch die Vielfalt der Phaseolus-Bohnen ist groß und umfasst neben grün zu erntenden Buschbohnen-Sorten auch solche, bei denen die Bohnen in der Hülse voll ausreifen und anschließend als Trockenbohnen geerntet werden. Der Farbvielfalt und den Variationen der ausgereiften Bohnen sind dabei so gut wie keine Grenzen gesetzt. Das wohl bekannteste Beispiel ist die rote Kidneybohne, die sowohl als Trockenware als auch in Wasser eingelegt in jedem Supermarkt zu finden ist. Aktuell stammt der Großteil der im Supermarkt angebotenen Trockenbohnen nicht aus regionaler Herkunft.
Die sich ändernden Anbaubedingungen durch den Klimawandel begünstigen die Anbauwürdigkeit der wärmeliebenden Trockenbohnen und machen den Anbau auch in Teilen Hessens zunehmend interessant.
Standortbedingungen
Die Phaseolus-Bohne gedeiht gut auf mittelschweren Lehmböden ohne Verdichtungen und Staunässe. Die Aussaat kann ab einer Bodentemperatur von 10 °C erfolgen. Der Aussaatzeitpunkt sollte so gewählt werden, dass das Risiko von Spätfrösten möglichst gering ist, da Phaseolus-Bohnen keinen Frost vertragen. Mit Blick auf die Eisheiligen (genauer Zeitraum jahresabhängig, meist Mitte Mai) sollten Wetterbericht und mögliche Kälteeinbrüche genau beobachtet werden. Sind keine Fröste mehr zu erwarten, kann bei passenden Bodenbedingungen und -temperaturen mit der Aussaat begonnen werden.

Typen- und Sortenwahl
Die Typen- und Sortenwahl der Phaseolus-Bohnen für die Produktion als Trockenbohnen ist groß, jedoch kommt nicht jeder Typ und jede Sorte für den großflächigen Anbau infrage. Neben der Saatgutverfügbarkeit und den anfallenden Saatgutkosten spielen auch der Reifezeitpunkt, das Abreifeverhalten, die Hülsenplatzfestigkeit, der Hülsenansatz sowie die Vermarktungsperspektiven des jeweiligen Typs eine entscheidende Rolle.
Aktuell werden in Deutschland auf landwirtschaftlichen Flächen hauptsächlich Sorten der Phaseolus-Typen
- schwarze Trockenbohne,
- rote Kidneybohne,
- Borlottibohne und
- weiße Bohne
angebaut. Weitere Typen und Sorten werden in Feldversuchen in Deutschland getestet. Der LLH testet seit letztem Jahr am Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach den Anbau der schwarzen Trockenbohne und in diesem Jahr auch die rote Kidneybohne.
Aussaat
Die Notwendigkeit der Saatgutimpfung mit den artspezifischen Bakterien für Phaseolus-Bohnen ist standortabhängig und nicht immer gegeben. Es empfiehlt sich, im ersten Anbaujahr durch einen Streifenvergleich (Saatgut mit und ohne Impfmittel) zu testen, ob die Impfung einen Effekt auf die Knöllchenbildung und die Bestandesentwicklung hat. Artspezifische Impfmittelprodukte für Phaseolus-Bohnen werden von verschiedenen Herstellern angeboten.
Die Aussaat in weiter Reihe eignet sich, damit sowohl gestriegelt als auch gehackt werden kann. Ausgesät werden 60 keimfähige Körner/m². Die Aussaatmenge in kg/ha variiert dabei stark in Abhängigkeit von der Tausendkornmasse (TKM) des jeweiligen Trockenbohnen-Typs. Die Aussaattiefe liegt zwischen 2,5 und 4 cm. Die Ablage auf die wasserführende Schicht begünstigt ein zügiges und gleichmäßiges Auflaufen. Blindstriegeln ist bei der flachen Aussaattiefe meist nicht möglich.
Wie auch Sojabohnen keimen Phaseolus-Bohnen epigäisch und entfalten ihre Keimblätter oberirdisch, welche bei Tauben beliebt sind. Angestrebt werden sollte eine zügige Keimung unter optimalen Bedingungen, damit Fraßschäden durch die Larven der Bohnensaatfliege und durch Tauben so gering wie möglich gehalten werden.
Unkrautregulierung

In der Auflaufphase sind die Keimlinge sehr empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung und können leicht abbrechen. Ein behutsamer Hackgang sowie ein leichtes Verschütten der durchstoßenden Keimlinge im Keimblattstadium können – ähnlich wie bei Sojabohnen – getestet werden, um Unkräuter in der Saatreihe zu verschütten.
Im Anschluss an die vollständige Entfaltung des ersten Laubblattpaares kann vorsichtig mit dem Striegeln begonnen werden. Der Einsatz des Striegels sollte dabei erst ab den Mittagsstunden erfolgen, damit die Pflanzen ausreichend flexibel und weniger anfällig für Verletzungen sind. Hacken ist bis zum Bestandesschluss möglich. Durch die Kombination von Striegel und Hacke kann ein sauberer Bestand etabliert werden.
Der Anbau von Trockenbohnen kann eine interessante Alternative darstellen, vorausgesetzt die Standortbedingungen lassen einen Anbau zu und die Vermarktung der Ware ist geklärt. Für Betriebe, die bereits erfolgreich Sojabohnen anbauen, ist der Schritt zum Trockenbohnenanbau häufig kleiner.
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