Was ist bei der Ernte und Aufbereitung von Körnerleguminosen zu beachten?

Die teils hohen Temperaturen und Hitzeereignisse der vergangenen Wochen bedeuteten auch für viele Körnerleguminosenbestände Stress. Besonders wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Blüte und Hülsenbildung befunden haben und keine ausreichende Wasserversorgung gegeben war, muss mit Ertragseinbußen gerechnet werden. Erbsenbestände sowie deren Winterformen reifen unter den aktuellen Wetterbedingungen zügig ab oder wurden je nach Region in den vergangenen Tagen bereits gedroschen. Die Ackerbohnenbestände zeigen in Abhängigkeit vom Standort und den Bodenverhältnissen Trocken- und Hitzestress und gehen dadurch bedingt ebenfalls Richtung Abreife. Die Süßlupinen werden folgen, während sich Sojabohnen noch in der Blüte und Hülsenbildung befinden und die Wetterlagen ab August und September über deren Abreifeverhalten entscheiden. In vielen Regionen Hessens waren frühe Aussaaten und effektive Unkrautregulierungsmaßnahmen zum passenden Zeitpunkt möglich. Die Bestände haben daher oft sauber geschlossen, den Boden gut bedeckt und keimende Unkräuter unterdrückt. Durch die anhaltend trockenen Bedingungen, ist auch während der Abreife von Erbsen und Ackerbohnen mit nur geringen Keimungsraten und Durchwuchs von Unkräutern zu rechnen. Anders verhält es sich, wenn nicht alle Unkräuter erfolgreich unterdrückt werden konnten oder Wurzelunkräuter auf den Flächen auftreten. Diese können dann mit Abreife der Bestände und dem erhöhten Lichteinfall durchwachsen und bei der Ernte und im Nacherntemanagement zu erheblichen Problemen führen.

Erntezeitpunkt

In Abhängigkeit von der Witterung, dem Abreifeverhalten und dem Hülsenplatzens, sind die Körnerleguminosenbestände stetig im Blick zu behalten, um den optimalen Druschzeitpunkt zu erwischen. Diese ist erreicht, wenn die Bestände ausreichend abgereift, die Pflanzen trocken und brüchig, die Hülsen braun verfärbt und die Körner in den Hülsen rascheln. Passt auch der Restfeuchtegehalt der Körner, kann gedroschen werden. Bei Erbsen und Ackerbohnen liegt der optimale Restfeuchtegehalt zwischen 14 – 18 %. Um Ausfallverluste durch Hülsenplatzen zu minimieren, können Erbsen oder Ackerbohnen in den Vormittags- bzw. Abendstunden, bei höherer Luftfeuchtigkeit gedroschen werden.                                                                     Restfeuchtegehalte < 14 % können in Verbindung mit zu scharfer Dreschereinstellung zu vermehrtem Bruchkorn führen. Wird mit dem Drusch von Erbsen und Ackerbohnen zu lange gewartet, andere Kulturen bevorzugt oder zieht sich die Ernte über mehrere Wochen, können Ausfallverluste durch Hülsenplatzen und somit Ernteverluste drohen.

Der Besatz des Erntegutes mit Pflanzenmaterialien (Schalen, Hülsen oder Unkrautsamen), die zusätzliche Feuchtigkeit mit ins Lager bringen, ist zu vermeiden. Hierzu ist auf die richtige Einstellung des Mähdreschers zu achten. Informationen über die richtige und verlustarme Mähdreschereinstellung finden Sie auf der Seite des LeguNet (www.legunet.de) unter den jeweiligen Kulturen. Ein geringerer Besatz mit Pflanzenmaterialien verringert die späteren Kosten der Reinigung und einer möglichen Trocknung. Können geforderte Restfeuchten zum Drusch aufgrund der oben genannten Parameter oder durch Unkrautbesatz nicht erreicht werden, sollte sich frühzeitig über die Möglichkeit einer Reinigung und Trocknung informiert werden. Nur so können Qualitätsverluste und die Ausbreitung von Pilzinfektionen im Lager verhindert werden. Für die spätere Nutzung der Körnerleguminosen als Futter, Saatgut oder Speiseware muss die Ware entsprechend gesund und frei von Schädlingen sein sowie gereinigt und getrocknet werden, um lagerfähig zu bleiben.      

Reinigung

geerntete Ackerbohnen auf einen Anhänger
Ackerbohnen mit geringem Unkrautbesatz

Empfohlen wird, eine erste Vorreinigung der Körnerleguminosen einer Trocknung vorzuschalten, da Körner mit etwas höheren Restfeuchten (15 bis 16 %) widerstandsfähiger gegen mechanische Beanspruchung sind.

Zu beachten sind die erhöhte Schädigungs- und Bruchgefahr trockener Körnerleguminosen, in Verbindung mit einer mechanischen Vorreinigung oder dem Fall aus großer Höhe. Ein schonender Umgang mit dem Erntegut verringert den Bruchanteil und Abzüge beim späteren Verkauf. Des Weiteren können Verletzungen und Haarrisse zu erheblichem Verlust der Keimfähigkeit bei der Saatguterzeugung führen. Nach der Reinigung ist in Abhängigkeit von der gemessenen Restfeuchte zu entscheiden, ob und wie getrocknet werden muss, um eine lagerfähige Ware zu sichern.

Trocknung

Trocknen mit Außenluft

Ziel der Trocknung ist ein Restfeuchtegehalt von unter 14 %, um die Ware lagerfähig zu machen. Saatgut sollte mit einer Restfeuchte von 15 % eingelagert werden, um eine hohe Keimfähigkeit zu erhalten. Unter günstigen Temperatur- und Luftfeuchtebedingungen ist eine Trocknung mit Außenluft ausreichend, wenn von maximal 17 bis 18 % Restfeuchte heruntergetrocknet werden muss. Um eine Wiederbefeuchtung des Erntegutes durch die Außenluft zu verhindern, darf die relative Luftfeuchte maximal 65 % betragen. Die Temperaturdifferenz zwischen Zuluft und der Luft im Erntestapel sollte 7°C nicht überschreiten. Generell ist darauf zu achten, dass die zugeführte Außenluft eine geringere Temperatur gegenüber der Luft im Erntestapel aufweist. Der Erfolg der Belüftungstrocknung mit reiner Außenluft nimmt mit steigender Größe der Erntekörner ab und funktioniert bei Ackerbohnen weniger gut als z. B. bei Getreide. Allgemein besitzen grobkörnige Leguminosen ein relativ schlechtes Wasserabgabevermögen, weswegen eine Trocknung immer schonend und langsam erfolgen muss. Maximal 4 % Wasser bei Futterware und 2,5 % Wasser bei Saatgut sollten pro Trocknungsgang entzogen werden. Zwischen den einzelnen Trocknungsgängen sind Abstände von mindestens drei Tagen einzuhalten.

Trocknen mit Warmluft

Bei der Einfuhr der Ernte mit Restfeuchten über 18 % muss mit Warmluft getrocknet werden. Hier ist die „kritische Korntemperatur“ und die damit zusammenhängende maximale Höhe der einzusetzenden Warmluft zu beachten (Tab. 1). Wird die kritische Korntemperatur überschritten, führt dies zum Verlust von Keimfähigkeit.

Da die Korntemperatur nicht der Temperatur der Trocknungsluft entspricht, sollte dies an unterschiedlichen Stellen des Erntehaufens händisch überprüft werden, um diese nachzukorrigieren. In der Regel liegen die Korntemperaturen jedoch unter denen der Trocknungsluft. Tabelle 1 zeigt die kritischen Korntemperaturen verschiedener Körnerleguminosen im Vergleich zu Weizen bei der Saatguttrocknung. Dabei wird von einer maximalen Einwirkungsdauer von 80 Minuten ausgegangen, um eine ausreichende Lagerfähigkeit zu erhalten, die nur dann erreicht wird, wenn im Anschluss an die Trocknung der Erntestapel auf mindestens 20°C besser 15°C runtergekühlt wird.

kritische Korntemperaturen bei der Trocknung in °C bei:
Kornfeuchte (%)AckerbohneKörnererbseLupineWeizen
1639414452
1837384148
2034364044
2232343842
Quelle: Kruse (2018): Praxishandbuch Saatgutaufbereitung

Säurekonservierung

Bei der Verwertung von Körnerleguminosen als Tierfutter können Ackerbohnen und Erbsen auch durch den Einsatz von organischen Säuren konserviert werden. Die Konservierung mit Säure muss durch ein vereinfachtes HACCP-Konzept dokumentiert werden. Weitere Information zu dieser Konservierungsmethode finden Sie über die UFOP-Broschüre.

Abnahme

Wer derzeit noch Vermarktungsmöglichkeiten für seine Körnerleguminosen sucht und noch keinen passenden Abnehmer gefunden hat, kann sich über die Abnehmerkarte der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) einen Überblick auch über regionale Landhändler verschaffen.

Mit Saatgut besonders vorsichtig umgehen

Sollen Ackerbohnen und Körnererbsen als Saatgut genutzt werden, ist beim Fördern im Lager nach Möglichkeit darauf zu achten, dass große Fallhöhen insbesondere bei abschließend getrockneter Ware vermieden werden. Alle Körnerleguminosen sind relativ anfällig für Haarrisse bzw. Bruch, was sich negativ auf deren Keimfähigkeit auswirkt. Speziell vor einem Anbau von Ackerbohnen sollte geprüft werden, ob die vorhandene Fördertechnik, insbesondere die Körnerschnecken, für die große Körner geeignet sind.

Ackerbohnen- und Erbsenkäfer sind keine Lagerschädlinge

Lagerschädlinge machen in Ackerbohnen und Körnererbsen weniger Probleme als beispielsweise in Getreide. Der in Ackerbohnen auftretende Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus) bzw. in Erbsen auftretende Erbsenkäfer (Bruchus pisorum L.) kommen über das Erntegut mit ins Lager. Diese sind aber keine Lagerschädlinge, da sich beide Arten im Lager nicht vermehren. Ein Teil der Käferlarven schließt ihre Entwicklung zum Käfer noch vor dem Drusch der Bestände ab, tritt als Käfer aus (erkennbar an dem Loch im Korn), um im Freien zu überwintern. Aber nicht alle Larven schaffen es, ihre Entwicklung bis zum Druschzeitpunkt abzuschließen. So gelangen diese im Korn mit ins Lager und erscheinen dort zu einem späteren Zeitpunkt bzw. wenn die Temperaturen im Frühjahr wieder ansteigen. So besteht die Möglichkeit, bei der Aussaat von Nachbausaatgut im Folgejahr, den Käfer als Feldschädling gleich wieder mit auszubringen. Tendenziell scheint der Zuflug aus der Schlagumgebung eine größere Rolle zu spielen als das verwendete Saatgut.

Soll der Austritt der Käfer aus den Körnern im Lager verhindert werden, damit sich später keine Käfer im Saatgut, oder in der Ware befinden, bzw. sich der Lochfraßanteil im Lager nicht weiter erhöht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dem Erntegut zu verfahren, um dem entgegenzuwirken.

  1. Tief frieren bei −18 bis −20 °C für 2–3 Tage – so werden alle Entwicklungsstadien zuverlässig abgetötet
  2. Druckentwesung mittels Kohlendioxid (CO₂) – durch Dienstleister mit entsprechender Begasungstechnologie

Des Weiteren kann versucht werden, Erbsen und Bohnen mit Löchern, mittels Gewichtsausleser herauszusortieren, da diese häufig leichter sind als intakte Körner.

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