Ergebnisse der LSV Winterweizen (frühe Sorten) 2024/25 & Empfehlungen

Bei trockener Witterung zeigen frühe Sorten vergleichsweise hohe Erträge

Aufgrund ihrer schnelleren Entwicklung und Abreife, besitzen frühe Sorten ein gewisses Potenzial, um mit heißen und trockenen Sommern besser umzugehen, als die regulären Winterweizensorten. Nach dem feuchten Jahr 2024 zeigte sich 2025 wieder mit ausgeprägter Frühjahr- und Sommertrockenheit. Ob der Anbau früher Sorten hier zur Ertragsabsicherung beitragen kann, soll anhand der Versuchsergebnisse beleuchtet werden.

Versuchfeld mit verschiedenen Sorten von Winterweizen (frühe Sorten)
Frühe Winterweizensorten im Landessortenversuch 2025

In den hessischen Landessortenversuchen (LSV) wird eine Sorte immer dann dem frühreifen Sortiment zugeordnet, wenn sowohl der Zeitpunkt der Reife mit mindestens vier (= früh bis mittel) oder früher eingestuft wird. Dieses Sortiment wird parallel zu dem regulären Winterweizen-LSV und dem Orientierungssortiment der Winterweizen geprüft und gesondert veröffentlicht. Nicht selten stammen die frühreifen Sorten aus den wärmeren Lagen Europas. Auch wenn das Klima in Hessen nicht mit Südeuropa vergleichbar ist, ist doch die Zunahme von Hitzeereignissen und Trockenheit mittlerweile merklich spürbar. Hier kann die schnellere Entwicklung der frühreifen Sorten von Vorteil sein, da sie bereits vor möglichen Trockenheits- und Hitzephasen kritische Entwicklungsstadien hinter sich gelassen haben. Auch die Entwicklung im Herbst und Frühjahr kann sehr zügig verlaufen, was zum Beispiel das Zeitfenster für den Pflanzenschutz nach vorn ziehen kann. Durch die Anpassung an wärmere Verhältnisse, bringen die frühreifen Sorten aber häufig eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Auswinterung mit sich, was besonders in der nördlichen Hälfte Hessens eine Herausforderung darstellt. In der Auswertung des Statistischen Bundesamts (Destatis)1 werden die frühreifen Sorten nicht gesondert aufgeführt, insgesamt bleibt der Winterweizen mit geschätzten 149.700 ha im Erntejahr 2025 aber die bedeutendste Feldfrucht in Hessen.

Ein eigenes Sortiment für die besonderen Anbauanforderungen

Durch die unterschiedliche Entwicklung, Abreife sowie speziellen Herausforderungen bezüglich der Auswinterung und des Pflanzenschutzes, werden die frühen Winterweizensorten in einem eigenen Sortiment geführt. Anders als beim regulären Winterweizen, erfolgt die Prüfung überwiegend an südlicheren Standorten Friedberg (FB) und Griesheim (GRI) sowie zusätzlich an dem osthessischen Standort Bad Hersfeld (HEF) und dem nordhessischen Standort Korbach (KB). An jedem Standort werden jeweils dieselben Sorten getestet und über die Standorte hinweg ein Durchschnitt gebildet. Hierbei werden die Sorten jeweils in zwei Varianten behandelt: In der reduzierten Variante erfolgt nur eine Behandlung mit max. 50 % der üblichen Wachstumsreglermenge; in der optimierten Variante wird die übliche Wachstumsreglermenge appliziert und standortübliche Behandlungen gegen auftretende Pflanzenkrankheiten und Schädlinge durchgeführt. Ein Sortiment aus langjährig geprüften Sorten bildet die Bezugsbasis (BB), deren durchschnittliche Erträge 100 % entspricht und die Ertragswerte der anderen Sorten ins Verhältnis gesetzt werden. Bevor eine Winterweizensorte abschließend durch den LLH empfohlen werden kann, muss sie eine dreijährige Prüfung in den LSV durchlaufen. Bei den LSV werden die Ertragsleistungen und Qualitätsparameter der wichtigsten Kulturpflanzen für Hessen unabhängig und objektiv geprüft. Wenn geprüfte Sorten nach zwei Jahren bereits gewissen Tendenz aufzeigen, und dann auch für den Probeanbau vorgeschlagen werden können, sind doch die (Witterungs-)bedingungen von drei Jahren nötig, um eine fundierte Aussage treffen zu können.

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