Ergebnisse der LSV Winterraps 2024/25 & Empfehlungen
Raps bringt solide Erträge
Nach guten Wintergerstenerträgen fallen die Winterrapserträge in der Praxis auch meist zufriedenstellend aus, obwohl die Frühjahrstrockenheit herausfordernd war. Auf guten Standorten, die zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Niederschläge hatten, wurden sogar sehr gute Erträge erzielt. Einige Rapsflächen mussten im Frühjahr allerdings umgebrochen werden, da sich die Bestände schlecht entwickelt hatten. Die Ernte kam durch häufige Niederschläge ins Stocken. In abgereiften Beständen erhöht dies das Risiko, dass Schoten platzen und es zu Ernteverlusten kommt. Zudem stellte die Witterung die Standfestigkeit der Sorten in einigen Regionen auf den Prüfstand.
Züchtung sichert Erträge ab
Betrachtet man die Rapserträge der letzten Jahre, so fällt auf, dass seit Beginn der 2000er Jahre kein wirklicher Ertragsfortschritt erkennbar ist und die Ertragsschwankungen tendenziell zugenommen haben (Abbildung 1). Dieses Phänomen ist nicht nur bei Raps, sondern auch bei anderen Kulturen in vielen Regionen Europas zu beobachten. Die Ertragsleistung wird durch das Zusammenspiel von Umweltbedingungen, pflanzenbaulichem Management und Sorteneigenschaften bestimmt. Ursachen für die Ertragsstagnation sind daher vielfältig. Einen großen Beitrag haben steigende Temperaturen, abnehmender Niederschlag im Frühjahr und Sommer sowie vermehrte Starkregenereignisse. Raps reagiert besonders empfindlich mit Ertragsreduktion bei Stresseinwirkung von der Blüte bis zum Beginn der Samenfüllung. Zusätzlich werden Rapsschädlinge durch mildere Winter und höhere Temperaturen gefördert. Ihre Bekämpfung gestaltet sich aber zunehmend schwieriger, da weniger Wirkstoffe zur Verfügung stehen. Auch die Verengung der Fruchtfolgen hat zu einem höheren Schädlings- und Krankheitsdruck beigetragen. Und nicht zuletzt liegt die durch die Düngeverordnung (DÜV) eingeschränkte Stickstoffdüngung oft unterhalb des ökonomischen Optimums.
Aus der Ertragsstagnation kann jedoch nicht geschlossen werden, dass durch Züchtung kein Ertragsfortschritt mehr erzielt werden kann. Untersuchungen der Universität Gießen belegen einen jährlichen Zuchtfortschritt von 0,35 bis 0,45 dt/ha. Dazu hat unter anderem eine verbesserte Stickstoffeffizienz beigetragen, also die Effizienz, mit der Stickstoff aus dem Boden aufgenommen und in Ertrag umgesetzt wird. Züchtungsfortschritt wirkt somit den negativen Einflüssen von Umweltbedingungen und einem nicht optimalen Management entgegen und sichert Erträge ab.
Warm und trocken mit moderatem Krankheits- und Schädlingsdruck
Die Aussaat von Winterraps konnte in allen hessischen Regionen im normalen Zeitfenster erfolgen, und der Anteil der Spätsaaten war geringer als in den vergangenen Jahren. Die Niederschläge im August und September variierten regional, von leicht unterdurchschnittlich bis leicht erhöht. Zur Aussaat lagen meist gute Bodenverhältnisse vor. Von Oktober bis zur Ernte fiel – mit Ausnahme des Januars – weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Überdurchschnittliche Temperaturen ermöglichten ein Wachstum bis November, in einigen Lagen sogar bis Dezember. Die hohen Niederschläge im Januar führten vor allem auf schweren, tonreichen Böden zu Entwicklungsverzögerungen, Blattverlusten und einer Violettfärbung des Blattapparates. Nach stärkeren Frösten in der ersten Februarhälfte zeigten nahezu alle Rapsbestände eine Violettfärbung.
Eine solche Verfärbung wird durch eine Anreicherung von Anthocyanen verursacht, die durch spezifische Umweltbedingungen ausgelöst werden kann. Bei geringen Temperaturen und hoher Einstrahlung kann ein Ungleichgewicht zwischen Strahlungsaufnahme, CO2-Assimilation und Assimilatverwertung für das Wachstum entstehen. Dieses Ungleichgewicht führt zu Energieüberschüssen, die wiederum die Bildung schädlicher Verbindungen (reaktive Sauerstoffspezies) begünstigen und das Wachstum beeinträchtigen. Die Anreicherung von Anthocyanen stellt somit einen Schutzmechanismus dar. Auch im weiteren Verlauf des Frühjahrs und Frühsommers war die Einstrahlung überdurchschnittlich, was dann die Ertragsbildung förderte. Eine weitere Ursache für eine Violettfärbung ist Nährstoffmangel. So führt Phosphormangel bei verschiedenen Pflanzenarten zu einer Rot- bzw. Violettfärbung. Ein schlecht entwickeltes Wurzelsystem oder kalt-feuchte Bedingungen können einen P-Mangel auslösen oder verstärken. Bei Brassica-Arten kann auch Stickstoffmangel zu einer Violettfärbung führen, wobei ältere Blätter zuerst betroffen sind. Im Gegensatz dazu zeigt sich eine Violettfärbung bei Schwefelmangel zuerst an jüngeren Blättern.
Blattlausflug wurde im Herbst landesweit auf relativ vielen Schlägen beobachtet. Durch die Wahl resistenter Sorten kann man einer Infektion mit dem durch Blattläuse übertragenen Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) vorbeugen. Neben Blattläusen wurde im Herbst Befall mit Schwarzem Kohltriebrüssler und Erdfloh festgestellt. Mitte bis Ende Februar herrschten tagsüber relativ hohe Temperaturen, die den Zuflug von Rapsstengelrüßler und Geflecktem Kohltriebrüssler förderten. Die Schadschwellen wurden, wenn überhaupt, nur in Südhessen überschritten. Ab Anfang März nahm der Rüsslerzuflug flächendeckend zu, mit Überschreitungen der Schadschwelle. Ende März kam es zu vermehrtem Zuflug von Rapsglanzkäfern, der Befall blieb jedoch insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Der Befall mit Kohlschotenrüssler war tendenziell etwas höher, vor allem in den Randbereichen der Schläge. Phomainfektionen fielen insgesamt moderat aus; hohe Befallsraten wurden nur in wenigen Regionen beobachtet, vor allem auf unbehandelten Schlägen. Starke Niederschläge, die regional vor der Ernte auftraten, führten bei weniger standfesten Sorten zu Lager.
Hinweis
Den gesamten Beitrag incl. aller Tabellen finden Sie hier zum Herunterladen:





