Winterrapsanbau: Sortenwahl zur Herbstaussaat 2026

Je nach Witterung und Standort kann es passieren, dass der Winterraps seinen „ersten Geburtstag feiert“, d. h., zwischen Aussaat und Ernte vergeht mehr als ein Jahr. Dementsprechend muss die Sortenwahl für die nächste Saison vor der anstehenden Ernte getroffen werden. Betriebe, die einen Sortenwechsel planen, können auf die Erntedaten des Vorjahres zurückgreifen, um die Leistung relevanter Sorten zu bewerten. Im Folgenden werden die Erträge und Leistungen der Winterrapssorten in den Landessortenversuchen 2024/2025 präsentiert.

Bedingungen in der Saison 2024/2025

Die Aussaat 2024 des Winterrapses erfolgte in Hessen überwiegend unter guten Bedingungen und im standorttypischen Zeitraum. Der Herbst war vergleichsweise warm, sodass die Bestände bis November, teilweise sogar bis Dezember weiterwachsen konnten. Mit Ausnahme des Januars fiel weniger Niederschlag in der Vegetationsperiode 2024/2025 als üblich. Die überdurchschnittlichen Niederschläge im Januar führten besonders auf schweren Böden zu Wachstumsverzögerungen, Blattverlusten und einer Violettfärbung (Bildung von Anthocyanen, ein Schutzmechanismus gegenüber schädlichen Verbindungen) der Pflanzen.

Der Schädlingsdruck war insgesamt moderat. Im Herbst 2024 traten Blattläuse, Schwarzer Kohltriebrüssler und Rapserdfloh auf. Im Vergleich zum vergangenen Herbst 2025 fiel der Schaden insbesondere durch den Rapserdfloh in einem geringerem Maße aus. Hohe Tagestemperaturen im Februar 2025 förderten den Flug von Rapsstengelrüssler und Gefleckten Kohltriebrüssler, wobei die Schadschwellen meist nur regional oder zeitweise überschritten wurden. Auch Krankheiten blieben insgesamt auf einem moderaten Niveau. Phoma trat nur regional stärker auf, vor allem auf unbehandelten Flächen. Starke Niederschläge kurz vor der Ernte führten bei weniger standfesten Sorten teilweise zu Lagerbildung und verzögerten mancherorts die Ernte. Insgesamt waren die Bedingungen für die Ertragsbildung durch die hohe Sonneneinstrahlung im Frühjahr und Frühsommer günstig.

Breites Sortiment in der Prüfung

Das Sortiment des Winterraps-Landessortenversuches (LSV) 2024/2025 umfasste 24 Sorten, darunter drei Sorten, die in 2023 bzw. in 2024 in Deutschland neu zugelassen wurden und drei EU-Sorten, d.h. Sorten, die in einem anderen EU-Mitgliedsstaat zugelassen wurden und in Deutschland eine weitere zweijährige EU-Sortenprüfung durchlaufen haben.

Zur Ernte 2025 lagen die Erträge im Mittel der Standorte Friedberg, Fritzlar und Korbach zwischen 47,6 dt/ha (reduzierter Pflanzenschutz) und 48,8 dt/ha (optimierter Pflanzenschutz) (Tabelle 1). Erwartungsgemäß brachten die zusätzlichen Applikationen von Fungiziden, die bei Raps auch die Funktion als Wachstumsregler einnehmen, nur geringfügige Mehrerträge. Nur in Jahren mit hohem Druck an Phoma oder Sklerotinia werden Fungizide ökonomisch sinnvoll. An dieser Stelle sei auf das Prognosemodell SkleroPro (https://www.isip.de/isip/ackerbau/raps/sklerotinia) hingewiesen, welches bei der Entscheidungsfindung, ob eine Blütenbehandlung zur Sklerotinia-Bekämpfung sinnvoll ist, unterstützt.

Generell fielen die Erträge in Fritzlar und Korbach geringer aus als in Friedberg. Diverse Gründe können dafür verantwortlich gewesen sein: neben Standortunterschiede können die deutlich spätere Aussaat in Fritzlar, aber auch der höhere Anteil an Winterraps in der Fruchtfolge in Fritzlar und Korbach verantwortlich sein. Auf der Fläche in Friedberg wird eine weitere Fruchtfolge gefahren, was die Belastung an Pathogenen reduziert und folglich die Erträge erhöht.

Mit Ertragsunterschieden von bis zu 11 dt/ha zwischen der ertragsschwächsten und ertragsreichsten Sorte bot das Sortenspektrum eine beachtliche Differenzierung im Kornertrag. Von den erst einjährig geprüften Sorten bringen die EU-Sorten Ceos und Firenzze an allen Standorten und in beiden Intensitätsstufen deutlich überdurchschnittliche Erträge und bestätigen damit die sehr guten Ergebnisse aus dem EU-Sortenversuch. Bei den zweijährig geprüften Sorten zeichneten sich KWS Vamos, KWS Ektos und Cheeta durch eine durchgängig überdurchschnittliche Leistung aus. Bei den drei- und mehrjährig geprüften Sorten brachte in 2025 die bewährte Sorte Daktari erneut einen sehr guten Kornertrag. Picard, LG Activus, PT303, Hermann und Vespa (auch in 2026 in der Prüfung) zeigten sich etwas schwächer, erreichen aber noch einen durchschnittlichen bzw. leicht über dem Mittel liegenden Ertrag. Ambassador, LG Adonis, LG Auckland, Humboldt und Archivar konnten in 2025 hingegen nicht voll überzeugen und wurden auch nicht mehr in den Landessortenversuch 2025/2026 Winterraps aufgenommen.

Die Sorte Cromat, ausgestattet mit einer Kohlhernieresistenz, blieb ertaglich auch im zweiten Prüfjahr deutlich unter dem Versuchsmittel. Bereits in früheren Prüfjahren erreichten die Sorten mit einer Kohlhernieresistenz nicht das Ertragsniveau der Spitzensorten. Daher gilt nach wie vor die Empfehlung, resistente Sorten nur auf nachgewiesenen Kohlhernie-Befallsflächen anzubauen. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist eine Anbaupause von vier und mehr Jahren die wichtigste Maßnahme der Kohlhernie vorzubeugen.

Hinweis: Den gesamten Beitrag inklusive aller Tabellen finden Sie hier zum Herunterladen.

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