Ergebnisse der LSV Wintertriticale 2024/25 & Empfehlungen
Triticale hat auch nicht enttäuscht
Auch bei Triticale konnten in der Praxis gute bis sehr gute Erträge eingefahren werden. Für Nordhessen, wo Triticale meist als Stoppelgetreide angebaut wird, werden Erträge von 9 bis 10 t/ha berichtet. Dies ist einerseits auf den geringen Krankheitsdruck zurückzuführen, der bei allen Getreidearten zu verzeichnen war. Auf den etwas besseren Standorten hat zudem das Wasser ausgereicht. Während der späten Abreife traten zwar immer wieder Niederschläge auf, diese gingen jedoch nicht mit hohen Temperaturen einher. Die Bestände konnten relativ rasch abtrocknen, sodass Auswuchs trotz der generell höheren Auswuchsneigung von Triticale in diesem Jahr kein Problem darstellt.
Triticaleanbau wurde leicht ausgedehnt
Nach Winterweizen (148.200 ha) und Wintergerste (61.200 ha) steht Triticale in der Anbaufläche zwar an dritter Stelle in Hessen, hat jedoch eine deutlich geringere Anbaubedeutung. Die Anbaufläche wurde zum Vorjahr um 1.700 ha auf aktuell 20.500 ha ausgedehnt und liegt damit wieder auf dem Niveau von 2019 (Abbildung 1).
Der Triticaleanbau ist vor allem auf Grenzertragsstandorten des Weizenanbaus wirtschaftlich konkurrenzfähig. Auf leichteren Standorten ist Triticale dem Roggen unterlegen, da dieser ein stärker entwickeltes Wurzelsystem hat und Winterfeuchtigkeit besser zur Ertragsbildung nutzen kann. Moderne Triticale-Sorten sind in vielen agronomischen Eigenschaften mit Weizen vergleichbar, mit Ausnahme eines höheren Risikos für Lager und Auswuchs. Zu den vorteilhaften Eigenschaften von Triticale zählen beispielsweise eine gute Bodenbedeckung und Krankheitsresistenz. So wird Triticale zwar auch von Schwarzbeinigkeit befallen, die Ertragseinbußen fallen jedoch geringer aus als bei Weizen. Daher stellt Triticale eine Alternative zu Stoppelweizen dar. Mutterkorn tritt dagegen häufiger an Triticale auf als an Weizen. Bis zum Durchbrechen von Gelb- und Braunrostresistenzen vor einigen Jahren galt Triticale als Kultur, die extensiv mit geringem Fungizideinsatz geführt werden kann. Mittlerweile sind aber wieder vielversprechende Neuzüchtungen am Markt, die eine allgemein gute Blattgesundheit aufweisen. Weitere Vorteile von Triticale bestehen in einer hohen Stickstoffaufnahme und einer effizienten Nutzung des aufgenommenen Stickstoffs. Diese Eigenschaften machen Triticale zu einer wichtigen Kulturpflanze im Kontext der nachhaltigen Intensivierung.
Obwohl Triticale direkt für den menschlichen Verzehr geeignet ist, wird er aufgrund seines geringen Glutengehalts, der geringen Glutenqualität, der geringen Fallzahlstabilität, sowie der ungünstigen Korntextur, die zu schlechten Vermahlungseigenschaften und geringen Mehlausbeuten führt, hauptsächlich als Futtermittel angebaut. Der Anbau wird besonders interessant, wenn Triticale betriebsintern als Futtermittel oder für die Biogaserzeugung eingesetzt werden kann. Entsprechend liegt der Fokus des Triticaleanbaus in solchen Schwerpunktregionen. In anderen Ländern, wie Polen, Estland und der Ukraine wird Triticale hingegen auch als Brotgetreide gezüchtet und genutzt. Auch in der Schweiz und in den USA wird an der Entwicklung von Brottriticale geforscht.
Zwei neue Sorten im Landessortenversuch
In den Landessortenversuch wurden im Herbst 2024 zwei Stämme aufgenommen, die zur Zulassung anstanden und diese auch erfolgreich absolviert haben:
Promiso (Syngenta) ist eine neue Sorte mit guter Standfestigkeit. Die Blattgesundheit ist als sehr gut zu bewerten, die Anfälligkeit gegen Ährenfusarium ist allerdings deutlich erhöht. Promiso realisiert auch bei reduziertem Pflanzenschutzeinsatz hohe Erträge.
Trimobe (IG Pflanzenzucht) ist ein später abreifender, langstrohiger Triticale mit schwächerer Standfestigkeit. Die Anfälligkeit gegenüber Rynchosporium ist erhöht, ansonsten erscheint Trimobe relativ gesund. Auch Trimobe wird in der reduzierten Variante ertragsstärker eingeschätzt als in der optimierten Variante.
Weitere Details zu den Sorteneigenschaften können der Tabelle 1 entnommen werden. Eine Einschätzung der Winterhärte ist für die beiden Neuzugänge derzeit noch nicht möglich.
Hinweis
Den gesamten Beitrag incl. aller Tabellen finden Sie hier zum Herunterladen:





