Ergebnisse der LSV Winterroggen 2024/25 & Empfehlungen

Roggen-Erträge übertreffen Erwartungen

Die Bedingungen zur Aussaat von Winterroggen waren nicht überall in Hessen optimal. Bei ungünstigen, feuchten Bodenverhältnissen konnte nicht immer eine optimale Saatgutablage gewährleistet werden. Überdurchschnittliche Temperaturen im Herbst begünstigten jedoch die Bestandesentwicklung. Das Niederschlagsdefizit ab dem zeitigen Frühjahr ließ eine unterdurchschnittliche Roggenernte befürchten. Niederschläge Anfang Juni verhinderten jedoch vermutlich größere Ertragseinbußen. Zudem hat Roggen einen geringeren Wasserbedarf als andere Getreidearten und ein gut ausgebildetes Wurzelsystem. Darüber hinaus war der Krankheitsdruck witterungsbedingt gering. Rost trat, wenn überhaupt, erst in späteren Stadien auf und hatte keinen Einfluss mehr auf den Ertrag. Rhynchosporium hatte vereinzelt eine Bedeutung, Mutterkorn war jedoch in einigen Beständen ein Thema. Die unbeständige Wetterlage rund um die Ernte führte zu Ernteverzögerungen, was das Risiko von Auswuchs und dem Absinken der Fallzahl erhöhen kann. Anders als in einigen anderen Regionen Deutschlands stellen zu geringe Fallzahlen hier meist kein Problem dar. Nach dem enttäuschenden Vorjahr konnten die hessischen Roggenanbauer daher – abgesehen von leichten Standorten – wieder durchschnittliche bis gute Roggenerträge und -qualitäten erzielen.

Global eher unbedeutend – für die heimische Brotkultur unverzichtbar

Der Roggenanbau in der EU macht rund 60 % des weltweiten Roggenanbaus aus und wird von Deutschland und Polen dominiert, die zusammen 42,7 % der Anbaufläche stellen. Auf den Weltgetreidemärkten spielt Roggen mit einem Anteil von 0,5 % hingegen keine Rolle. Auch in Deutschland hat die Bedeutung von Roggen kontinuierlich abgenommen. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 23 Prozent des Ackerlandes mit Roggen bebaut wurden, schrumpfte der Anteil bis 2024 auf 4,6 Prozent. In Hessen beträgt er sogar nur noch 3 %. Roggen- und Roggenmischbrote sind aber nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der deutschen Brotvielfalt. Der weitaus größte Anteil der heimischen Produktion geht jedoch in den Futtertrog; nur 16% werden direkt für die menschliche Ernährung genutzt.

Roggen kann jedoch mit verschiedenen agronomischen Vorteilen punkten und zur Steigerung der Nachhaltigkeit beitragen. Sein gut ausgebildetes Wurzelsystems ermöglicht es Roggen, auch in Jahren mit Trockenperioden sein Ertragspotenzial weitgehend ausschöpfen. Zudem reagiert er weniger stark mit Ertragsverlusten auf eine Reduktion der Stickstoffversorgung. Das macht ihn für den Anbau in roten Gebieten interessant. Roggen kann außerdem einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung von Fruchtfolgen leisten. Der im Vergleich zu Weizen frühere Erntetermin ermöglicht einen Zwischenfruchtanbau, und auch Untersaaten lassen sich in Roggen relativ problemlos etablieren. Züchterischer Fortschritt – vor allem im Bereich der Hybridzüchtung – hat nicht zuletzt leistungsfähige Sorten hervorgebracht, die weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Auf den produktivsten Standorten ist Weizen nach wie vor die leistungsfähigste Getreideart. Auf etwas schwächeren Standorten hingegen weist Roggen laut neuen Untersuchungen ein ähnlich hohes oder sogar höheres Ertragspotenzial auf. Es besteht jedoch noch Bedarf an Roggensorten mit einer ausgeprägten Standfestigkeit, vor allem bei reduziertem Pflanzenschutzmitteleinsatz. Untersuchungen der Universität Hohenheim belegen, dass die Standfestigkeit in den letzten Jahrzehnten züchterisch nicht verbessert wurde oder sogar nachgelassen hat. Eine Ursache dafür ist die zunehmende Pflanzenhöhe. Hier könnten leistungsfähige, standfeste Kurzstrohhybridsorten einen wichtigen Beitrag leisten.

In der aktuellen „Beschreibenden Sortenliste” sind 39 Sorten zur Körnernutzung verzeichnet. Hinzu kommen neun Sorten, die unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus geprüft wurden, sowie drei Sommerroggensorten. Während im Ökosortiment Populationssorten noch leicht überwiegen, machen Hybriden im „großen Sortiment“ den weitaus größten Anteil aus. Ihr höheres Ertragspotenzial, ihre bessere Krankheitsresistenz und stabilere Leistung im Vergleich zu Populationssorten haben dazu geführt, dass sich Hybridsorten im konventionellen Ackerbau durchgesetzt haben. Auch in den Landessortenversuchen (LSV) für den konventionellen Anbau werden seit einigen Jahren nur noch Hybriden geprüft. Die Ergebnisse der Landessortenversuche und die Beschreibung der Backeigenschaften in der Beschreibenden Sortenliste ermöglichen es den Betrieben, eine auf ihre Standortbedingungen und das Vermarktungsziel abgestimmte Sortenwahl zu treffen.

Vier neue Sorten im Landessortenversuch

In den LSV werden jedes Jahr neue Sorten aufgenommen, während ältere Sorten, die mindestens drei Jahre lang geprüft wurden, ausscheiden. Der LSV wurde im Herbst 2024 mit zehn Roggensorten angelegt, darunter vier neue Stämme. Die Aufnahme neuer Stämme in den LSV erfolgt vorbehaltlich der Zulassung durch das Bundessortenamt im darauffolgenden Frühjahr. Lediglich einer der vier Stämme konnte die Zulassung erfolgreich absolvieren:

Die Roggenhybride SU Fred (Saaten-Union) zeichnet sich durch eine mittlere Abreife, Pflanzenlänge und ausreichende Standfestigkeit aus (Tabelle 1). Die Blattgesundheit ist gut, insbesondere die geringe Anfälligkeit gegen Mutterkorn ist hervorzuheben. Aufgrund einer noch nicht ausreichenden Datengrundlage kann die Anfälligkeit gegenüber Mehltau noch nicht eingestuft werden. Das Ertragspotenzial wird als hoch, aber nicht sehr hoch eingeschätzt. Eine Schwäche von SU Fred ist die geringe Fallzahl. Auch weitere, für das Backverhalten wichtige Eigenschaften liegen eher im unteren Bereich.

KWS Fidalgor, KWS Wisdor und SU Torvi wurden in Deutschland nicht zugelassen, und daher liegt keine offizielle Beschreibung der Sorteneigenschaften vor. Die Sorten sind aber vertriebsfähig, da sie eine Zulassung in einem anderen EU-Mitgliedsstaat erlangt haben.

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