Ergebnisse der LSV Wintertriticale 2025/26 & Empfehlungen
Triticale verbindet Eigenschaften von Weizen und Roggen und wurde ursprünglich mit dem Ziel gezüchtet, die hohe Ertragsleistung und Kornqualität des Weizens mit der Robustheit und den geringeren Standortansprüchen des Roggens zu kombinieren. Die Kultur eignet sich daher insbesondere für mittlere bis schwächere Standorte, auf denen Winterweizen nicht immer sein volles Ertragspotenzial ausschöpfen kann. Das Futtergetreide ist gerade für viehhaltende Betriebe von großer Bedeutung und liefert neben dem Korn- auch hohe Stroherträge. Im Folgenden werden die Ergebnisse der diesjährigen Landessortenversuchs Wintertriticale in Hessen vorgestellt.
Triticale, ein Getreide mit Low-Input Character?
Wegfallende Möglichkeiten des Einsatzes von Pflanzenschutzmittel, eine rasante Entwicklung von resistenten Krankheiterregen und zunehmende Wetterextremen lassen die Sortenwahl als wichtige Komponente eines erfolgreichen Ackerbaus in den Fokus rücken. Triticale gilt schon lange als vergleichsweise robuste und pflanzenschutzextensive Kultur, jedoch haben sich in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere Gelbrost, aber auch Braunrost, Rhynchosporium und Ährenfusarium zu relevanten Krankheiten entwickelt. Dabei bestehen deutliche Sortenunterschiede, sodass eine gute Toleranz gegenüber diesen Krankheiten zunehmend zur Grundlage für einen wirtschaftlichen Anbau mit reduziertem Fungizideinsatz wird. Besonderes Augenmerk sollte auf die Wechselwirkung zwischen Sortenleistung und Pflanzenschutzintensität gelegt werden. Eine pauschale Einordnung der Kultur als Low-Input-Getreide ist daher nicht uneingeschränkt zutreffend. Vielmehr können gesunde Sorten unter reduziertem Pflanzenschutz einen wichtigen Beitrag zur Ertragssicherheit leisten. Gleichzeitig ermöglichen leistungsfähige und standfeste Sorten eine sichere Ausschöpfung des Ertragspotenzials auch bei intensiverer Bestandesführung. Bei Mutterkorn nimmt die Pflanze eine Zwischenstellung zu Weizen und Roggen und kann bei ungünstigen Bedingungen einen höheren Befall aufweisen. Die für Tiere und Menschen schädliche Ergotalkaloide können in Jahren mit hohem Mutterkornbesatz die Vermarktung erschweren bis hin zu verhindern. Die EU hat die zulässigen Höchstgehalte in den vergangenen Jahren verschärft, wobei die Umsetzung der niedrigeren Grenzwerte teilweise aufgrund der schwierigen praktischen Erreichbarkeit verschoben wurde. Neben der Anbausituation ist daher insbesondere die Sortenanfälligkeit ein wichtiger Faktor für die Risikobewertung und sollte bei der Sortenwahl berücksichtigt werden.
Trockentoleranter als andere Getreidearten?
Triticale nahm 2025 mit rund 21.500 ha Anbaufläche in Hessen nach Weizen und Gerste den dritten Platz unter den Getreidearten ein. Die Kultur wird überwiegend zur Kornnutzung angebaut, während langstrohige Sorten zusätzlich für die Ganzpflanzensilage genutzt werden können.
Triticale weist eine vergleichsweise gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen auf, wobei sich deutliche Sortenunterschiede in der Reaktion auf Trockenstress zeigen. Besonders empfindlich reagiert die Kultur, wie die meisten Kulturpflanzen, während der Blüte und der anschließenden Kornbildung, da Wasserdefizite in diesen Phasen sowohl den Kornansatz als auch die Kornfüllung beeinträchtigen können. Die Hitzephase zum Monatswechsel Juni/Juli fiel in diese kritische Entwicklungsphase und hinterließ deutliche Spuren: Die bis dahin vielversprechenden Bestände bildeten teilweise nur kleine Körner aus, wodurch die Erträge entsprechend schrumpften. Aktuelle Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass Wasserdefizite während der Blüte einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Ertragsbildung haben können als Trockenstress während der Kornfüllungsphase. Dementsprechend muss die Aussage, das Triticale trockentoleranter als andere Getreidearten scheint, relativiert werden.
Zwei neue Sorten verjüngen älteres Sortiment
Neben den langjährigen Standards Lombardo, Rivolt und Lumaco sind zwei neue Sorten im Landessortenversuch 2025/2026 geprüft worden.
RGT Comebac (RAGT, Zulassung 2026) ist eine ertragsstarke, frühe Triticalesorte mit der BSA-Einstufung 9 in Stufe 1 und 8 in Stufe 2 (Tabelle 1). Gleichzeitig weist sie eine gute Blatt- und Ährengesundheit auf. Besonders hervorzuheben sind die sehr geringe Braunrost- und geringe bis mittlere Gelbrostanfälligkeit. Die erhöhte Lagerneigung sollte bei der Bestandesführung berücksichtigt werden.
Rugiro (Hauptsaaten, Zulassung 2026) weist eine sehr geringe Anfälligkeit gegenüber Mehltau, Gelb- und Braunrost auf und zeigt auch bei Blattseptoria und Rhynchosporium eine gute bis mittlere Einstufung. Die mittlere Pflanzenlänge und Lagerneigung ermöglichen eine vergleichsweise sichere Bestandesführung. Rugiro erscheint damit insbesondere für einen Anbau mit moderater Pflanzenschutzintensität interessant.
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