Ergebnisse der LSV Winterraps 2025/26 & Empfehlungen

Schwieriges Rapsanbaujahr für Hessens Betriebe

Winterraps war in der Vegetationsperiode 2025/2026 mit rund 51.500 ha Anbaufläche die bedeutendste Blattfrucht in Hessen. Zahlreiche Vorteile – darunter die Auflockerung getreidelastiger Fruchtfolgen, die positive Wirkung auf die Bodenstruktur, die Anbaueignung in den meisten Regionen sowie hohe Deckungsbeiträge – machen die Kultur für Hessens Ackerbaubetriebe attraktiv. Allerdings wird dieses positive Bild durch die aktuelle Schädlingssituation getrübt, da die Ertragserwartungen vielerorts nicht erreicht werden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gewinnen Sorten mit einer raschen Jugendentwicklung, guter Winterhärte, geringer Anfälligkeit gegenüber Phoma sowie hoher Schotenplatzfestigkeit zunehmend an Bedeutung. Die Ergebnisse der Landessortenversuche Hessen sollen Auskunft geben, welche Sorten zukünftig von Bedeutung sind.

Das Anbaujahr 2025/2026

Die Aussaat 2025 des Winterrapses erfolgte überwiegend im üblichen Saatzeitfenster. Während der Aussaat herrschten überwiegend günstige Bodenverhältnisse mit einer guten Krümelstruktur und mit einer zufriedenstellenden Saatgutablage zur Folge. Regional führten ergiebige Niederschläge Ende August jedoch dazu, dass ausgebrachte Bodenherbizide teilweise eingewaschen wurden mit der Folge von verzögertem Auflaufen und zögerlichen Herbstentwicklung. Ansonsten verlief die Herbstentwicklung günstig. Bis in den Dezember konnten die Bestände in Gunstlagen weiterwachsen. Die für eine ausreichende Winterhärte empfohlenen acht Blätter wurden bis auf wenige Ausnahmen bei Spätsaaten erreicht.

Ende Dezember setzte die erste längere Frostperiode ein, teilweise begleitet von Schneefall. Nach einer kurzen frostfreien Phase in der zweiten Januardekade folgte in der dritten Januardekade eine längere Periode mit geschlossener Schneedecke. Ab der zweiten Februardekade kam es auf einzelnen Standorten zu einer hohen Wassersättigung der Böden und eine daraus resultierende Staunässe führte örtlich zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich. Betroffene Pflanzen verfärbten sich violett, verloren Blätter oder fielen teilweise aus. Der Phoma-Befall bewegte sich überwiegend auf einem durchschnittlichen bis eher niedrigen Niveau. Im Herbst wurden zeitweise Zuflüge von Blattläusen beobachtet. Wie bereits im Vorjahr wurde regional auch der Schwarze Kohltriebrüssler in Gelbschalen nachgewiesen. War dieser Schädling vor wenigen Jahren eher im Süden Hessens zu finden, kann der Schwarze Kohltriebrüssler auch in höheren Lagen des Nordens erheblichen Schaden verursachen. Typische Symptome sind geschwächte Pflanzen, abgestorbene Haupttriebe sowie eine verstärkte Bildung von Seitentrieben („Hexenbesen“), die ungleichmäßig blühen und abreifen. Der Rapserdfloh bleibt in allen Regionen der bedeutendste Schaderreger im Herbst, dessen Larvenfraß je nach Befallsstärke und Bekämpfungserfolg im Frühjahr noch sichtbar sein kann. Berichte aus Südhessen offenbaren die geringen bis nicht vorhandenen Wirkung der noch zugelassenen Insektizide. Aufgrund der raschen Verbreitung der Resistenzen sind mehrere Applikationen von diversen Pyrethroiden die Folge. Notfallzulassungen für Diamide können bedingt Abhilfe schaffen, eine Erweiterung des Werkzeugkastens scheint dennoch unabdingbar. Stimmen aus der Wissenschaft nach einer überbetrieblichen Synchronisierung der Fruchtfolgen zur flächendeckenden Reduzierung des Insekts werden lauter, dies wäre jedoch ein Eingriff in die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Betriebe. Andere Ansätze wie Aussaattermin oder Sortenunterschiede in der Kompensation nach Befall werden zukünftig in den Fokus rücken müssen.

Ende Februar kam es aufgrund höherer Tagestemperaturen zum Zuflug des Großen Rapsstängelrüsslers und des Gefleckten Kohltriebrüsslers in die Bestände. Das flächenspezifische Monitoring durch Gelbschalen war besonders in dieser Phase wichtig, nicht behandelte Flächen zeigten Ertragsdepressionen. Die Rapsglanzkäferpopulationen bewegten sich auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Die Bekämpfungsschwellen wurden in den meisten Beständen nicht erreicht. Die Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum) trat wenig auf. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht insbesondere in rapsintensiven Fruchtfolgen sowie auf Standorten mit einem hohen Anteil weiterer Wirtspflanzen wie Sonnenblume, Erbse oder Kartoffel. Zwar unterscheiden sich die Rapssorten hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber Sclerotinia, jedoch können bei entsprechendem Infektionsdruck auch weniger anfällige Sorten befallen werden. In vielen Jahren ist die „Blütenbehandlung“ nicht notwendig, sie ist als Versicherung zu sehen, die in einzelnen Jahren die Erträge und Qualitäten absichern kann. Mit Beginn der Blüte sollte den Beständen verstärkt Aufmerksamkeit hinsichtlich eines Befalls durch den Kohlschotenrüssler gewidmet werden. Kohlschotenrüssler wurden meist am Feldrand bonitiert, mit zunehmender Entfernung vom Feldrand nahm die Befallsdichte in der Regel deutlich ab.

Die zunehmende Verbreitung und der steigende Befallsdruck wichtiger Rapsschädlinge erhöhen in vielen Anbauregionen das Risiko von Ertragsverlusten. Dadurch kann die Wirtschaftlichkeit des Winterrapsanbaus regional zunehmend gefährdet werden. Ein ausschließlich auf Insektiziden basierender Pflanzenschutz wird den zukünftigen Anforderungen im Winterrapsanbau nicht mehr gerecht. Es wird die Aufgabe des landwirtschaftlichen Versuchswesen und der Forschung sein, breitere Ansätze zu evaluieren.

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