Ernte und Lagerung von Sojabohnen

Während das Hauptaugenmerk vieler Betriebe in den vergangenen Wochen auf der Ernte, Stoppelbearbeitung sowie der Raps- und Zwischenfruchtaussaat lag, steht die Ernte von Sojabohnen noch bevor. Die Entwicklung der Bestände lässt, trotz einiger Herausforderungen in diesem Jahr, eine zufriedenstellende Ernte erwarten.

Vogelfraß verhindern

In einigen Regionen lag nach der Aussaat der Sojabohnen neben der Unkrautregulierung besonders die Vergrämung von Fraßfeinden wie Tauben oder Krähen im Fokus der Betriebe. Die Tiere haben es auf die oberirdischen Keimblätter der Sojabohnen abgesehen. Es wird empfohlen den Aussaatzeitpunkt vor einer Schönwetterphase und bei ausreichender Bodenfeuchte und -temperatur zu wählen. Optimale Aussaatbedingungen fördert die zügige Keimung und Jugendentwicklung der Sojabohne. Wachsen die Pflanzen den Tieren nicht schnell genug aus dem Schnabel bzw. ist die Vergrämung der Tiere in dieser kritischen Phase nicht erfolgreich, muss mit Pflanzenverlusten gerechnet werden. Geringe Pflanzenverluste bis max. 40 Pflanzen/m² können Sojabohnen durch ihr Verzweigungsvermögen meist noch gut kompensieren und Lücken schließen. Dies haben sie auch in diesem Jahr wieder gezeigt.

Herausforderung Unkrautregulierung

Eine besondere Herausforderung war in diesem Jahr die erfolgreiche Unkrautregulierung der Sojabohnenbestände. Aufgrund der Trockenheit nach der Aussaat kam es vielerorts zu einer Minderwirkung der Vorauflauf-Herbizide. Im weiteren Vegetationsverlauf und mit den einsetzenden Niederschlägen Ende Mai/Anfang Juni konnten Unkräuter, wie weißer Gänsefuß, keimen und sich etablieren. Für die Behandlung im Nachauflauf stehen aktuell nur wenige Mittel zur Verfügung, die nicht immer zum gewünschten Erfolg geführt haben.

Alternativ können mechanische Unkrautregulierungsmaßnahmen, wie der Striegel zum Blindstriegeln im Vorauflauf, eingesetzt werden. Im Nachauflauf können nach Entfaltung des ersten Laubblattes und bei passendem Reihenabstand die Hacke sowie der Striegel eingesetzt werden.

Die Kombination chemischer und mechanischer Verfahren vergrößert den Handlungsspielraum und ermöglicht eine später Bekämpfung von Unkräutern, wenn chemische Verfahren im Vorauflauf nicht zum gewünschten Erfolg führen. Der Einsatz von Hacktechnik in und zwischen den Reihen ist bis zum Reihenschluss möglich. Das mögliche Kombinationsverfahren muss schon bei der Aussaat mitgedacht werden, um die Sojabohnen in passenden Reihenabständen zur Hacktechnik auszusäen.

Die Sojabohnenbestände haben sich, wenn der Konkurrenzdruck der Unkräuter nicht zu hoch war, im weiteren Vegetationsverlauf gut entwickelt. Durch die Niederschläge im Juli stand vielerorts das nötige Wasser zur Blüte und Ausbildung der Hülsenansätze zur Verfügung.

Spinnmilben in Sojabohnen

Gelbes Blatt mit Spinnmilbenbefall auf der Blattunterseite, in einer Hand liegend
Typische Verfärbung des Blattes mit Gespinsten und Spinnmilbenbefall auf der Blattunterseite

Mit Beginn der trockenen Wetterphase im August war vermehrt die Einwanderung von Spinnmilben (Tetranychidae) in die Sojabestände zu beobachten. Die Ausbreitung von Spinnmilben ist besonders in Jahren, wie diesem, mit langen Trockenphasen zu beobachten. Spinnmilben wandern dann auf der Suche nach Nahrung von der Feldrandvegetation in die Sojabestände ein. Gefördert wird deren Einwanderung, wenn die Feldränder gemulcht werden und keine Nahrungsgrundlage mehr bieten. Die Milben stechen mit ihren Mundwerkzeugen Pflanzenzellen der Blätter an und saugen diese aus. In der Folge sterben zunächst einzelne Zellen ab (Tüpfelung der Blätter). Im weiteren Verlauf verfärben sich die Blätter gelb über bronzefarben, braun und fallen schlussendlich ab. Auf befallenen Blättern sind auf deren Unterseite die typischen Gespinste der Spinnmilben zu erkennen. Die kleinen Tierchen sind häufig nur mit einer Lupe auf der Blattunterseite zu identifizieren. Je nach Zeitpunkt der Einwanderung, Höhe des Befalls und der Blattverluste, kann es zu Ertragsverlusten kommen. Denn die Photosyntheseleistung der Pflanze wird durch den Blattzellenverlust reduziert. Spinnmilben profitieren von trockenen Wetterphasen, in denen die Pflanzen unter Trockenstress leiden. In solchen Phasen können sich Populationen schnell bis ins Feldinnere ausbreiten. Aktuell stehen keine in Sojabohnen zugelassenen Insektizide zur Verfügung. Die Bekämpfungswürdigkeit ist außerdem vom Zeitpunkt und der Stärke des Befalls abhängig. Die Förderung natürlicher pilzlicher (Neozygites floridana) oder tierischer Gegenspieler wie Raubmilben (z.B. Arten der Phytoseidae), Gemeine Florfliegen (Chrysoperla Carnea) oder Raubwanzen (Orius ssp) sollte gefördert werden. Auch die Minderung von Trockenstress für die Pflanze durch angepasste Kulturmaßnahmen kann Abhilfe schaffen. Endet die Trockenphase, bricht meist auch die Spinnmilbenpopulation zusammen, da die natürlichen Gegenspieler wieder die Oberhand gewinnen. In Jahren mit normaler Niederschlagsverteilung und geringen Trockenstressphasen halten die natürlichen Gegenspieler die Spinnmilbenpopulationen in Schach.

Druschzeitpunkt

Sojabohnenfeld mit zwei unterschiedlichen Sorten, die Sorte links ist bereits braun, rechte Sorte ist noch grün.
Deutliche Sortenunterschiede im Abreifeverhalten und Zeitpunkt des Blattabwurfs Anfang September

Im normalen Vegetationsverlauf beginnen gesunde Sojabohnen je nach Sorte, Reifegruppe und Witterungsverlauf ab Mitte bis Ende August (Reifegruppe 000) bzw. Anfang bis Mitte September (Reifegruppe 00) ihre Blätter abzuwerfen. Nach wie vor ist der Reifezeitpunkt entscheidend für den Erfolg des Sojaanbaus in Hessen. Die Ernte erfolgt je nach Standort, Witterung und Sorte, meist im September. Es empfiehlt sich, die Abreife der Bestände regelmäßig zu kontrollieren, denn auch Bestände mit teilweise noch grünen Blättern können erntereif sein. Wird mit der Ernte zu lange gewartet, ist mit Qualitätseinbußen z.B. durch erhöhten Pilzdruck, aber auch Massenverluste durch Hülsenplatzen, zu rechnen. Zur Bestimmung der Reifebonitur bei Sojabohnen hat der Deutsche Sojaförderring e.V. ein Merkblatt und ein Video erstellt. In Abhängigkeit der Sorte und Klassifizierung in Reifegruppen, werden die Sorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif. Die in Hessen angebauten Reifegruppen (000= sehr früh, 00= früh), unterscheiden sich in ihrer Abreife ca. 8 Tagen voneinander. Eine Grundeinordnung ist zwar möglich, jedoch ist das Reifeverhalten innerhalb und zwischen den einzelnen Reifegruppen sehr heterogen. Daher benotet das Bundessortenamt zusätzlich die Reife und die Ertragseigenschaften (Korn-, Protein-, Öl-Ertrag) der Sorten von 1 – 9 siehe Erläuterung.

Note 1 = niedrige Ausprägung des Merkmals (gering, kurz, früh)
Note 5 = wird bei durch-schnittlicher Einstufung vergeben
Note 9 = starke Ausprägung des Merkmals (hoch, lang, spät)

Die Bewertung der Reife und weiterer Parameter wie Wuchshöhe und Proteingehalt können in den Ergebnissen der Landessortenversuche abgelesen werden. Dies hilft bei der Sortenwahl und der Orientierung wie sich die einzelnen Sorten in der Abreife verhalten (siehe Sortenempfehlung integriert und LSV-Ergebnisse 2025 ökologisch).

Die sichere Abreife von Soja in Grenzanbaugebieten (siehe Karte zur Anbaueignung von Sojabohnen) ist nach wie vor ausschlaggebend für den Erfolg. Nur wenn zuverlässig geerntet werden kann, ist Soja eine interessante Alternative.

Vorbeugende Maßnahmen und Erntetechnik:

Eine Ernte zum erst möglichen Termin bei einer Restfeuchte des Korns von 14-18 % sollte angestrebt werden. Das Risiko einer erschwerten Soja-Ernte steigt mit der Verschiebung der Ernte in den Oktober. Kalte und nasse Wetterumschwünge zur Zeit der Sojaernte und damit schlechte Befahrbarkeit der Äcker sind zu vermeiden. Daher sind sichere und rechtzeitig abreifende Sorten (Ernte im September) entscheidend. Daneben stellt die Ernte der Sojabohne besondere Anforderungen an die Erntetechnik, sowie die nachfolgende Erntekette bis ins Lager und der dortigen Lagerung.

Tiefer Hülsenansatz:

Der tiefe Hülsenansatz der Sojapflanze führt bei herkömmlicher Druschtechnik häufig zu hohen Ernteverlusten, da die unteren Hülsen nicht mit gedroschen werden. Zu groß ist die Gefahr, dass bei tiefer Führung des Schneidwerks Steine und Erde mit aufgenommen werden und dadurch Schaden angerichtet bzw. Erntegut verschmutzt wird.

Um dies zu vermeiden, ist neben der Wahl möglichst steinfreier, ebener Flächen ein ebenes Saatbeet wichtig. Dies kann durch Anwalzen der Saat erzielt werden. Das Saatgut erhält so verbesserten Anschluss an das Bodenwasser; gleichzeitig werden Steine in die Ackerkrume gedrückt, was die Ernte zusätzlich erleichtert.

Technische Anpassung:

Lohnunternehmen und Anbauer von Soja verfügen zumeist über ein Flexschneidwerk. Diese Technik ermöglicht eine flexible Anpassung an den Boden. Ernteverluste können durch einen tieferen Schnitt und Aufnahme der untersten Hülsen minimiert und die Sojabohne sauber gedroschen werden. Die hohe Anpassungsfähigkeit und der Ausgleich von Unebenheiten von >30 cm (je nach Hersteller) wird durch einen auf Kufen geführten, durchgehend flexiblen Messerbalken erreicht. Die Gefahr, dass Erde oder Steine auch bei größeren Arbeitsbreiten aufgenommen werden, wird dadurch stark minimiert. Weitere Informationen zu flexiblen Schneidwerken und der richtigen Einstellung des Mähdreschers erhalten Sie auf der Website des deutschen Sojaförderrings.

Lagerung:

Auch im Lager stellt die Sojabohnen in Abhängigkeit der Kornfeuchte, spezielle Anforderungen an die Handhabung und Lagerdauer. Diese müssen beachtet werden, um über die gesamte Lagerdauer eine qualitativ hochwertige Ware liefern zu können.

Die Sojabohne nimmt hinsichtlich der Lagerung eine Sonderstellung ein, da sie bei normaler Restfeuchte (<14 %) im Vergleich zu Getreide oder anderen Körnerleguminosen, eine relativ schlechte Lagerfähigkeit, aufweist. Nach Angaben vom Sojaförderring sind Sojabohnen in Abhängigkeit der Restfeuchte unterschiedlich lang lagerfähig (sieht Tabelle 1). Um Schimmelbildung im Sojalager zu vermeiden ist eine relative Luftfeuchte von 65 % oder weniger einzuhalten.

Tabelle 1:
Lagerdauer der Sojabohne in Abhängigkeit der Kornfeuchte (nach M. Miersch: Lagerung von Sojabohnen; erschienen in Taifun Sojainfo Nr.11 06 2015)

 

KornfeuchteLagerdauer
14 %6 Monate (Kühllagerung bei 6-8 °C)
13 %6-9 Monate (über Winter)
12 %1 Jahr
11 %1-3 Jahre

Hinzu kommt eine erhöhte Gefahr des Verderbs durch Bohnen die Risse aufweisen und damit Luft und Pilzinfektionen leichter eindringen können. Eine schonende Erntekette ist Voraussetzung für eine gute Lagerfähigkeit.

Neben der Feuchte ist auch der Faktor Lagertemperatur entscheidende für die Lagerdauer. Denn nur bei entsprechende Korntemperatur ist die Bohnen in Zusammenhang mit der in Tabelle 1 angegebenen Kornfeuchte entsprechend lagerfähig. Tabelle 2 zeigt die ungefähr, tolerierbare Lagerdauer von Sojabohnen in Tagen.

Tabelle 2:
Lagerdauer in Tagen in Abhängigkeit der Korntemperatur und –feuchte (nach K. Hellevang, 2012)

Korntemperatur
Kornfeuchte-1°C4°C10°C16°C21°C27°C
11 %>300>300>300>300200140
12 %>300>300>30024012570
13 %>300>3002301207040
14 %>300280130754520
15 %>30020090503015
16 %>30014070352010
17 %>300905025147
19 %19060301583
21 %13040151062
23 %903512852
25 %703010742

Aufbereitung:

In der Verwendung als Tierfutter müssen Sojabohnen vor der Fütterung an Geflügel oder Schweine thermisch aufbereitet werden. Antinutritive Substanzen (vorwiegend Trypsininhibitoren) in der Sojabohne hemmen das eiweißspaltende Enzym Trypsin. Eine thermische Inaktivierung durch unterschiedliche Verfahren ist daher notwendig. Aufgrund des hohen Fettgehaltes der Sojabohne (ca. 20 %) ist auch eine Entölung zu empfehlen, da sonst mit Leistungs- und Qualitätseinbußen von Monogastern zu erwarten sind. Nach der Entölung kann der gewonnene Presskuchen oder das Extraktionsschrot verwendet werden. Das gewonnene Sojaöl kann als wertvolles Speise- oder Futteröl weitere Verwendung finden. Dazu müssen Toast- und Entölungsanlagen in der Region verfügbar sein. Auf der Seite des Sojaförderrings finden Sie Hinweise zu stationären und mobilen Toast- und Entölungsanlagen, die überregional und auch in Hessen zur Verfügung stehen.

Für die mobile Toastung empfiehlt es sich mit anderen Soja anbauenden Betrieben abzusprechen. Mit der Wahl eines zentralen, gut erreichbaren Ortes können der Durchsatz erhöht und die Anfahrtskosten geteilt werden.

Für weitere Informationen rund um Körnerleguminosen besuchen Sie die Webseiten des LeguNet und des LLH.

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